Die Auslosung
der CL-Saison 2016/17 sorgte einmal mehr für etwas lange Gesichter. Oben auf
der Wunschliste standen mit Barcelona, Celtic (neidischer Gruß an den
Niederrhein…) und Leicester attraktive Ziele, doch wir bekamen bei zwei von
drei Losen absolute Nieten:
-
Auswärts
Real ist in den letzten Jahren ungefähr jeder schon gefahren…
-
…und
dicke Augen in Warschau braucht eigentlich auch keiner.
Gerade bei
letzterem Los fehlt so ziemlich alles, was eine gute Auswärtstour ausmacht. Die
Aussicht auf eine Fahrt in einem Reisebus direkt vor den Gästeblock und im
Anschluss direkt wieder retour sorgt nicht wirklich für Reiselust, zumal mit
einer 95% Wahrscheinlichkeit der Buslokus in Hamm schon den Dienst quittiert
haben wird. Blieb also das dritte Los, und das war Gott sei Dank richtig
klasse: Lissabon! Zwar nicht das traditionsreiche Benfica, aber auch Sporting
hat schon diverse klangvolle Spieler hervor gebracht. Aufgrund diverser
privater Verpflichtungen an dem konkreten Spieltag blieben trotz einiger
reisewilliger am Ende nur Holger, Manuel uns Basse übrig. Für diese drei hielt
die Terminierung jedoch ein ganz besonderes Bonbon bereit: endlich wurde mal
wieder an einem Dienstag angepfiffen, langes Wochenende!
Los ging es
dann Montagmittag. Ein ruhiger Flug brachte uns in dreiStunden an die
portugiesische Atlantikküste. Manuel hatte uns ein zentrumsnahes richtig
schniekes Appartement (kein Schimmel!) gebucht, in dem wir uns kurz häuslich einrichteten, um
dann bei mediterranem Klima das gastronomische Angebot der benachbarten Gassen
ausgiebig zu studieren. Ausklingen lassen haben wir den Abend traditionsreich
mit Rotwein im Wohnzimmer unserer Herberge, dazu spielten die Dimpel Minds mit
durstigen Männern sowie Biohazard auf.
Der kommende Tag begann mit einem
herzhaften Frühstück im Café um die Ecke. Im Anschluss erkundeten wir per pedes
die Stadt, wobei wir uns mehr oder weniger ziellos von Biergarten zu Biergarten
treiben ließen. Irgendwann stellte sich eine Heiterkeit ein, dass wir uns sogar
dazu hinreißen ließen, auf der Straße CD´s von unbekannten baltischen Death-Metal-Bands
zu kaufen. Zum Stadion, inzwischen war Mo auch zu uns gestoßen, ging es dann
wie gewohnt auf den letzten Drücker per Taxi. Aufgrund zahlreicher Verletzungen
sah sich Coach Tuchel dazu genötigt mit der halben A-Jugend ins Rennen zu
gehen, was unsere Burschen nicht davon abhielt eine astreine erste Halbzeit
auf’s satte Grün zu zaubern. In der zweiten Halbzeit wehrte sich Sporting dann
zusehens und spätestens nach dem 1:2 waren Kämpferqualitäten gefragt.
Charaktertest bestanden!
Nach Abpfiff
dann wie immer Blocksperre, diesmal bestimmt eine Stunde. Das Sitzfleisch hatte
uns Legia eingebrockt, die wenige Wochen zuvor dort ordentlich ausgeteilt
hatten und entsprechend sensibel war die örtliche Schutzmacht. Eingekesselt
ging es dann im Schneckentempo zur nächsten U-Bahn-Station. Bierbuden auf den
Bürgersteigen waren verschlossen, keine Chance an irgendeine Verpflegung zu
gelangen. Wir müssen ein so jämmerliches Bild abgegeben haben, dass uns die
Sporting-Fans am Wegesrand aus Mitleid Bier in den Kessel reichten. Der Einlass
in die U-Bahn gestaltete sich ebenso zäh. Glücklicherweise standen wir ganz
hinten im Kessel, wo die Polizei irgendwann den Kessel lockerte. Nach dem Motto
„Dreist siegt!“ gingen wir drei Schnur stracks durch eine sich bietende Lücke
und wurden tatsächlich nicht aufgehalten. Nach ein paar Kurven kamen wir wieder
zu den vermeintlich geschlossenen Bierbuden auf den Bürgersteigen, die nun
jedoch wieder in voller Festbeleuchtung Kaltgetränke ausschänkten. Alles richtig
gemacht! Sicherlich eine Stunde haben wir dort mit Sporting-Fans gefeiert. Für
Belustigung sorgte, als die Polizisten, die uns vorher noch im Kessel dort
vorbei geführt hatten, in ihre gegenüberstehenden Mannschaftswagen stiegen und
dann von uns und den Sporting-Fans unter fröhlichem Winken in den Feierabend
verabschiedet wurden.
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Lass es Dir gesagt sein: ManCity ist scheiße! |
Nachdem die
Buden endgültig Schicht gemacht hatten, wollten wir mit einer Taxe kurz nach
Hause, um ein paar Sachen von Mo noch abzuladen. Der Taxi-Fahrer witterte eine
„Extra-Provision“ und chauffierte uns natürlich zum nächstgelegenen
Freudenhaus. Wir kehrten jedoch im Imbiss nebenan ein, wo wir auch nicht so
ganz sicher vorm Schattengewerbe waren. Die Damen konnten uns aber ebenso wenig
von Ihren Diensten überzeugen wie wir den indischen Imbissbesitzer davon, dass ManCity ein Scheiß-Verein ist. Es folgte ein Abend in diversen Eckkneipen.
Leider wurden wir Zeugen, wie sich ein Teil unserer Ultras noch ein
Räuber-und-Gendarm-Spielchen mit der Polizei lieferten. Einige sind sich
wirklich für nichts zu blöde.
Am Mittwoch
nutzten wir die Zeit vor dem Abflug noch für ein ausgiebiges Sightseeing (inkl.
Bustour) und Shopping (Benfica-Fanshop). Abends ging es dann zurück in den
mitteleuropäischen Herbst.
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Schwarzgelbe Grüße von: Holger, Basse und Manuel