Freitag, 9. August 2013

Ein Tag am Meer

Endlich geht es wieder los. Das muntere Kugel-in-den-falschen-Topf-Spiel des DFB bescherte uns einen Ausflug an die Nordsee zum Jadebusen nach Wilhelmshaven.
Nachdem ein paar Schauer am Morgen für eine ersehnte Abkühlung gesorgt hatten, ging es gegen 08.00 Uhr mit unserer Dreiergruppe aus Dortmund, Richtung Norden. Mit jedem Kilometer weiter, klarte der Himmel und vieles deutete auf einen richtig angenehmen, sonnigen Tag hin. Nach ca. 3,5 Stunden, mit einigen Päuschen, erreichten wir dann Wilhelmshaven gegen Mittag, wo wir uns dann gleich einen Parkplatz am Stadion suchten. Das Stadion liegt etwas außerhalb des Stadtkerns in einem Sportkomplex. Alles wirkte doch ein paar Nummern kleiner, aber durchaus angenehm und sympathisch. Der Parkplatz war für umme und die Polizisten sehr nett und auskunftsfreudig. Irgendwie merkte man auch denen an, dass für sie ein besonderer Tag war. 

Wir machten uns mit dem Bus Richtung Stadt bzw. Strand auf. Einigen Schwatzgelben schmeckte es nicht, dass die Busfahrt extra bezahlt werden musste und nicht, wie in der Bundesliga üblich, in der Eintrittskarte enthalten war. Weshalb man seinen Unmut – der meines Erachtens völlig unangebracht war - jedoch gleich lauthals dem Busfahrer, der vermutlich am wenigsten für diese Situation kann, vor den Latz knallen muss, erschließt sich mir nicht. Nach 45 minütiger Panoramafahrt durch das 70.000 Seelen-Nest Wilhelmshaven, gelangten wir, mit einmal Umsteigen versteht sich, zum Südstrand. Über die sehenswerte Kaiser-Wilhelm-Brücke, mit Ausblick auf den Hafen der Kriegsmarine sowie aufs Mannschaftshotel trafen wir auf Sebi, Chrissy und Sarah, die ebenfalls an dem Morgen aus Westkirchen angereist waren. Der Strand und Promenade waren fest in schwarzgelber Hand und so mancher hatte dem friesisch Herben schon ordentlich zugelacht. Das Revier hatte man gleich mal dadurch markiert, dass man die Fanclubfahnen und –Banner an den Strandkörben aufgehängt hatte, was zu einem eindrucksvollen Bild führte. Am Strand machte sich dann auch schon gleich die erste Boykottwelle breit. Viele, die sich dort aufhielten, wollten nicht zum Spiel. Weshalb man dann diejenigen Schwatzgelben als Modefans anzählen muss, die eine Eintrittskarte fürs Spiel haben und die Mannschaft im Stadion unterstützen wollen, kann ich nicht nachvollziehen. Nach ner knappen Stunde und frisch geölten Haaren gings zurück zum Bus. Auch hier das schon bekannte Geschacher um den Fahrpreis. Dem Busfahrer wurde es zu bunt und aufgrund des großen Andrangs ließ er sich zu einem „Los kommt alle rein und durchgehen“ verleiten – also Busfahren für lau. Endlich. Im Bus selber war eine merkwürdige Stimmung. Viele ordentlich betankte Gestalten unseres Vereins, die zudem eine eindeutige politisch Meinung vertraten, kurbelten in dem Moment nicht gerade die Vorfreude aufs Spiel an. Da man vergeblich Fans des SVW in der Stadt suchte, wurden halt andere Leute angepöbelt. Fremdschämen war hier mal wieder angesagt. Da wir leider einer Fehlinformation des Busfahrers vom Hinweg unterlagen, stiegen wir am ZOB aus, während der Mob weiter im Bus blieb. Aus diesem Gesichtspunkt betrachtet, eine gute Entscheidung. Leider rannte uns so etwas die Zeit davon und da man auf den Einsatz von Sonderbussen vorm Spiel verzichtet hatte, waren wir an den Linienfahrplan gebunden. Taxen waren leider auch keine Alternative, denn es standen schlichtweg keine zur Verfügung… Dennoch erreichten wir gegen 15 Uhr das Jadestadion, wo sich unsere Gruppe dann trennte. Sebi und ich gingen Richtung Südtribüne, der Rest in den Norden zu den Heimfans. Die Schlange vorm Einlass zum Gästeblock war erschreckend lang und selbst 10 Minuten vor Anpfiff waren wir noch nicht wirklich weiter voran gekommen. Auch hier säumten kleine, pubertierende Schwatzgelbe die Reihen und beschimpften die wartenden BVBler, da die sich nicht am Boykott beteiligten. Langsam nervten diese kleinen Selbstdarsteller wirklich. Als wir uns schon ausmalten, erst zur Halbzeit im Stadion zu sein, öffneten die Ordner 5 Minuten vor Anpfiff auch den Haupteingang für uns, so dass wir zumindest schon mal im Stadion waren. Über den einzigen Zugang auf die Gästetribüne hinterm Tor bahnten wir uns unseren Weg in den überfüllt wirkenden Block und waren pünktlich zum Anstoß da. Platz war trotzdem genug vorhanden,, da alle einfach meinten, oben am Eingang stehen bleiben zu müssen. Die Stimmung im Block war nicht existent, was natürlich daran lag, dass das Spiel von den Ultras boykottiert wurde. Auch das Klientel war anders. Man merkte, dass einige wenige wirklich die Chance genutzt hatten, sich mal ein Fußballspiel aus der Nähe anzusehen. Entweder wurden klug irgendwelche Phrasen aus dem Publikum aufgegriffen und weitergetragen oder man fiel dadurch auf, dass man nicht gerade regelkundig daher kam. Naja, wir wollten ja nur das Spiel sehen und uns nicht selbst inszenieren, von daher war es eher amüsant, aber nicht tragisch, diese Leute im Block zu haben. Der Heimblock war ebenfalls gut gefüllt, aber auch hier leuchteten im Wesentlichen den schwatzgelben Trikots. Lediglich hinterm Tor gab es einen Block von ca. 50-100 Mann, die auch ordentlich den SVW anfeuerten. Zum Einlaufen gab es hier ne nette Blockfahne mit Pyroeinlage. Hinter uns versuchte eine Gruppe Heranwachsender Stimmung zu machen, die aber in der Masse irgendwie nicht ankam. Lag sicher auch an der Auswahl des Liedgutes. Später meinte auch diese Gruppe, alle anderen Fans, die sich dem Support nicht anschlossen, als „Umlandfans“ einzuordnen. Die Jungs hatten gut am friesisch Herben geschnuppert und einige ihrer Songs waren auch ganz witzig, von daher gingen sie mit ihrer Art eher weniger auf den Sack. Als „Umlandfans“ wurden bereits im Vorfeld in den Foren jene BVB-Fans bezeichnet, die sich potenziell nicht am Boykott beteiligen würden, weil diese die Chance bekommen würden, den BVB mal live in der Nähe ihrer Heimat zu sehen . Interessant war jedoch, dass diese Gruppe aus 16-20 jährigen über die gute Stimmung/Lieder im Westfalenstadion in den 1990ern philosophierte…

Das Spiel ist schnell erzählt. Typisches Erstrundenspiel mit einem Gegner, der seine defensive Linie 70 Minuten lang wirklich konsequent und gut durchzog und es uns sehr schwer machte. Bei uns fehlte dem einen oder anderen sichtlich ein paar Prozent Einstellung. Trotzdem, in Duksch und Hofmann gab es Lichtblicke. Schön auch, dass Kevin ausgerechnet dann das Tor macht, als die Wilhelmshavener „Eure Eltern gehn´ zum S0x“ anstimmten.
Für die Halbzeit wurde bereits eine Sangeseinlage von der weltbekannten Combo „Hans und die Torjäger“ angekündigt. Da man jedoch kurz vor der Halbzeit, den Dortmunder Block dazu informierte, dass die Feuerwehr in der Halbzeit für Abkühlung sorgen würde – es war die einzige Tribüne ohne Dach und die Sonne stand am Himmel – spielte sich die Show einzig im Süden des Stadions ab. Hans und seine Torjäger trällerten hingegen ungehört im Mittelkreis herum…
Nach dem Spiel verlief alles ruhig, außer ein paar Testosteron gesteuerte Halbstarke, die sich durch einen Typen im Bayern-Trikot provoziert fühlten. Auch eher peinlich, dass man hier, wie von der Tarantel gestochen mit ca. 10 Leuten auf eine Klatschpappe rennen muss. In London hat man die Typen dich auch am besten damit gestraft, sie einfach zu ignorieren. Die Staatsmacht war auf jeden Fall schnell zur Stelle.
Da die Besatzung unseres Burger Kings, irgendwo an der A1 bei Damme, auf komplett Valium war, dauerte unsere Rückfahrt etwas länger als geplant, so dass wir erst gegen 22 Uhr wieder in Dortmund waren.

Fazit: War gut! Abseits der großen Betonschüsseln der Bundesliga, mal ein etwas anderes. Die Gastgeber haben sich wirklich Mühe gegeben und waren gastfreundlich. Klar, man merkte schon, dass die nicht zu jedem Heimspiel ca. 8.000 Leute verarzten müssen. 
Sommer, Sonne, Strand und Fußball – was will man mehr.
Am Auftreten der schwatzgelben Unterstützer muss aber noch stark gearbeitet werden. Das war schlecht und kein Vergleich z.B. mit den Auftritten der letzten Saison, insbesondere international auswärts.

Zum Boykott: bisher fand ich den Boykott eigentlich immer recht angenehm, da sich die Initiatoren stets auf die Fahne geschrieben haben, dass das alles freiwillig abläuft. Das Leute angezählt werden, die ins Stadion gehen, ist meiner Meinung nach nicht förderlich für diese Aktionen. In der Liga ist die Kritik an den Eintrittspreisen auch durchaus berechtigt, da hier einige Vereine nur abkassieren. Meines Erachtens lag aber in Wilhelmshaven eine andere Situation vor. Im Pokal werden die Eintrittsgelder zwischen Gastgeber, Gast und vor allem DFB geteilt. Mittlerweile hat der DFB es sogar den Gästen untersagt, ihren Anteil dem Gastgeber zu überlassen. Das war eigentlich jahrelang üblich. Wenn man sich jetzt vor Augen führt, dass ein Stehplatz bei einem Regionalligaspiel in Wilhelmshaven 8,00 € kostet und man diese dann noch mit BVB und DFB zu teilen hätte, kann ich zumindest verstehen und akzeptieren, dass man die Preise auf ein Niveau anhebt, damit man ein paar Euros über macht und nicht noch drauf zahlt. Letztlich ist das Erreichen der ersten Hauptrunde für die kleinen Clubs fast überlebenswichtig und die Einnahmen decken meistens den Etat der kompletten Saison. 
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Schwarzgelbe Grüße von
: Holger

Samstag, 1. Juni 2013

Wembley Calling - oder: Wo gibt’s hier noch mal die Klatschpappen?



Der große Tag ist also gekommen. Zwei Wochen Anspannung sind der Konzentration im Büro nicht wirklich zuträglich gewesen, aber Kollegen und Vorgesetzt zeigten Gott sei Dank Verständnis. Wie eigentlich bei jedem Mal, wenn man Europa auswärts fährt, gibt es den ersten Hormonschub, wenn die Bürotür hinter einem ins Schloss fällt. Ab jetzt hat man endgültig den Tunnelblick. Praktisch, dass Marcel auch zeitig auf dem Weg nach Köln ist, sodass wir bereits um 18:00 Uhr mit den ersten Kölsch-Stangen in der Hand auf den Barhockern des ehrenwerten Triers Ecks verbracht haben. Während wir den Choke noch in der Hand haben, geht es zum Bahnhof und von da aus zum Flughafen Köln. Dort stieß dann auch David zu uns. Wir haben uns extra etwas früher getroffen, um in bester Stiftung Warentest-Manier der dortigen Gastronomie auf den Zahn zu fühlen. Dank EasyJet wurde es für die Dame hinterm Tresen dann ein echter Härtetest, denn plötzlich stand eine Verspätung von rund zwei Stunden zu buche. Die Zöllner vertrieben sich unterdessen die Zeit und führten eine Strichliste von Dortmund-Fans und Klatschpappen. Den Zwischenstand wollte er uns aber nicht verraten. Beim Abflug konnte EasyJet dann auf einen großen Teil der Kerosinreserven sparen, da die Passagiere schon selbst genug Sprit im Tank hatten. Da fiel es auch nicht ins Gewicht, dass der Bordservice nicht den besten Tag hatte. Auf dem einstündigen Hüpfer über den Kanal kann man das in Ruhe verkraften. 

In Eindhoven, von wo Holger aus startet, ist die Lage etwas entspannter. Dummerweise wird der Flughafen gerade komplett renoviert, so dass sich die Flüssiggasversorgung auf Flaschenbier reduziert und das auch noch von der einheimischen Marke „Bavaria“ ausgeliefert wird. Egal, beidhändig beschäftigt wartet man auch hier auf den leicht verzögerten Abflug Richtung Stansted. Ryanair schenkt hingegen gut und schnell aus. Auch die obligatorischen 2 Pils pro Bestellung sind kein Thema, was bei dem Freudenhaus-Preisen von 5,00 € pro Dose auch kein Wunder ist…
Lediglich Manuel hat mal wieder die Terrorgefahr auf sich gezogen. Als erster von uns Richtung London startend, hat er gleich mal die Komplettsperrung in Heathrow mitgebucht…
Mit der Bahn ging es dann den Rest der Strecke in die City, Check-in im Hotel und noch ab in den nächsten Pub, das "Miller's". Dort gesellten sich dann auch Holger und Manuel zu uns, die bereits die umliegenden Häuser gecheckt und erste Fachgespräche geführt hatten. Bereits hier kristallisierte sich heraus, wem die Sympathien der Einheimischen fürs Finale gelten sollten. Man konnte zudem etwas Nachhilfe in Sachen Geografie geben, da einige Engländer der Meinung waren, es stünden 2 Deutsche Mannschaften im Finale. Man konnte hier glaubhaft versichern, dass es sich um eine deutsche und eine österreichische Mannschaft handeln würden. Und die Österreicher spielen in Rot…
Da Abend fand dann seinen Ausklang beim einarmigen Reißen in der Pint-Klasse im Millers. Nachdem wir das Klassenziel erreicht hatten, ging es dann ab in die Falle.

Der Spieltag begann mit einem herzhaften Frühstück bei Madame Pompidou.
Das Fundament für den Rest des Tages war also gelegt. Im Anschluss wollten wir uns dann als würdige Botschafter unserer schönen Heimat präsentieren. Entsprechend assimilierten wir uns mit den Einheimischen im Miller's. Der Anfang eines extrem lustigen Morgens. Neben einigen anderen Dortmundern kam lungerte dort schon eine Herde stiernackiger Leicester-Tigers-Fans herum, die Samstag ebenfalls ein großes Spiel erwartete - und zwar im Rugby-Mekka Twickenham. Für einige launige Momente sorgte vor allem Basses "Wüstenfuchs-Helm", der ein gefragtes Fotomotiv war. Um das Ambiente abzurunden, wurde dann unter lautem Gelächter gemeinsam der alte Gassenhauer von den "Ten german bombers in the air" die Runde. Es wurde dabei sehr deutlich, dass die Sympathien der Engländer auf unserer Seite lagen. Zum einen, weil unsere Mannschaft jung und unverbraucht ist, zum anderen weil sich der Ruf unserer Fanszene schon sehr weit rumgesprochen hat. Einige Engländer hatten sich sogar Warnwesten mit BVB-Logo bedruckt.

Mittags ging es dann zum Westminster-Pier. Dort trafen wir uns mit dem Rest unserer Truppe. Auch ohne Karte hatten sich wie erwartet abertausende Borussen auf den Weg gemacht. Das Bild in der Innenstadt war komplett von der Borussia geprägt. Unsere Leute, die mit dem Bus kamen, waren vorher noch am Trafalger Square und dort muss wohl "Breitscheidplatz-Stimmung" gewesen sein. Sebastian Kulla hatte tatsächlich zwei Klatschpappen im Gepäck, die beide von der Stimmung uns Atmosphäre durch den BVB schwer beeindruckt waren. Nachdem man London zu Land und in der Luft schon erobert hatte, fehlte noch die Wasserlandung.
Dies holten wir mit einer entspannten, aber auch sangesfreudigen Bötchenrundfahrt über die Themse nach. Bei bestem Wetter entspannte man auf dem Sonnendeck und genoss den Ausblick auf zahlreiche Londoner Sehenswürdigkeiten. Bezeichnenderweise wurde Eva von 2 Schweizer Touristen gefragt, wo denn die Bayern-Fans feiern würden. In der ganzen Stadt würde man nur schwatzgelb sehen…Nach der Rückkehr zum Westminster-Pier stand dann die Trennung unserer Gruppe an. Während die acht glücklichen Karteninhaber Richtung Stadion fuhren, kehrte der Rest der Gruppe bei Hamburger, Bier und Hochsitz-Cola in der australischen Bar Walkabout ein, wo das Spiel auf zahlreichen Bildschirmen übertragen wurde. Eva und Manolo  durften dann noch mal ne halbe Stunde vom Stadionbesuch träumen, doch 2 Stationen vor Wembley Park mussten wir den beiden mitteilen, dass der Schwarzhändler vorm Stadion uns ohne Karten stehen gelassen hatte. Emotionale Höchststrafe für die beiden, doch nach anfänglicher schwerer Enttäuschung gabs dafür von den beiden dann halt Vollgas im Walkabout. Hut ab.

Die Bahnfahrt nach Wembley gestaltete sich äußerst stimmungsvoll. Die wenigen Klatschpappen in der Bahn waren nicht zu hören bzw. waren von dem schwatzgelben Mob dermaßen beeindruckt, dass sie die Kameras zückten. Die Borussen verbreiteten einfach schon in der Tube Stadionatmosphäre mit Entenanzug. Sogar große Fahnen zierten die Bahnen von innen. Im Stadion war das Kräfteverhältnis numerisch recht ausgeglichen. Unser Support war ordentlich, aber unseres Erachtens nicht außergewöhnlich und dem Ereignis angemessen. Der Eindruck kann einerseits der Akustik im Wembley geschuldet sein, auf der anderem Seite hat die bereits vielfach diskutierte katastrophale Kartenvergabe des BVB sicherlich auch ihren Teil dazu beigetragen.
Der Spielverlauf dürfte wohl der halben Welt schon hinlänglich bekannt sein und wird hier deshalb ausgespart. Die Pokalübergabe bereitete deutlich mehr Herzschmerz als im Vorfeld erwartet. Stark in jedem Fall, wie unser Publikum direkt nach Anschluss durch laute Gesänge die Mannschaft würdigte, während gegenüber relative Ruhe herrschte.

Nun begann für uns der wie immer heißgeliebte Heimweg. Schon vorher konnte man erahnen, dass die Bahnstation zum Nadelöhr werden kann und so war es auch. Die Massen stauten sich, aber die Ordnungshüter hatten die Situation sehr gut im Griff und es ging erstaunlich schnell voran. Die Kunden des FCB feierten den für sie heiß ersehnten Triumph wie einen Sieg gegen Hoffenheim am 23. Spieltag. Emotionen pur – bloß konnte man sie nicht wahrnehmen. Gesungen und gefeiert wurde wieder nur von einer Gruppe und das trotz schmerzlicher Niederlage in der letzten Minute.
In der Bahn gab es dann ein Déjà-vu mit Berlin 2008. Konversation untereinander war nur über SMS möglich, da die Bahn explodierte und drohte, aus den Schienen zu springen – ach ne, sorry, da war ich jetzt in 2012 in Berlin gelandet... Während wir Dortmunder erhobenen Hauptes unserem wunderbaren Verein hochleben ließen, verhielten sich die Klatschpappen artgerecht. "Ruhe Leute, die Bayern wollen feiern!", hallte es ironisch durch die Bahn, während auf jedem Friedhof mehr los gewesen sein dürfte. Höhepunkt war der Hinweis einer Klatschpappe, wir sollten doch auch mal derartiges Lärmmaterial im Stadion auslegen, das wäre richtig laut...

Anlaufpunkt für uns war wieder das Miller's - Schuster solle je schließlich bei seinen Leisten bleiben und das Thekenteam hatte sich am Morgen bzw. Vorabend bewährt. Man traf auf David, der dank Jägermeister die Lampen schon gewaltig an hatte. Im Pub ging nun richtig die Post ab. Das Miller's war rappelvoll und es wurde gesungen, getanzt und gelacht – nur in schwatzgelb versteht sich. Eva und Nicole machten sich irgendwann auf den Weg zurück zu ihrem Bus, während der Rest nochmal mächtig auf die Tube drückte. Vereinzelt sah man rote Trikots an der Scheibe des Pubs vorbei huschen, die beim kurzen Blick in den Laden, schnellst möglich das Weite suchten. Der Abend klang aus, wie der Tag begann. Wildfremde Menschen wollten sich mit uns fotografieren lassen oder liehen sich von uns Schwatzgelbes, um sich selber damit eine schöne Erinnerung auf Foto festzuhalten. Leider gab es auch hier einige Bastarde die meinten, einfach die Sachen von uns zu zocken. Leider ging neben der einen oder anderen Erinnerung auch Manuels Kringe-Trikot und Evas Jacke (im Walkabout) verloren.  Unschöner Höhepunkt. Manuels spontan angeordnete und selbst durchgeführte Personenkontrolle auf der Toilette des Millers blieb zumindest erfolglos bzw. für ihn ohne weitere körperliche Schäden...

2 kleine Tommys suchten dann später noch Streit und wollten uns zum Tanz auffordern. Wir hätten aber an diesem Abend ohnehin nur den Klatschpappentango mit den Roten getanzt. Ein Perle der beide sollte von einem von uns angefasst worden sein. Daraufhin wollte man 20 Mann zusammen trommeln, die uns dann zeigen, was Sache ist. Mit Holgers dezenten Hinweis auf die ca. 50 – 100 Schwatzgelben in der Kneipe und das 20 Mann daher doch vielleicht ein paar zu wenig wären, wandten sich die beiden hilflosen Gestalten händeringend an den Türsteher. Der hatte uns aber sowieso ins Herz geschlossen und hatte für die beiden nur ein müdes Lächeln über. Dann kam die große soziale Stunde unseres Pädagogen Sebastian S. Der nahm sich der beiden hilflosen Engländerknaben an, während wir Playboy Kulla animieren wollten, sich um die betroffene Damenwelt zu kümmern... Schnell einigte man sich auf die Version, dass die Perle mit ihrem Hinterteil gegen die Hand eines Schwatzgelben gelaufen sei und im Prinzip selbst Schuld sei – frei übersetzt „Komm, die wollte es doch“.  Man sah dann kurz drauf alle feixend und lachend, ebenfalls sich gegenseitig in schwatzgelb ablichten lassend, mitfeiern. Das nenn ich mal Deeskalation.

Der Sonntag begann wie der Samstag, Madame Pompidou tischte ordentlich an. Für 11:15 Uhr hatten wir eine Stadiontour im Craven Cottage zu Fulham gebucht. Mit zwei der typischen Londoner Taxis ging es quer durch die Stadt. Der Fahrer unseres Taxis, nach eigener Aussage ein ehemaliger Fulham-Spieler, ließ es sich nicht nehmen am Hotel der Klatschpappen-Mannschaft vorbeizugondeln. Freundlich grüßten wir mit dem Kraftfahrer-Gruß aus dem Fenster. Die Stadion-Tour, die wir zu insgesamt acht Leuten antraten, entpuppte sich als  Glückstreffer. Die fast zwei Stunden in dem ältesten Stadion der Premiere League waren dank Michael Jackson-Statue und viel Geschichte sehr kurzweilig. Selbst der Rasen wurde von einigen unserer Mitglieder eingehend geprüft, was bei den beiden Guides für sehr viel Freude sorgte. Besonderen Dank gilt hier dem Sportkameraden Kulla für seinen stilechten Ruud van Nistelrooy-Gedächtnisjubel! Als wir kurz vorm Ende der Tour aus den Katakomben auf die Tribüne kommen, sitzen da 4 Rothemden und machen Fotos vom Stadion. Nach dem die Feierbiester unsere schwarzgelbe Armada erblickt, verlassen sie fluchtartig das Stadion.

Die Tour endete wie immer in einem Merchandising-Store. Dort kam es umgehend zu einer denkwürdigen Showdown mit einer unverkennbaren Klatschpappe: Marcel fragte den Burschen bierernst, ob er denn wüsste, wo es in dem Shop die Fulham-Klatschpappen geben würde. Zu unser aller Freude wurde ihm ein komplett ernsthaftes "Ähhhh, nein!" entgegnet. Selten haben wir so gelacht! Der ganze Shop krümmte sich vor Lachen und dem armseligen Typen wurde noch empfohlen, sich den Henkeltopf wohin zu schieben…

Abgerundet wurde die Tour dann durch einen sehr geselligen Nachmittag in der Außengastronomie des Stadioncafés, wo wir das Wochenende Revue passieren lassen konnten und jeder noch mal sein Europapokaljahr zum Besten geben konnte. Auch hier zeigten wir uns von der interkulturellen Seite. Besonders heiter wurde es, als neben uns ein Auto mit englischen Senioren parkte. Der Oppa sprach uns auf das Spiel an und war begeistert, dass wir alle so gut Englisch sprechen würden. Er selber könne kein Wort Deutsch. Basse schien ob der kühnen Behauptung etwas irritiert und fragte: "Do you know the word Blitzkrieg?" Dank des englischen Humors gab es kein Backenfutter vom Oppa, sondern ein herzhaftes Lachen. Während unserer Gruppe nach und nach kleiner wurde, weil einige ihren Rückflug bekommen mussten, stieg die Rechnung und Laune der übrigen Mohikaner Holger, Marcel, David und Boris gemäß des Bierpegels. Als um 16:00 das Cafe schloss, stand eine stattliche Rechnung von 128 € auf dem Tacho... Bei feinstem Wetter steuerten wir entlang der Themse zum nächst gelegenen Bahnhof und fuhren ins Walkabout.

Abends ging es dann zum Abschluss des Wochenendes zur Old Street, wo wir uns mit einer Urlaubsbekanntschaft von Marcel zu Livemusik vergnügten. Marcel und Basse nahmen den letzten Absacker noch gewohnt im Miller's, wo man von den Security-Mitarbeitern schon per Handschlag begrüßt wurde.

Fazit: die Frage, was wohl los gewesen wäre, wenn wir das Ding geholt hätten, stellt sich leider immer noch. Insbesondere dieses rote Feiervolk, Prototyp Golfspieler oder Kundengruppe Fernost, mit ihren Club Nr. 0815-Fähnchen im Rucksack und der Klatschpappe an der Arschbacke hat uns gezeigt, wie man einen Champions League Sieg mal richtig feiert…

Nur der BVB.


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Schwarzgelbe Grüße von
: Basse, Marcel & Holger

Mittwoch, 8. Mai 2013

Jenseits von Wembley

Der 25. Mai 2013 ist ganz sicher ein besonderer Tag. Ein Tag, den wir alle schon im vergangenen Jahr während einer gemütlichen Bootstour auf der Spree kommen sahen. Die Weitsicht, sie hat sich bewahrheitet - und das ist sicher genug der Berechtigung auch jetzt, im Angeischt des schillernden Henkelpotts, vorauszuschauen. Und zwar auf den 25. Mai 2014!

Die Vision: Irgendwann gegen Mittag weckt uns das Rattern der Electricos. Der berühmten, altbackenen Straßnebahnen der Stadt. Wir rappeln uns auf, wanken zur Praca do Comercio und wagen die Tour durchs sagenhafte Biermusuem. Immer gekühlt durch die angenehm kühle Brise, die uns von der Mündung des Tejo herüberweht! Richtig: Wir sind in Lissabon, Portugals Hauptstadt - und nicht zuletzt Gastgeber des Champions-League-Finals 2014. Dort haben wir also gerade am Abend vorher den Henkeltopf verteidigt - im weiten und stimmungsvollen Rund des Estadio da Luz.

Stadion des Lichts: Das Estadio da Luz in Lissabon.
Zurück in die Gegenwart - oder besser den gerade absolvierten April dieses Jahres. Es ist der Tag des Derbys in Lissabon. Und ganz zufällig sind Laura und Marcel zu einem Kurzbesuch in der Stadt. Sachen gibt's. Die Karten sind natürlich längst bestellt und werden zwei Tage vor dem Spiel im Fanshop am Stadion abgeholt. Und tatsächlich: Selbst jetzt sind noch Tickets in Hülle und Fülle und zu sehr angemessenen Preisen zu haben. Das Derby hat zuletzt etwas an Brisanz verloren. Benfica führt zwar die Tabelle knapp vor dem FC Porto, Sporting allerdings kickt im gerade mal zwei Kilometer entfernten Stadion Alvalarde nur im Mittelfeld rum. Ohne Chance auf irgendwelche internationalen Meriten.

Der Sonntagabend wir dennoch stimmungsvoll. Die Idee, kurz noch im benachbarten Einkaufszentrum was essen zu gehen, haben wir nicht ganz exklusiv. Hunderte Benfica-Fans hüllen Portugals größte Shopping Mall in Rot. Auch mit reichlich alkoholischen Getränken (die es im Stadion nicht geben wird, weil die "Bier-Kathedrale" geschlossen hat) decken sich die Anhänger ein. Irgendwann brechen dann die meisten auf - und die meisten müssen eben auch durch diesen einen Zugang zum Stadion. Chaos. Wir schlängeln uns durch die Büsche an der Masse vorbei, müssen einmal komplett ums weite Rund und gelangen schließlich auf unsere Plätze auf dem Oberrang. Warum es "Stadion des Lichts" heißt, bekommen wir jetzt hautnah und durchaus eindrucksvoll präsentiert. Durch die zahlreichen Öffnungen zwischen Dach und Tribünen scheint die untergehende Sonne ins weite Rund. Doch statt romantischer Stimmung gibt es eine stellenweise schon vor dem Anpfiff elektrisierende Atmosphäre.

Nette Choreo vor dem Anpfiff.
Den Höhepunkt läutet ein Lied aus den Stadionlautsprechern ein: "Volare!" schallt es da in voller Lautstärke, irgendwo am Himmel dreht plötzlich ein Adler seine Runden. Das Maskottchen von Benfica bringt die Stimmung zum Kochen. Grandiose Nummer! Und ein vielversprechender Vorgeschmack auf die Atmosphäre während der 90 Minuten "Derbi de Lisboa". So ganz allerdings kann das Spiel diese Erwartungen nicht erfüllen.

Die Stimmung ist solide - nicht mehr, nicht weniger. Das Spiel schafft es aus sportlicher Sicht gerade mal auf Durchschnittsniveau. Sporting spielt - angefeuert aus dem irrerweise nicht vollbesetzten Gästeblock - nicht übel, aber weitestgehend brotlos. Benfica gelingen im ganzen Spiel zwei giute Angriffe, aus denen zwei Treffer entstehen - wobei gerade das 2:0 eins für die Rubrik "Tor des Montas" wäre. Am Ende feiern die Benfica-Fans dann auch wieder lautstart ihr Team, dass sich dem Titel nun einen entscheidenden Schritt angenährt hat.

Unterm Strich: Ein schwarzgelber Trip nach Lissabon, in dieses Stadion des Lichts, ist allemal eine Reise wert. Ob in der Vorrunde - oder dann am 24. Mai 2014.

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Schwarzgelbe Grüße von
: Marcel