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Montag, 24. April 2017

Sporting vs. Borussia - "Lass es Dir gesagt sein: ManCity ist scheiße!"

Die Auslosung der CL-Saison 2016/17 sorgte einmal mehr für etwas lange Gesichter. Oben auf der Wunschliste standen mit Barcelona, Celtic (neidischer Gruß an den Niederrhein…) und Leicester attraktive Ziele, doch wir bekamen bei zwei von drei Losen absolute Nieten:
-       Auswärts Real ist in den letzten Jahren ungefähr jeder schon gefahren…
-       …und dicke Augen in Warschau braucht eigentlich auch keiner.
Gerade bei letzterem Los fehlt so ziemlich alles, was eine gute Auswärtstour ausmacht. Die Aussicht auf eine Fahrt in einem Reisebus direkt vor den Gästeblock und im Anschluss direkt wieder retour sorgt nicht wirklich für Reiselust, zumal mit einer 95% Wahrscheinlichkeit der Buslokus in Hamm schon den Dienst quittiert haben wird. Blieb also das dritte Los, und das war Gott sei Dank richtig klasse: Lissabon! Zwar nicht das traditionsreiche Benfica, aber auch Sporting hat schon diverse klangvolle Spieler hervor gebracht. Aufgrund diverser privater Verpflichtungen an dem konkreten Spieltag blieben trotz einiger reisewilliger am Ende nur Holger, Manuel uns Basse übrig. Für diese drei hielt die Terminierung jedoch ein ganz besonderes Bonbon bereit: endlich wurde mal wieder an einem Dienstag angepfiffen, langes Wochenende!
Los ging es dann Montagmittag. Ein ruhiger Flug brachte uns in dreiStunden an die portugiesische Atlantikküste. Manuel hatte uns ein zentrumsnahes richtig schniekes Appartement (kein Schimmel!) gebucht, in dem wir uns kurz häuslich einrichteten, um dann bei mediterranem Klima das gastronomische Angebot der benachbarten Gassen ausgiebig zu studieren. Ausklingen lassen haben wir den Abend traditionsreich mit Rotwein im Wohnzimmer unserer Herberge, dazu spielten die Dimpel Minds mit durstigen Männern sowie Biohazard auf. 
Der kommende Tag begann mit einem herzhaften Frühstück im Café um die Ecke. Im Anschluss erkundeten wir per pedes die Stadt, wobei wir uns mehr oder weniger ziellos von Biergarten zu Biergarten treiben ließen. Irgendwann stellte sich eine Heiterkeit ein, dass wir uns sogar dazu hinreißen ließen, auf der Straße CD´s von unbekannten baltischen Death-Metal-Bands zu kaufen. Zum Stadion, inzwischen war Mo auch zu uns gestoßen, ging es dann wie gewohnt auf den letzten Drücker per Taxi. Aufgrund zahlreicher Verletzungen sah sich Coach Tuchel dazu genötigt mit der halben A-Jugend ins Rennen zu gehen, was unsere Burschen nicht davon abhielt eine astreine erste Halbzeit auf’s satte Grün zu zaubern. In der zweiten Halbzeit wehrte sich Sporting dann zusehens und spätestens nach dem 1:2 waren Kämpferqualitäten gefragt. Charaktertest bestanden!
Nach Abpfiff dann wie immer Blocksperre, diesmal bestimmt eine Stunde. Das Sitzfleisch hatte uns Legia eingebrockt, die wenige Wochen zuvor dort ordentlich ausgeteilt hatten und entsprechend sensibel war die örtliche Schutzmacht. Eingekesselt ging es dann im Schneckentempo zur nächsten U-Bahn-Station. Bierbuden auf den Bürgersteigen waren verschlossen, keine Chance an irgendeine Verpflegung zu gelangen. Wir müssen ein so jämmerliches Bild abgegeben haben, dass uns die Sporting-Fans am Wegesrand aus Mitleid Bier in den Kessel reichten. Der Einlass in die U-Bahn gestaltete sich ebenso zäh. Glücklicherweise standen wir ganz hinten im Kessel, wo die Polizei irgendwann den Kessel lockerte. Nach dem Motto „Dreist siegt!“ gingen wir drei Schnur stracks durch eine sich bietende Lücke und wurden tatsächlich nicht aufgehalten. Nach ein paar Kurven kamen wir wieder zu den vermeintlich geschlossenen Bierbuden auf den Bürgersteigen, die nun jedoch wieder in voller Festbeleuchtung Kaltgetränke ausschänkten. Alles richtig gemacht! Sicherlich eine Stunde haben wir dort mit Sporting-Fans gefeiert. Für Belustigung sorgte, als die Polizisten, die uns vorher noch im Kessel dort vorbei geführt hatten, in ihre gegenüberstehenden Mannschaftswagen stiegen und dann von uns und den Sporting-Fans unter fröhlichem Winken in den Feierabend verabschiedet wurden.
Lass es Dir gesagt sein: ManCity ist scheiße!
Nachdem die Buden endgültig Schicht gemacht hatten, wollten wir mit einer Taxe kurz nach Hause, um ein paar Sachen von Mo noch abzuladen. Der Taxi-Fahrer witterte eine „Extra-Provision“ und chauffierte uns natürlich zum nächstgelegenen Freudenhaus. Wir kehrten jedoch im Imbiss nebenan ein, wo wir auch nicht so ganz sicher vorm Schattengewerbe waren. Die Damen konnten uns aber ebenso wenig von Ihren Diensten überzeugen wie wir den indischen Imbissbesitzer davon, dass ManCity ein Scheiß-Verein ist. Es folgte ein Abend in diversen Eckkneipen. Leider wurden wir Zeugen, wie sich ein Teil unserer Ultras noch ein Räuber-und-Gendarm-Spielchen mit der Polizei lieferten. Einige sind sich wirklich für nichts zu blöde.
Am Mittwoch nutzten wir die Zeit vor dem Abflug noch für ein ausgiebiges Sightseeing (inkl. Bustour) und Shopping (Benfica-Fanshop). Abends ging es dann zurück in den mitteleuropäischen Herbst.


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Schwarzgelbe Grüße von
: Holger, Basse und Manuel

Sonntag, 19. April 2015

Wir lagen träumend im Gras...

Vorgeschichte:
„Juhu Turin“, dachten wir alle, als das Los gezogen wurde. Endlich mal nicht so weit. Aber der Verein machte uns einen Strich durch die Rechnung. Keine Karten. Und ich hatte meine letzten drei Tage Resturlaub dafür eingeplant und eingereicht. Unser Auswärtsirrer hatte über dubiose Kanäle eine Karte organisiert und eine Ich-Flieg-Von-Irgendwo-Nach-Irgendwo-Bloß-Nicht-Von-Daheim-Zum-Ziel-Tour (Auto nach Weeze, Flug nach Bergamo, Leihwagen nach Mailand und dann nach Turin) gebastelt und ein paar andere Bekannte wollten unbedingt eine Ochsentour mit dem Bus machen. Ich bekam tatsächliche eine Karte über unsere Lieblingshotline. Aber allein? Fast wär mir die Lust vergangen…

Auf ins Piemont:
Ich hatte einen Flug von Eindhoven direkt nach Turin gebucht für schlappe 100 Piepen – hin UND rück versteht sich. Also richtig Geld sparen ließ sich mit dem der Busgurkerei nicht wirklich. Einzig die Flugzeiten waren nicht grade optimal: Am Dienstag um 4:00 Uhr ging es daheim los. In Deutschland ist da auf den Straßen absolut nichts los. Eine Stunde später bin ich auch schon bei unseren entspannten Nachbarn. Auf der Autobahn um diese Zeit befinden sich in den Niederlanden offenbar ausschließlich LKW. Eindhoven scheint die Stadt „Der-frühe-Vogel-kann-mich-mal“ zu sein. Autos oder Fußgänger – Fehlanzeige. Vor 6:00 hatte ich bereits den Wagen verlassen. Köln-Bonn ist kaum näher.
Am Flughafen sah ich nur fünf Turin-Fans mit Joggingbuxen und einer schlauerweise in schwarz-gelb. Diese wähnten sich in der Überzahl und stimmten kurz ein Fangesang ein, als sie mich sahen. Konnte es sein, dass niemand auf die gleiche Idee wie ich gekommen war? Im Flieger sah ich dann plötzlich fast nur noch richtiges schwarz-gelb. Ich hatte offenbar ein Topplos beim Sitzplatz gezogen: Neben mir ein Stinker und als ich grade Platz genommen hatte, kam ein richtig Fetter Typ für den anderen Platz. Unaufgefordert gibt ihm die Stewardess (die Saftschubsen sind von der Kleidung irgendwo zwischen Küchenpersonal und Putzfrau angesiedelt) eine Gurtverlängerung – eigentlich überflüssig, denn er war ja mit seinem Wanst am Vordersitz arretiert.
Nach der Landung bekommt man eine wundervolle Kulisse geboten: Die Hälfte des Flughafens ist vom Alpenpanorama eingerahmt. Durch hässliche Vororte geht es in die doch recht schöne und vor allem pompöse Stadt. Vor 5 Jahren war ich mit meiner Frau schon hier und erinnere mich an einige Stellen. Auch gegen Turin war ich schon in Italien. Vor genau ziemlich 20 Jahren. Allerdings hatten die damals ein Heimspielverbot und mussten im altehrwürdigen San Siro Stadion in Mailand ran.
Als ich mit meinem schwarz-gelben Schal über den Markt laufe, ruft mir ein Händler „Dschiro, Dschiro“ hinterher und auch sonst alles eher eine freundliche Atmosphäre. Und so geht es weiter: Die befürchtete Langeweile ergibt sich nicht: Zunächst treffe ich den ersten Michael von meinem Trip nach Donezk. Wir trinken ein paar 0,33 Pils und mit dem Aufdruck „since 1997“ tun auch die 5 Euro nicht weh. Danach treffe ich den zweiten Michael von meinem Trip nach Donezk. Zwei Jahre ist der nun her und können uns kaum vorstellen, dass das heut nicht mehr möglich ist. Unser Mitgefühl ist bei diesen Menschen. Diesmal gibt es 0,5 Liter Wein für ebenfalls fünf Euro und dazu Gläser mit Aufdruck Dortmunder Union. Sehr schön.
Die Organisation des 25-minütigen Bustransports der Fans zum Stadion ist sehr gut. Leider spielt Juve im neuen Juventus-Stadion, denn das Stadio delle Alpi wurde abgerissen. Die Namen auf den Eintrittskarten werden tatsächlich mit den Ausweisen abgeglichen. Die Stimmung ist eher schlapp. Ein paar Idioten versuchen den unseren Anhang mit Gesängen und Transparenten zu provozieren. Große Feierei nach einem Sieg ist da wohl nicht angesagt. Mehr gibt es eigentlich nicht zu berichten. Ich lerne vier Jungs von einem Fanclub aus Schöppingen kennen, mit denen ich die Heimreise antrete. Nach der Blocksperre geht’s zurück. Nach ca. vier Stunden auf dem Trockenen haben alle Brand, aber auch nach so einem Ereignis herrscht auf dem gesamten ca. 30-minütigen Fußweg vom Busstopp bis zum Hotel durch die gesamte Turiner Innenstadt tote Hose. Mein Hotel - das Frühstück und die Lage sind großartig - kann ich euch empfehlen!
Da ich durch den Flugplan einen Drei-Tagestrip gebucht habe, kann ich am nächsten Tag ausgiebig die Sonne genießen. Bis ich mittags meine neuen Freunde aus dem westlichen Müsterland treffe. Da die Aussichtsplattform des vor ein paar hundert Jahren noch höchsten Gebäudes der Welt gesperrt ist, machen wir es uns mit ein paar Pils am Fluss gemütlich. Es gibt noch ein obligatorisches „Finger-im-Po-Foto“ und dann müssen wir weiter, denn Cafés oder ähnliches am Fluss gibt es keine. Wir essen später noch in dem laut Tripadvisor besten Laden Turins ein paar Baguettes. Ein kleines Bier dort kostet zwei Euro, ein großes zwei fufzich. Wir wollen grade gehen, da fragt man uns: „Ihr habt doch ein großes Bier zum Baguette bestellt, oder?“ „Ja.“ „Dann bekommt ihr noch jeder ein kleines Nutella-Baguette.“ Na das hätte ich in Italien nicht erwartet. Dann werde ich zu den Jungs in ihre Ferienwohnung eingeladen. Durch ein kleines Ghetto kommen wir schnell dorthin. Als ich dann höre „jetzt lernst du den Luigi kennen“, frage ich mich ob ich mir Sorgen machen muss. Aber es handelt sich nur um ein lustiges Saufspiel. Auf dem Heimweg sind bereits wieder alle Bürgersteige hochgeklappt, dabei ist es noch nicht mal spät.
Am nächsten Tag geht es nach dem Frühstück zum Bahnhof und dann zum Flughafen. „Wir lagen träumend im Gras“ draußen in der Sonne und warteten auf den Abflug. Nach Teneriffa am Samstag innerhalb von fünf Tagen das zweite Mal von der Sonne in den Regen. In Dortmund ist’s trotzdem am schönsten!

Fazit:
Bis auf das Ergebnis ein guter Trip. Die Stadt ist auch eine Reise wert. Da es höchstwahrscheinlich auf Jahre die letzte Möglichkeit war, internationale Luft zu schnuppern, bin ich froh, es gemacht zu haben.
Schöne Grüße an die Schöppinger Berg-Borussen!

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Schwarzgelbe Grüße von
: Manu



Freitag, 9. Januar 2015

Der Sultan hat Durst


 
21.10.14: Die Reisegruppen Rheinland und Dortmund starten zu früher Stunde zum Airport Düsseldorf. Während es von Dortmund auf Nummer sicher mit dem Taxi Richtung Düsseldorf geht, kommt Köln/Bonn mit dem Zug - und der ersten großen Literpatrone Faxe im Terminal an.

Alles klappt planmäßig, so dass gleich am Flughafen die ersten Willkommensgetränke zum Frühstück um 06.30 Uhr morgens gereicht werden können. Die Idee hatten gleich einige in Schwarzgelb, was die wirklich schnelle und schlanke Bedienung – kurzerhand von uns gleich mal "Erik, der Winkinger" getauft - überforderte. Mit dem ernst gemeinten Spruch „7 große Pils – das schaffe ich nicht“ hatte die gute Dame auch gleich ungewollt den ersten Kalauer des Tages gerissen – wohlgemerkt nachdem sie das Schiff für einige Minuten führerlos den Massen überlassen hatte… 

Der Flieger startete mit etwas Verspätung, was unserer Champagnerlaune aber keinen Abriss tat. Die ersten landestypischen Getränke wurden zum kulinarischen Frühstück gereicht. Leider hatte die Airline zu wenig heimische Getränke an Board, so dass wir bald auf gegorenen roten Traubensaft umschwenken mussten. Nichtsdestotrotz verging die Zeit wie im Flug, gegen Mittag erreichten wir die Metropole am Bosporus. Per vorbestelltem Taxibus ging es Richtung Metropolis-Hostel, das im Stadtteil Sultanahmet, direkt unterhalb der blauen Moschee lag. Nachdem die Klamotten schnell im Zimmer geparkt wurden, ging es gleich hoch auf die Dachterrasse. Dort wartete ein freundlicher Mensch mit einem Kühlschrank landestypischer Getränke auf uns. Herrlich. Dazu der Blick auf den sonnendurchfluteten Bosporus – einmalig! 

Nach ein paar malzigen Erfrischungsbrausen teilte sich unsere Reisegruppe: Reisegruppe 1 erkundete die touristischen Sehenswürdigkeiten in der Nähe, Trainingsgruppe 2 erkundete die direkt Umgebung ums Hostel. Man wollte sicherstellen, dass die Gegend auch ok war und genug Erfrischungen für die ganze Gruppe vorrätig waren. Zudem war für den frühen Abend der letzte aus unserer Gruppe, Boris, noch angekündigt. Die Kneipenmeile in Sultanahmet war klasse. Schnell fanden wir mit dem „Sultan“ unsere Bleibe. Das Pils wurde hier in 2,5 Liter Gefäßen zum selber zapfen gereicht. Naja, aber egal…

Zu späterer Stunde (die Sonne schien noch) war unsere Gruppe wieder vereint und der Abend sollte seinen Lauf nehmen. Weitere Schwarzgelbe füllten die Tische im Sultan. Für Heiterkeit sollte dann eine verirrte Klatschpappe sorgen, der mit seiner Familie die wahnsinnig kluge Idee hatte, ausgerechnet im Sultan sein Abendessen zu sich zu nehmen, obwohl hier ein Restaurant neben dem anderen war. Dummerweise hatten seine beiden Jungs so komische rote Trikots (die Lederbuxen spielten abends in Rom) an, was gleich bei der schwarzgelben Masse auf freudigen Anklang traf. Das Liedgut wurde zielgerichtet geändert, der Wortwahl fehlte kurzerhand der gute Ton und der brave Vater sah sich genötigt, den Schwarzgelben mal richtig einzuheizen…keine wirklich gute Idee, der gute kassierte eine astreine verbale Watschn.

The Taskim Factory
Früh am Tag hatten wir den Plan gestrickt, abends noch zum Taksim zu fahren. Nach dem das Credo „Ja, noch ein Pils, dann fahren wir“ uns langsam in einen gewisse Übermut navigierte, trennte sich unsere Gruppe zu sehr später Stunde wieder und der wilde Teil stieg ins Taxi und lies sich zum Taksim karren. Nach Asien, wie wir an dem Abend alle glaubten… Keiner verstand, dass uns der Taxifahrer irgendwann in einer Seitenstraße aus dem Taxi entließ. Gut, einen Platz hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt.

Nach kurzer Orientierungslosigkeit fanden wir eine Bar, in der wir auch gleich willkommen waren. Man lotste uns ins erste Stockwerk auf den Balkon und servierte. Vom dort konnten wir in ein vollbesetztes Gässchen mit vielen vollen Cafes blicken. Wie gemalt, um gleich mal eine kleine Performance im Stadtteil Galata von uns zu geben. Nach ein paar Erfrischungen entschlossen wir uns zum Rückweg mit dem Taxi Richtung Sultanahmet. Der Akku war leer, aber eine 2.5-Liter Stange ging sicher noch... Erst am Folgetag erfuhren wir, dass es am Taksim kurz vor unserer Ankunft ein kleines Tänzchen gegeben hatte…

Die gemeinsame Fanunternehmung
22.10.14: Der Tag begann recht früh. Rauf auf die Dachterrasse und erstmal frühstücken – also wirklich. Nach einiger Zeit sammelte sich die ganze Gruppe und war, nachdem alle Touristen die Terrasse verlassen hatten, alleine oben. Der freundliche Mensch des Vortages witterte das Geschäft und servierte Erfrischungen. Wir genossen die Malzzufuhr und konnten uns unten in der Gasse ein Schauspiel ansehen: Zwei echte türkische Handwerker versuchten, ihrem Handwerk nachzugehen, was wohl irgendwas mit Farbe zu tun hatte. Ihre Gerüstkonstruktion hätte jedoch sicherlich nicht nur dem deutschen Arbeitsschutz die Schweißperlen auf die Stirn getrieben. Auch wir erwarteten einen unausweichlichen Genickbruch.

Egal, für Trainingsgruppe 2 stand heute Tourismus auf dem Programm, Reisegruppe 1 wollte seine Erkenntnisse des Vortages vertiefen und entschied sich für Sightseeing for Professionells. Per Cabrio-Bus steuerte man durch die wirklich atemberaubende Stadt. Bosporusbrücke, Asien (also jetzt wirklich), Besiktas-Stadion-Baustelle und der ewig zähe Verkehr in der Stadt waren der Wahnsinn. Wir entschieden uns, den Bus dann am Taksim zu verlassen (also wirklich). Einige (viele) Gala-Fans tummelten sich hier auch - und erstmals kam uns die Stimmung etwas angespannter vor. 

Nach einer Stunde gings wieder ab mit dem Bus Richtung Heimathostel. An der Blauen Moschee war die Fahrt vorbei, und wir hatten noch ein paar Fußmeter vor uns, als uns ein älterer deutscher Tourist glatt fragte, warum denn so viele Leute in Schwarzgelb in Istanbul wären und ob wir eine „gemeinsame Fanunternehmung" hätten. Ach ja – und wie wir angereist wären? Mit dem Deutschland Achter, wie sonst. Ist doch klar. Der kannte wohl nicht den alten Gassenhauer „Heute fährt der Achter bis nach Istanbul“… Ja, ne, ist klar. Die Unternehmung ist seit Jahren geplant und zufällig fällt der Termin mit unserem Gastspiel in Istanbul zusammen… Oh Mann.

Auf nach Dolombahce
Sammelpunkt war 14.30 Uhr auf der Dachterrasse. Es gab die verdienten Erfrischungen und gemeinsam fing man an, sich langsam aufs Spiel einzustimmen. Treffpunkt aller
Schwarzgelben war 18.30 Uhr am Dolombahce Platz, direkt am Fuße des Besiktas-Stadions.

Mit der Straßenbahn fuhren wir dorthin. Hunderte Schwarzgelbe tummelten sich dort bereits, gelegentlich in Begleitung einer verräterischen Plastiktüte. Aufgrund unseres unterhopften Status' erkundeten wir das gastronomische Umfeld, das sich als Diaspora erwies. Zwei kümmerliche Cafes waren in der direkten Umgebung, die beide auffällig wenig Schwarzgelbe zu ihren Gästen zählten. Die Getränkekarte bot überall nur bleifrei an. Praktiker-Boris wurde es kurzentschlossen zu bunt, und er tigerte zum nächsten Supermarkt, der irgendwo kurz vor Ankara gewesen sein muss. Sichtlich gealtert, aber mit besagter verräterischer Plastiktüte und einem erleichterten Lächeln um den Zahn, kam er nach unbestimmter Zeit zurück, und wir konnten uns rechtzeitig stärken, bevor sich die Bustüren des wirklich blendend organisierten Konvois zum Stadion hinter uns schlossen.


Die Türk-Telekom-Arena wurde vor wenigen Jahren vor den Toren Istanbuls neu gebaut. Die Fahrt dorthin verdeutlichte jedem die Dimensionen der Stadt, denn sie dauerte fast 45min. Je näher wir dem Stadion kamen, desto häufiger wurden wir aus den umliegenden Fahrzeugen fröhlich mit gereckten Fäusten oder ausgeklappten Mittelfingern gegrüßt. Schließlich erhob sich das Stadion zur linken. Äußerlich durchaus zu vergleichen mit der bereits bekannten Amsterdam-Arena, innen mit dem gleichen seelenlosen Charme wie jeder andere bekannte Neubau.

Um die Bekanntschaft mit den heimischen Fans zu vermeiden, wurde der Konvoi bis direkt vor den Gästeblock gefahren. Da die Infrastruktur nicht auf so viele Busse ausgelegt wurde, durften die letzten Busse, zu denen auch wir gehörten, kurzerhand auf der Autobahn aussteigen. Der Gästeblock war auch innerhalb des Stadions komplett abgeschottet. Neben eigenen Treppenhäusern wurde der sich unter dem Dach befindliche Gästebereich zudem durch ein veritables Fangnetz vom Heimbereich abgetrennt. Wem sich der Sinn eines solchen Netzes nicht erschlossen hat, dem seien die Ereignisse des Rückspiels ins Gedächtnis gerufen. Also durchaus keine ganz doofe Idee, das Fischernetz!

Das Stadion füllte sich nach und nach, trotzdem zeichnete sich kurz vor Anpfiff ab, dass das Spiel den Ausverkauft-Status deutlich verfehlen würde. Wie wir erfahren konnten, haben zum einen die Ticketpreise in der Türkei zur neuen Saison bei den Istanbuler Vereinen deutlich angezogen. Zum anderen, und dies ist der eigentliche Grund, wurde dort nach italienischem Vorbild eine Art „Fancard“ in Form einer Kreditkarte eingeführt, die alle persönlichen Daten des Besitzers gespeichert hat. Trotzdem machten die geschätzt 40.000 Gala-Fans vor Anpfiff ordentlich Programm. Bei der Verlesung der Gästeaufstellung zeigte sich, dass man dort offensichtlich das Pfeifkonzert erfunden hatte. Mein lieber Herr Gesangsverein, die kommen da glaube ich schon pfeifend aus dem Mutterleib raus! Daher traf es sich gut, dass unsere Mannschaft schon nach sechs Minuten den ersten Stimmungskiller servierte. Bis zur Pause folgten zwei weitere, sodass spätestens ab dann nur noch der bis dato gut aufgelegte Gästeblock die Atmosphäre diktierte.

Leider nahm nach der Pause auch die Performance des Gästeblocks deutlich ab, sicherlich insbesondere durch den „beliebten“ Dauersingsang bedingt. Nach gut einer Stunde Spielzeit startete bereits der Exodus der Gala-Fans. Nachdem Ramos den vierten einschenkte, konnte man sich tatsächlich vom angemessenen Evakuierungsplan des Architekten überzeugen, so sehr drängten die Massen zu den Ausgängen. Bei Abpfiff waren vielleicht noch 10.000 Türken im Stadion. Für uns ganz sicher ein dankbarer Umstand, sollte doch die Blocksperre ungewohnt kurz ausfallen.

Trotzdem durfte Holger seinen 40. Ehrentag mit uns in der Blocksperre um 00:00 Uhr Ortszeit begehen - das standesgemäße Mineralwasser allerdings blieb auf der Strecke. Als die Sperre aufgehoben wurde, drängelten wir uns taktisch klug in einen der ersten Busse. Da die rund 2.500 Gästefans wieder alle geschlossen zum Dolmabahce-Platz chauffiert wurden, schwante uns nämlich schon eine Treibjagd auf die dortigen Droschken. Und so kam es auch, nur das wir schnell wie geplant eine erhaschen konnten.

Um Punkt 01:00 Uhr saßen wir dann wieder bei unserem Sultan und vertrieben uns noch das ein oder andere Stündchen an den 2,5-Liter Stangen. Als Geburtstagsüberraschung gab es für Holger durch den Sultan noch eine echte Pyroshow – die Bedienung übergab einen Cocktail, garniert mit einer Mütze, die aus einer halben Orangenschale bestand, in der eine Wunderkerze steckte. Nach und nach löste sich unsere Runde auf, da am kommenden Morgen unsere Rückflüge anstanden.

23.10.: Rückreise. Leider hatten wir nicht alle die gleichen Rückflüge bekommen. Holger und Boris mussten schon sehr früh morgens zum Flughafen, der Rest flog am späten Vormittag. Am Flughafen wurden dann noch die letzten Lira in Zigaretten und Souvenirs für die Familien investiert, bevor uns der Premium Sponsor zurück nach Düsseldorf flog. Müde verbrachten wir die 3,5 Stunden mit dem ein oder anderen Schläfchen, in Vorfreude auf die heimische Couch. 

Fazit: Eine einmal mehr gelungene internationale Auswärtstour in eine Stadt, die kulturell, architektonisch, gastfreundschaftlich und nicht zuletzt klimatisch voll überzeugen konnte. Der 4:0-Sieg war da nur der i-Punkt. Nur eines hat nicht geklappt: Den Durst des Sultans konnten die zwei Tage nicht löschen.


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Schwarzgelbe Grüße von
: Holger, Manuel, Basse & Marcel

Mittwoch, 23. April 2014

Große Pils & Oberkörper frei!

Nord- und mittelamerikanische Champions League - Viertelfinale: San Jose Earthquakes gegen Deportivo Toluca.

Wir quälen uns durch den Verkehr. Statt 45 Minuten brauchen wir eine Stunde länger. Vor uns liegt das Buck Shaw Stadium. Ja wo denn eigentlich? Weder auf der Autobahn noch auf den anderen Straßen sind irgendwelche Schilder. Irgendwann sind dann doch einige Menschen auf den Straßen und auch ein paar Polizisten. Da nicht mehr viel Zeit ist, nehmen wir den nächsten Parkplatz mit dem Schild "$5 all day" und bezahlen 15 Piepen. Und das war noch der günstigere. Ein paar rot-weise Mexikaner teilweise mit Poncho laufen neben uns her. Im Stadion noch schnell ein paar Pommes mit Hähnchenschnipsel für 10 $ und ein großes Bier für den gleichen Kurs. Hört sich teuer an, ist es aber nicht: das große Bier sind über 0,7 l. Da ich mir nicht sicher bin, wie hoch die Promillegrenze ist, frag ich, ob ich wohl als Autofahrer so ein großes Bier trinken kann. Antwort: "In Amerika sollte niemand trinken und fahren." Ich will ja auch erst trinken und dann fahren! Die Tante hat jedenfalls ihren Job verfehlt.

Wir sitzen auf Bänken im "Supportes Block". Etwa wie daheim auf 11. Neben uns dann tatsächlich die Supporter, die auch das ganze (!) Spiel singen und mit Fahnen wedeln. Sogar einen "Echo Song" wie bei uns gibt's mit „Earth“ und „Quakes“. Außer im Block neben uns sitzen alle Fans gemischt. Viele haben die blau-schwarzen Vereinsfarben an oder eben rot-weiß. Ich bin schwarz-gelb. Alles ist sehr friedlich. Es gibt auch ein paar Ordner und etwa genauso viele Popcornverkäufer. Das Stadion fasst sage und schreibe 10300 Zuschauer. Eine Ansage, wie viele da sind, gibt es nicht. Es hat eine lustige Form: Wenn man das mit dem Westfalenstadion vergleicht, fehlen Block 15 und Südost sowie die komplette Nordtribüne inkl. Ecken. Das Spiel ist so mittel, doch offenbar bringt die Kabinenpredigt was. Die Führung liegt in der Luft, aber das Tor machen die anderen. Einmal kurz hört man dann mindestens ein Drittel der Zuschauer "Toluca, Toluca" rufen. Sonst null Support von denen. Als Antwort gibt's von einem "show us your greencard". Allerdings Unsinn, da auch die Heimfans überwiegend Mexikaner sind. Klar, die Amis gucken ja eher Football oder Baseball. Ein paar Fans hauen dann auch kurz vor Schluss ab, aber nur wenige. Das hätte auch keinen Sinn gemacht, denn die Quakes machen tatsächlich in der 94. Minute den Ausgleich. Die Fans ziehen sich die T-Shirts aus und wedeln damit. Ende. Und das schon um kurz vor neun. Das wünsche ich mir mal daheim...

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Schwarzgelbe Grüße von
: Steffi & Manuel

Sonntag, 23. Februar 2014

Gastbeitrag: Zenit St. Peterserburg vs. Borussia Dortmund (2:4)

Ich lebe seit fast 7 Jahren in Moskau und habe mich sehr gefreut, meine Borussen endlich live in Russland sehen zu können, wenn auch nur in St.Petersburg. Mit nem Ticket für unseren Block habe ich mich am Spieltag auf die Reise gemacht.

Durch befreundete Petersburger Ultras wurden wir schon früh informiert, das es nicht ruhig bleiben wird in der Stadt und wir uns entsprechend verhalten sollten. Die BuLi ist sehr beliebt in Russland und die Fans wissen genau, was bei uns zu Hause so abgeht. Die rechte Gesinnung einiger (vieler?) Südtribünler oder auch Aktionen wie die beschämende Hamburger Schweigeminute ist den Anhängern hier bestens bekannt. Wer sich auch nur ein wenig mit der Geschichte Leningrads beschäftigt, kann sich denken, welches Echo so etwas im Vorfeld hervorruft. Umso mehr hat es mich erstaunt zu hören, das die Dortmunder allen Ernstes einen Marsch durch die Stadt planten und entsprechend einen Antrag bei der Stadtverwaltung eingereicht haben. Das konnte einfach nicht gut gehen. Bei aller heutiger Freundschaft: Niemals wird ein Russe einem Deutschen erlauben, durch einen seiner Städte zu marschieren. Wer wie ich viele Jahre hier lebt, weiss, wie sehr die Russen ihre Grossvater Generation für die Verteidigung ihrer Heimat gegen die Faschisten bis heute und darüber hinaus verehren. Diese Verehrung ist tief verankert und mit nichts zu vergleichen, ob wir das verstehen wollen oder auch nicht. Mit allen Mitteln hätten sie versucht, den Marsch aufzuhalten. Auch die Polizei hätte bestimmt nicht mit grosser Euphorie unsere Jungs beschützt. Somit war der Weg für all den Irrsinn am Spieltag geebnet. Auch wenn der Marsch nicht genehmigt wurde, die Petersburger waren angespitzt. 



Als wir im Zentrum ankamen und die ersten blutenden Nasen sahen, war uns klar, das die Dinge ihren Lauf nahmen. Mich überraschte die für russische Verhältnisse minimale Anzahl an Polizei und Omon (die bösen Jungs die unschuldige Pussy Riots prügeln) Kräften nahe des Borussen Treffpunkts und generell in der Stadt/am Stadion. Wer schon mal beim Moskauer Derby war, weiss, was ich meine. Artyom und Anton, zwei aktive Zenit Ultras, baten uns, sie zu begleiten. Sie brachten uns sicher zum Stadion. Sie haben sich klar distanziert von den Angriffen auf normale Fans, hatten aber auch wenig bis kein Verständnis für die provokanten Marschpläne.

Am Stadion angekommen, nahmen wir den normalen Eingang abseits aller BVB Shuttlebusse. Die Stimmung war sehr positiv, die Russen haben mit uns ordentlich Spass gehabt. Sie ahnten ja auch noch nicht, welches Desaster sie bald erleben werden. Nachdem wir die nervenden Kontrollen und die vielleicht nur für Russen zu verstehenden Absperrungen passiert haben, standen wir zeitig im Block. Nicht alle hatten das Glück, die ersten beiden Tore zu sehen. Die Stimmung war gut, ohne aktiven gegenerischen Fan Block aber auch nicht wirklich spannend. Der Spielverlauf liess die Gazprom Jünger nun nicht wirklich Freudentänze abhalten. Pfiffe gab es trotzdem keine, wird man in Russland auch nie erleben. Wir hatten unseren Spass, besonders nach dem Abpfiff. Das lange Warten auf das Öffnen der Tore versüssten wir uns mit Verarschen der Stadion Arbeiter. Vielleicht der lustigste Moment des Abends. Selbst die Polizisten mussten mitlachen. Bis gestern war mir nicht mal klar, das die lachen können. Wieder was dazugelernt. Nachdem wir den Block verliessen, bedankten sich die Herren im Kampfanzug und die Ordner mit Applaus an uns, wir taten das gleiche. Tolle Szene.

Ein usbekischer Taxifahrer, sichtlich angefressen vom Spielergebnis, brachte uns zum Bahnhof. Er konnte nicht fassen, das zwei BoRussen in seinem Wagen sassen. Er nahm es mit Humor, als wir ihm unsere Lieder vorsangen und er mit einstieg beim Refrain. Ein Serbe, ein Ossi und ein Usbeke singen in Leningrad Dortmunder Lieder aus dem offenen Lada Taxifenster, this is Russia! Am Bahnhof angekommen, tranken wir noch ein, zwei pervers schmeckende Grölsch Import (nur noch zu toppen mit Bochumer Fiege Plörre) mit einigen Zenit Fans, die uns einluden. Mit dem Nachtzug ging es zurück nach Moskau.

Es tut mir sehr leid, das die Dinge gestern für manche so schief liefen. Russland ist nicht Europa, sie haben ein ganz eigenes Selbstverständnis für Geschichte und Respekt. Das sie dazu noch hardcore abgehen können, wenn sie wollen, macht die Sache nicht einfacher. Aber es gibt auch die guten Jungs. Hilfsbereit, straight und offen. Sie sind klar und deutlich in der Mehrheit. So habe ich die Russen in meinen Jahren hier kennengelernt. Das ist der Grund, warum ich dieses Land liebe.

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Schwarzgelbe Grüße von: Miro

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Marseille is, wenn ein Schwatter im Bahnhof Celine Dilon am Klavier spielt

Dienstag geht die Reise los. Von Dortmund, Düsseldorf und Köln starten die ersten Vorboten von Schwarz-Gelbsucht Richtung Düsseldorf Flughafen. Nach den ersten Begrüßungsgetränken ("Kleine oder große? – "Große!!!") gegen 08.15 Uhr im Terminal, startet der Flieger pünktlich um 10.15 Uhr. Über Paris geht’s an die französische Mittelmeerküste nach Marseille. Nach ca. 5 Stunden Reisezeit erreichen wir gegen ca. 15 Uhr Marseille und sehen im Landeanflug die schwarzgelben Helden ebenfalls landen. Ohne mit der Wimper zu zucken geht’s gleich weiter Richtung Ausgang wo auch schon eine Traube Schwatzgelber auf die Mannschaft wartet. Auf ein paar Spieler sowie den Betreuerstab können wir einen Blick werfen. Man vermisste vor allem Nuri Sahin, war sich aber schnell einig, dass er mit einigen anderen im ADAC-Flieger nachkommen würde. Der Tross bis auf Teddy sind ziemlich angespannt und eher mit sich selbst beschäftigt. Für ein paar nette Gesten Richtung uns Fans ist leider keine Zeit. Schade, aber auch egal. Winken können sie uns ja noch am Mittwochabend.

Per Bus geht es in die Stadt. Unterhopft wird im Hauptbahnhof von Marseille erst mal die regionale Hopfenklasse angetestet (Und zwar den Affigen – sic!). Tat gar nicht weh im Mund… Per U-Bahn geht’s dann weiter Richtung Hotel. Nach drei Stationen landen wir in einem Viertel der Güteklasse "Nordstadt". Auch egal. Das Zentrum des Islamismus ist es nicht unbedingt, oder doch? Keiner weiß es so recht und die Straße, in der unser Hotel, liegt hat auch eher einen untypischen Verlauf mit großem Krankhauskomplex als größten gemeinsamen Teiler im Viertel. Das veranlasst uns auch gleich zu einem unfreiwilligen Rundgang in unserem Viertel. Hinter einem Gitterverschlag finden wir dann nach längerer Suche unser Hotel, was eher einem Hochsicherheitstrakt mit Blick auf irgendeine Bauruine ähnelt. Aber auch das ist echt egal. Der Fokus liegt auf dem Achtelfinale und die Gegend haben wir uns jetzt schon ohnehin schön geschlürft.

In der Lobby warten die ersten Schwatzgelben und gleich die Überraschung des Zimmers: Raum 504. Wer einmal diese Zahlenkombination morgens auf dem Digitalwecker gesehen hat, der weiß, was Schmerzen bedeuten. Nicht umsonst steht der blaue Rolf R. seit Jahrzehnten zu dieser Uhrzeit auf… Da hat uns unser Präsi ja in eine schöne Scheiße geritten! Das Verlangen nach einer Menge Spaß lässt uns den Schock schnell überwinden und wir beschließen, schleunigst was Flüssiges zu essen. Dummerweise findet sich weit und breit keine angemessene Tränke. Nach elendig langer Suche finden wir den erst besten Laden, was sich im Nachhinein als Glücksgriff entpuppen sollte. Fans von OM sucht man übrigens vergeblich. Nichts deutet in der Stadt auf Fußball, außer ein paar Jungs in Chelsea-Klamotten und ab und an mal einer in Barca-Zeugs.

Trotz Rauchverbot im Lokal, serviert der Wirt mit dickem Stumpen auf dem Zahn. Auch sonst wird munter gequarzt, was das Zeug hält. Und das Bernstein fließt ordentlich. Die Reisegruppe gabelt zwei Franzosen auf, Rugby-Fans aus dem Norden, die mit Fußball nichts am Hut haben und beruflich in der Gegend sind und Marseille hassen. Man ist sich schnell sympathisch mit Jean-Pierre (im Folgenden der Einfachheit halber Jean-Paul genannt) und Gaeton (später nur noch Jay-Toni gerufen) und tauscht ein paar Kaltgetränke aus. Jay-Toni, der jüngere der beiden, soll uns schließlich auf Anweisung des Älteren in einen Irish Pub lotsen, dem besten Laden Marseilles. Nachdem wir 20min gelaufen sind und der Kollege aus Frankreich ordentlich Platz auf dem Bürgersteig braucht, macht sich Misstrauen breit. Mit der letzten Überzeugungskraft und dem Gottvertrauen, das Jay-Toni eigentlich ein guter Mensch ist, erreichen wir tatsächlich den Pub im alten Hafen von Marseille. Endlich eine nette Gegend mit einladendem Flair! Der Laden entpuppt sich schnell als das, was wir uns eigentlich nicht zu hoffen erträumt hatten. Schwatzgelbe soweit das Auge reicht, Party, gute Stimmung und ein Ambiente, in dem sich bereits etliche englische Fans sämtlicher Vereine mit Schals unter der Decke verewigt hatten. Die Schlagzahl wurde mal eben kurz erhöht. Jay-Toni und der mittlerweile aus dem Nichts aufgetauchte Jean-Paul kapitulierten irgendwann, spätestens nach dem das legendäre 0,5-exen exerziert wurde. Dummerweise hören die Taxifahrer schon um 19.04 Uhr auf zu Arbeiten, so dass ein Teil der Reisegruppe den langen und vermutlich auch – nüchtern betrachtet- nicht gerade risikofreien Weg zum Hotel zu Fuß anzutreten.

It´s Matchdy! Nachdem ein umfangreiches, aber gewöhnungsbedürftiges Frühstück in einer Bäckerei – oder wie auch immer man diesen Laden bezeichnen mag – zu sich genommen wurde, sollte die Stadt ein wenig erkundet werden. Es sollte wenigstens ein kurzer kultureller Umweg in den alten Hafen genommen werden, wo gegen Mittag die alten Auswärts-Veteranen Akki, Matthias und Mo in Empfang nehmen wollte. Die Stadt haut, trotz offizieller Kulturhauptstadt 2013, nicht wirklich um. Auf den Straßen haben Legionen Hunde ihr Revier markiert und viele Gebäude befinden sich in der Renovierungsphase oder haben schon den Status „hoffnungslos“ erreicht. Lediglich zwischen altem und neuen Hafen präsentiert sich die Stadt von einer netten Seite.

Im alten Hafen ist es dann erst mal an der Zeit, mit Akki und Matthias und später dann auch Mo anzustoßen. Wobei anstoßen vielleicht etwas zu bescheiden klingt. 240 € stehen am Ende des zweistündigen Warm-ups auf der Rechnung. Vollgas also nicht nur auf dem Platz. Während Nicole, Manuel und Michael einfach auf der Suche nach Sehenswertem nicht aufgeben wollen und die Altstadt erkunden, vergrößert sich die trinkfreudige Reisegruppe noch mal um zwei weitere Dortmunder. Zielgerichtet geht es zum Showdown des Vorabends in den Irish Pub. Unter der großen Inter City Firm Flagge geht’s auf in die nächste Runde. Der Wirt ist West Ham Fan. Über der Theke hängt zudem ein Chris Waddle-Schal, der seinerzeit mal bei OM unter Vertrag stand. Über „seine Zeit“ bzw. die Heldentat, die Hr. Waddle 1990 in Turin erbracht hat, klären wir mal kurz den Wirt auf… Die Zeit verstreicht und als das Gerücht die Runde macht, es solle doch einen Fanmarsch geben, entschließen wir uns, dorthin zu fahren. Fahren geht in diesem Falle aber nur mit dem Taxi, von dem wir dann auch gleich zwei brauchen. Ein Taxi ist schon schwierig genug, denn die Freunde mit der Leuchtreklame auf dem Deckel, fahren einfach weiter, wenn sie schwatzgelb sehen. Als wir dann endlich eins angehalten bekommen, hat der Bruder gleich das Dollar-Zeichen in den Augen und ist im Abzockmodus. Uns egal, aber ein Teil unserer Reisegruppe beschließt lieber eine Alternative zu suchen. Nach sinnfreiem Gewaltmarsch um den Häuserblock, stranden wir ungeahnt wieder vor dem Irish Pub und steigen dort in die U-Bahn Richtung Stadion.

Das Stadion liegt in einer eher komischen Gegend, mit dem Charme einer 3-spurigen Autobahn. Trotzdem – und das muss man dem Franzosen positiv anrechnen – sind sie auf die trinkfesten Borussen vorbereitet. Pils bekommt man an jeder Ecke, aus der Dose und zum Freundschaftspreis. Egal. Das Stadion selber ist eine Riesenbaustelle. Die Organisation chaotisch. Wir wollen einchecken. Mo und Nicole sind drin, Basse fast, aber beim Blick auf Holgers Ticket sieht das geschulte Personal, dass wir ja zum Auswärtsblock müssen. Basse und Holger machen sich auf den Weg, im Glauben, dass der Rest ja drin sei. Später stellt sich heraus, dass man Nicole, Michael und Mo auch wieder raus geschickt hat. Der Präsi unterdessen sucht immer noch den Fanmarsch. Voller Tatendrang und mit Kompass im Urin ist der eine Station eher ausgestiegen, um festzustellen, dass es den Marsch gar nicht gab… Die Suche nach besagtem Eingang für den Gästesupport entpuppt sich als schwieriges Unterfangen. Als wir langsam nervös werden und uns schon fast ums gesamte Stadion wähnen, sehen wir weitere verzweifelte Schwatzgelbe. Ein netter Ordner lässt uns dann doch, ganz unkonventionell, durch einen Bauzaun ins Stadion. Weil wir so nett und nüchtern sind, verzichtet man auch gleich auf eine überdimensionierte Sicherheitskontrolle…

Ab in den Block, wo wir dann auch alle wieder treffen. Der Gästeblock ist leider erneut nicht voll. Schade, aber scheinbar scheint es ein Sättigungsgefühl in der Szene zu geben, gepaart mit der Tatsache, dass viele schon vor zwei Jahren in Marseille waren. Und Marseille ist jetzt nun auch nicht unbedingt eine zweite Reise wert ist, da muss man zugeben. Neben uns supporten zwei Gestalten mit. Einer Ende 50, Pole und Lewandowski-Fan, der andere mit Rauschebart, Mitte 30 und Chilene, der seinen Sold bei der französischen Fremdenlegion verdient. Als das Spiel mitte der ersten Halbzeit vor sich hinplätschert bzw. wir das große „Wer trifft den Möbelwagen hinterm Tor“-Spiel spielen, diskutiert Holger mit dem Legionär intensiv die Untiefen des chilenischen Fußballs. Nebenbei werden die beiden mal eben kurz auf Drehzahl in Sachen Borussia gebracht und supporten auch kräftig mit. Als man ganz stolz mit 2 Pils in der Hand in den Block kommt und der freundliche Hinweis von Holger kommt, ob man sich nicht wundern würde, das niemand Pils trinkt, wird ungläubig geschaut und das Gesöff mürrisch entsorgt…

Irgendwann realisiert auch der letzte im Block (Holger), dass wir bei dem Spielstand RAUS sind. Entsetzen, Ungläubigkeit. Dann kommt Kevin und alles ist gut.

Die Blocksperre dauert ungewöhnlich lange. Als wir raus sind, entern wir die erst Pommesbude, wo definitiv Pils verkauft wird. Heineken aus 12er-Packs. Als Holger fragt, ob er eine Box kaufen können, wird das vehement verneint. Zehn Dosen in der Kiste gehen aber. Die Logik verstehe wer will… Mit der Box unterm Arm geht’s wieder auf die krampfhafte Suche nach einem Taxi. Der Präsi, auf seinem Frankreichfeldzug im Block schwer verwundet, schleppt sich nur noch durch die Gegend, nach dem er beim Jubelorgasmus Basse angesprungen und dabei umgekippt ist. Das Taxikriegen ist wieder eine Herausforderung. Nach elendig langer Zeit schaffen wir es, mit Ziel Irish Pub, wo der Sieg bei Biohazard gebührend bis zur Sperrstunde begossen wird.

Der nächste Tag beginnt wieder mit dem obligatorischen Frühstück beim  Keine-Ahnung-was-fürn-Landsmann in der Idylle des islamistischen Viertels von Marseille. Alle sind doch etwas angezählt vom Vortag und beschließen, umgehend Richtung Bahnhof zu fahren, Kaffee zu trinken und dann in Ruhe Richtung Flughafen zu schippern. Im Bahnhof klimpert ein Schwatter auf einem Klavier, wir sind etwas orientierungs- bzw. planlos. Horst versucht uns zum günstigsten Cafe in Frankreich zu lotsen, klappt aber nicht. Sein Hinkebeinchen macht schlapp und wir beschließen, beim altbewährten, goldenen M eine Kaffee zu trinken.

Wir lassen uns im Außenbereich nieder und dümpeln so vor uns hin. Etwas Hektik kommt auf, als ein paar Araber – Kategorie 3er BMW – auflaufen. Schnell ist klar, was da abgeht: neuer Stoff wird geliefert. Die MCD-Bedienung machen mal kurz ein Päuschen um sich einzudecken, Schüler, Banker usw. alle halten kurz das Patschehändchen auf und gehen weiter. Nur ein ordnungsliebender Bediensteter des goldenen M aus Schwarzafrika, versucht vergeblich, die Jungs zu vertreiben. Was ihm vorher bei den Bettlern noch gelungen ist, gelingt ihnen beim Afghanentaxi nicht. Was ein Spießer… Kurze Zeit Später Hektik Nummer 2: die Bullen fallen ein und interessieren sich für die Jungs aus dem Nahen Osten. Einer macht auf Unschuld und darf nach intensiver Kontrolle gehen. Der nächste macht auf Obercool und darf bleiben. Nur der Hibbelige von den dreien – natürlich auch unschuldig, muss die Staatsdiener begleiten. Die Szene löst sich auf. Der Coole öffnet den Mülleimer von MCD und holt das angequalmte Tütchen raus und raucht es weiter. Uns bleibt die Spucke im Hals stecken. Ein echter Profi. Das wars, wir haben genug gesehen von Marseille. Nach ein paar Rotweinfläschchen im Flieger zum Runterkommen bzw. wieder-auf-Sendung-kommen landen wir gegen 20 Uhr wieder in Düsseldorf. Das Achtelfinale im Gepäcke und zwei super lustige Tage in Marseille erlebt.

Nur der BVB.

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Schwarzgelbe Grüße von
: Nicole, Holger, Basse & Manuel

Freitag, 25. Oktober 2013

Und wenn DU das Spiel gewinnst ....

Ich selbst bin Montag Abend angekommen, es war extrem wenig schwarz-gelb zu sehen, aber viele Deutsche zu hören: "Oh, schau mal, ein BVB Fan". Hostel war gut! Dienstagvormittag dann Treffen mit Kulla, Chrissy und deren Kumpel Jan und los ging die Touri-Tour: Erste Sehenswürdigkeit waren die berühmten Toiletten am Westminster-Pier "hier fing damals (Wembley) alles an" und der Express-Tesco ggüber von BigBen - ab 8 Fosters gibt's Rabatt.
Von da aus zu Fuss zum Buckingham Palace ("ey - versteckt das Bier, sonst nehmen Euch die Bullen das weg"). 


Im Regent's Park gab es sozialkritische Installationen unbekannter Künstler zu bewundern: "Schlafender Penner auf Parkbank wird von Eichhörnchen angeknabbert" und "Schlafender Penner im Gebüsch, während BVB-Fans ihre Notdurft verrichten". Weil Kulla uneingennützig nen Jogger (fast) von den Beinen holte um tatsächlich ne Wegauskunft statt auf die Fresse zu kriegen,
haben wir dann auch sowohl Trafalgar Square als auch National Galery gefunden, um uns dort mit Brinker, Böhne und noch ein paar anderen zu treffen.


Da bei denen die Augen größer als der Mund waren halfen wir solidarisch, sie von der Last der zu tragenden Dosen zu befreien. Danke nochmal! Nach MC-D-Mittagessen gings mit der Bahn ab zum Finsbury Park. Beim Verlassen der Tube-Station war wieder wenig schwatzgelb und auch kein Park zu sehen, aber zum Glück kannten Brinker und ich den Weg: "um die Ecke links". Das haben wir dann 4 mal gemacht. Als wir wieder an der Tube-Station waren, haben wir dann doch mal gefragt. Im Finsbury Park selbst waren ca 50 Dixies, und vlt doppelt so viele Schwatzgelbe - der große Mob stand statt dessen standesgemäß vor Lidl. Krass war im Park die Masse an Leuten, die alle noch Karten suchten - da war absolut nix zu holen. 


Weil wir als Touris noch Highbury und ein echtes Pub besichtigen wollten, sind wir nicht mit dem Mob marschiert. In Highbury kamen wir sogar in den Innenraum, alle hatten große Augen. In den alten Tribünen sind jetzt Wohnungen, Mietpreis zw. 400 und 800 Pfund - pro Woche.


Dann haben wir tatsächlich direkt ggüber vom Emirates ein Pub gefunden. Die hatten ein geniales Marketing: Die Biere waren bis ca. 1cm über den Rand voll, so dass man auf jeden Fall was verschütten musste. Das ging dann auf einen dicken Teppich. Dadurch wurde im Teppich ein Kleber aktiviert und man war gefangen. Die Zeit, die man dann braucht um sich zu befreien, muss man sich Biers von der Theke durchreichen lassen, die man dann wieder auf unbedarfte Neuankömmlinge verschüttet. Jan, Kulla, Chrissy, Böhne und ich konnten uns schließlich befreien und sind die paar Meter zum Stadion und wieder sah man wenig Schwatzgelbe: Der Mob war schon drin. Die wenige Polizei und Ordner waren extrem entspannt - da haben wir uns beim letzen mal wohl nicht daneben benommen.

Zum Spiel und zur Stimmung haben andere genug geschrieben: www.dailymail.co.uk/sport/football/article-2473100/Arsenal-1-Borussia-Dortmund-2-Even-fans-louder.html
Nach Abpfiff und Verabschiedung/Einstimmung aufs Derby mit der Mannschaft gab's statt Blocksperre nen schnellen Rausschmiss und ab gings in den Klebepub. Dort wars einfach nur geil, wir alle haben unser "Und wenn DU das Spiel gewinnst..." gegröhlt - jeder mit einem anderen Text.
Hier die offizielle Variante: www.youtube.com/watch?v=773s8koJ9GI 


Nach dem last call for alcohol ging's dann wieder in Richtung Innenstadt - zu dem Zeitpunkt biertechnisch etwas unambitioniert weil fast alle zur Frühstückszeit Ihren Flieger kriegen wollten.
Jedoch hielt die Bahn am King's Cross ... wir sind spontan wieder in den Touri-Modus gewechselt. Nächste Attraktion war der Ort, wo damals (Wembley) alles geendet hat: Das Miller's. Dort gab's zwar kein BVB-Trikot, aber Bier zu holen. Kulla hat seinen immer schwerer werdenden Kopf schon mal auf den Tisch fallen lassen, Chrissy hat wirr seiner Freundin gesimst, die zu Hause im Internet Verkersmöglichkeiten zum Flughafen suchen sollte, Brinker hat das Fussball-Geschäft erklärt, Jan und ich haben mit den Biers gekämpft und so ist der Abend schön ausgeklungen. Am Flughafen baute sich dann vor mir noch ein Securiy-Gorilla auf - aber nur um "Congratulations" zu bekunden.


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Schwarzgelbe Grüße von
: Boris

Donnerstag, 19. September 2013

SOKO Kringe ermittelt in Napoli

Nach dem perfiden und hinterhältigen Raub des Kringe-Trikots unseres Präsidenten auf der After-Match-Party im Millers in London im Mai, war die Laune lange Zeit im Keller. Wembley war schon hart, aber dieser fiese Raub setzte allem die Krone auf. Nachdem sich unser Präsi seinerzeit zu einer großen Bravo-Foto-Love-Story breit schlagen ließ, in dem er jedem Dahergelaufenen sein Kringe-Trikot zwecks gemeinsamen Foto im Miller zum Anziehen aufzwang, wurde er am Ende des Tages gnadenlos bestohlen. Im Fokus waren schnell 3 Italiener, die sich als Napoli-Fans ausgegeben hatten und einige Afrikaner, die die Gutgläubigkeit unseres herzensguten Präsi ausnutzten. So glaubten wir zumindest. Personenkontrollen im Millers blieben damals erfolglos und so fand man sich letztlich mit dem Verlust des historischen Leibchens ab. Da uns eine Reise nach Afrika in diesem Jahr leider vergönnt bleibt, gab uns unser alter Kollege, Paulo Sousa, am 30.08. den entscheidenden Hinweis: einer heißen Spur sollten wir am 18.09. in Neapel nachgehen.
Schnell wurde von Schwarz-Gelbsucht die „SOKO Kringe“ um die Kommissare Mo und Holger gebildet, die von den beiden Spezialagenten und Auswärtsveteranen, Akki und Matthias, erfolgreich ergänzt wurde.
 
Um 03.59 Uhr sollte die Reise beginnen. Unter dem Deckmantel der Fanabteilung ging es Richtung Vesuv. Am Flughafen Düsseldorf wimmelte es schon von Schwatzgelben, die alle das gleiche Ziel hatten. Kringe-Trikots suchte man vergebens. Den Täter erwarteten wir auch nicht hier. Zur ersten Taktikbesprechnung fand man sich gleich direkt vorm Abflug ein und legte das Ermittlungstempo für den Tag fest. Dabei fiel gleich eine Gruppe Vorstadtcowboys auf, die ebenfalls scheinbar Richtung Napoli unterwegs waren, sich aber wohl nicht ganz sicher waren, was sie da wollten. Mottofahrt, Junggesellenabschied oder doch eher Dritte Halbzeit – wir waren uns nicht sicher. Definitiv gehörte die Crew nicht zur SOKO, den schwatzgelb schien bei denen eher nicht Programm zu sein… Der Flug verlief reibungslos. Auch Captain und Stewardessen fielen nicht ins Profil der Verdächtigen.
 
In Nepael hatte Kommissar Rizzo bereits ein 50-Mann-Taxi für uns Richtung Hafen gebucht. Am Hafen angekommen, wurden wir gleich von nicht erwarteten Freundlichkeit überschüttet. Hatte man unsere Mission durchschaut? Alle begrüßten uns herzlich. Borussia – Daumen hoch. Napoli 3, Borussia 0 folgte. Die Ermittlungen begannen. Das Programm sah vor, sich erst mal zu einer konspirativen Sitzung irgendwo mit Meerblick zusammen zu setzen. Schnell erreichten wir ein königsblaues Tor, mit der Aufschrift „Members only“. Eine als Yacht Club getarnte Brutstätte des Bösen! Special Agent Mo, nach eigener Auskunft mit italienischen Kenntnissen ausgestattet, versuchte uns Zutritt zu verschaffen. Ein gutgläubiger, Vespa-fahrender Italiner, sprang drauf an und versuchte uns in den Club zu schleusen. Leider vergebens. Garantiert, das Kringe-Shirt des Präsi sollte dort sein! Man lotste uns um den Club herum und gab uns den Tipp, dass wir weiter oben einen perfekten Einblick haben würden. Leider nein. Perfekter Blick ja, Kringe-Trikot nein! 
 
So musste die nächste Besprechung her. Dr. Peroni in groß unterstützte uns und wir beschlossen erst mal, ins Innere der Stadt zu gehen und die kleinen Hinterhofspelunken zu durchsuchen. Wieder empfingen uns die Einheimischen mit viel Zuneigung, um im Gegenzug nachzulegen, dass wir abends keine Chance hätten. Das erste Ristorante, dass wir fanden hatte offenkundig noch zu, zumindest saß ein alter Mann Salat zupfend vor der Tür. Schnell erkannte man unsere Absichten und deckte die Tische für uns. Der Kellner – natürlich Napoli-Tifosi- empfing uns wieder freundlich, erklärte die Rituale des Abends und servierte aufmerksam. Da irgendwelche BVB-Ultras mit Ultras von Catania Calcio befreundet sind, die wiederum mit den Ultras von Napoli gut können, hieß man uns herzlich willkommen (also meine Freunde sind auch Deine Freunde) – immer mit dem Zusatz, dass man Buyern Munich hasse (die vor 2 Jahren in der Napoli-Gruppe waren). Bei Pizza und eiskaltem Pils schmiedeten wir die nächsten Pläne. Sonderermittler Akki bekam derweil die neusten Eindrücke vom möglichen Tatort von Nobby Dickel übermittelt. Leider war er nicht zu einer persönlichen Erläuterung der Tatschen in der Lage. Der Kellner, mittlerweile nicht mehr im Kreis der Verdächtigen, gab uns den Tipp, wir sollten mal in der Vanilla Bar unsere Ermittlungen fortsetzen. Dort gebe es ggf. eine Spur, wo wir das Trikot finden könnten.
 
Wir machten uns auf den Weg. Unterwegs kämpften wir mit unzähligen Neapolitanern, die sich mit uns fotografieren oder den Schal tauschen wollten. Klare Sache, wir drohten aufzufliegen! Wir spielten das Spiel freundlich mit, verschönerten sogar ein Hochzeitsfoto und fielen letztlich in die besagte Bar ein. Hier schickte man erst mal einen albanischen Kellner vor, der aber gleich mal von seinem BVB-Trikot erzählte. Der Täter! – Nein, schnell sollte sich entpuppen, dass er sein Trikot irgendwann mal in Zusammengang mit einem Juve-Spiel erstanden hatte. Der Tipp mit der Bar war jedoch so heiß, dass wir entschlossen, die Ermittlungen auf diesen Laden zu fokussieren. Sofas, Sonne und Kaltgetränke, dazu ständig Passanten, die sich für Schwarzgelb interessierten. Nach einigen Stunden schien jedoch auch die Geschäftsführung Lunte gerochen zuhaben. Schell zeigte man uns ein Foto mit Aki Watzke vom Vortag und forderte uns auf, ein Liedchen zu trällern. Holger konnte schnell eine Runde Bier aushandeln, dafür durfte der Kellner gleich mal unsere Version von Kevins Europapokallied mit dem Handy filmen. Zwischendrin kamen immer wieder potenzielle Tatverdächtige, die uns mit ihrer Freundlichkeit um den Finger wickeln wollten. Mo gab irgendwann nach und tauschte aus ermittlungstaktischen Gründen seinen Schal mit einem Tatverdächtigen. Nach einiger Zeit war klar, hier war das Trikot auch nicht. Wir entschlossen uns nochmal, die Lokalität zu wechseln. Wir endeten wieder abseits und suchten ein Ristorante auf. Spaghetti, Pizza, Pils und die Erkenntnis, man können den Täter jetzt nur noch am Stadion finden!
 
Kommissar Rizzo hat für den Transport eigentlich Busse bestellt, aber unsere Ermittlung hatten zu lange gedauert. Also stiegen wir in die Verhandlungen mit der Taxifahrer-Connection ein. 25 € für 5 km, aber jeder wollte uns fahren. Egal. Durch die verstopften Straßen von Napoli ging es also ca. 70 min vorm Spiel zum Stadion. Mitten vorm Stadion stiegen wir aus und hofften, den Täter zu finden. Doch gleich wickelte man uns wieder in alt bekannter Manier um den Finger. Auf dem Vorplatz des Stadions empfing man uns mit den bereits bekannten Reaktionen. Fotos über Fotos und vieles mehr…Aber kein langarmiges Kringe-Trikot! Wir gingen zum Gästeblock, der zu unserer Überraschung – nein, wir wussten es vorher – leider nur zur Hälfte gefüllt war.
 
Das Stadion war – trotz seiner doch eher tristen Bauweise mit Laufbahn – beeindruckend. Der Support von Napoli – sensationell. Laut und vielleicht gefühlte 5 Minute ohne eine Pyro-Fackel irgendwo im Rund des Stadions. Bei uns anfangs auch gut. Leider ließ die Stimmung nach dem ersten Gegentor merklich nach, obwohl gerade da die Mannschaft Unterstützung gebraucht hätte. Man musste einigen Leuten förmlich in den Arsch treten, damit die mal ihren Mund aufmachten. Naja, was soll man dazu sagen. Die Stimmung flachte leider immer mehr ab. Kringe-Trikots – wie zu erwarten – Fehlanzeige. Schlusspfiff. Unsere Mission schien vorbei. Wo sollten wir jetzt noch das Trikot finden? Die Neapolitaner spendeten noch kräftig Applaus für uns. Nein, diese Fans können keine Diebe sein! Rizzo hatte noch mal ganze Arbeit geleistet, denn die Busse standen in großer Anzahl bereit, so dass wir pünktlich gegen Mitternacht wieder am Flughafen waren. Ein letzter Versuch von uns wurde unternommen. Ein Taxi wurde gechartert und lotste uns zu einer abgelegenen Pizzabude irgendwo in Napoli. Davor hatten alle vorher gewarnt, aber diese letzte Chance wollten wir wahrnehmen. Aber auch hier nix Neues: Kein Trikot, dafür Pizza, Pils, Napoli-Poster und nette Leute…
 
Um 03.50 Uhr gings zurück nach Deutschland.
Übrigens, die Gruppe von Mottofahrern von morgens waren in offizieller Funktion unterwegs. So kann man sich in Menschen täuschen…
 
Fazit: Die SOKO hat alles gegeben und sich für weitere Spezialeinsätze qualifiziert! Paulo Sousa hat uns eine Finte gelegt. Nix Kringe in Napoli, dafür nette Neapolitaner, Sonne, kaltes Pils, lecker Essen, geile Tour. Vielleicht klappts dann nächste Mal auch mit nem Dreier… Wir freuen uns aufs Rückspiel.
 
Ach ja, wenns gut läuft, können wir im Dezember 2014 dann der zweiten heißen Spur in Afrika nachgehen…
 
Nur der BVB.

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Schwarzgelbe Grüße von
: Mo & Holger

Samstag, 1. Juni 2013

Wembley Calling - oder: Wo gibt’s hier noch mal die Klatschpappen?



Der große Tag ist also gekommen. Zwei Wochen Anspannung sind der Konzentration im Büro nicht wirklich zuträglich gewesen, aber Kollegen und Vorgesetzt zeigten Gott sei Dank Verständnis. Wie eigentlich bei jedem Mal, wenn man Europa auswärts fährt, gibt es den ersten Hormonschub, wenn die Bürotür hinter einem ins Schloss fällt. Ab jetzt hat man endgültig den Tunnelblick. Praktisch, dass Marcel auch zeitig auf dem Weg nach Köln ist, sodass wir bereits um 18:00 Uhr mit den ersten Kölsch-Stangen in der Hand auf den Barhockern des ehrenwerten Triers Ecks verbracht haben. Während wir den Choke noch in der Hand haben, geht es zum Bahnhof und von da aus zum Flughafen Köln. Dort stieß dann auch David zu uns. Wir haben uns extra etwas früher getroffen, um in bester Stiftung Warentest-Manier der dortigen Gastronomie auf den Zahn zu fühlen. Dank EasyJet wurde es für die Dame hinterm Tresen dann ein echter Härtetest, denn plötzlich stand eine Verspätung von rund zwei Stunden zu buche. Die Zöllner vertrieben sich unterdessen die Zeit und führten eine Strichliste von Dortmund-Fans und Klatschpappen. Den Zwischenstand wollte er uns aber nicht verraten. Beim Abflug konnte EasyJet dann auf einen großen Teil der Kerosinreserven sparen, da die Passagiere schon selbst genug Sprit im Tank hatten. Da fiel es auch nicht ins Gewicht, dass der Bordservice nicht den besten Tag hatte. Auf dem einstündigen Hüpfer über den Kanal kann man das in Ruhe verkraften. 

In Eindhoven, von wo Holger aus startet, ist die Lage etwas entspannter. Dummerweise wird der Flughafen gerade komplett renoviert, so dass sich die Flüssiggasversorgung auf Flaschenbier reduziert und das auch noch von der einheimischen Marke „Bavaria“ ausgeliefert wird. Egal, beidhändig beschäftigt wartet man auch hier auf den leicht verzögerten Abflug Richtung Stansted. Ryanair schenkt hingegen gut und schnell aus. Auch die obligatorischen 2 Pils pro Bestellung sind kein Thema, was bei dem Freudenhaus-Preisen von 5,00 € pro Dose auch kein Wunder ist…
Lediglich Manuel hat mal wieder die Terrorgefahr auf sich gezogen. Als erster von uns Richtung London startend, hat er gleich mal die Komplettsperrung in Heathrow mitgebucht…
Mit der Bahn ging es dann den Rest der Strecke in die City, Check-in im Hotel und noch ab in den nächsten Pub, das "Miller's". Dort gesellten sich dann auch Holger und Manuel zu uns, die bereits die umliegenden Häuser gecheckt und erste Fachgespräche geführt hatten. Bereits hier kristallisierte sich heraus, wem die Sympathien der Einheimischen fürs Finale gelten sollten. Man konnte zudem etwas Nachhilfe in Sachen Geografie geben, da einige Engländer der Meinung waren, es stünden 2 Deutsche Mannschaften im Finale. Man konnte hier glaubhaft versichern, dass es sich um eine deutsche und eine österreichische Mannschaft handeln würden. Und die Österreicher spielen in Rot…
Da Abend fand dann seinen Ausklang beim einarmigen Reißen in der Pint-Klasse im Millers. Nachdem wir das Klassenziel erreicht hatten, ging es dann ab in die Falle.

Der Spieltag begann mit einem herzhaften Frühstück bei Madame Pompidou.
Das Fundament für den Rest des Tages war also gelegt. Im Anschluss wollten wir uns dann als würdige Botschafter unserer schönen Heimat präsentieren. Entsprechend assimilierten wir uns mit den Einheimischen im Miller's. Der Anfang eines extrem lustigen Morgens. Neben einigen anderen Dortmundern kam lungerte dort schon eine Herde stiernackiger Leicester-Tigers-Fans herum, die Samstag ebenfalls ein großes Spiel erwartete - und zwar im Rugby-Mekka Twickenham. Für einige launige Momente sorgte vor allem Basses "Wüstenfuchs-Helm", der ein gefragtes Fotomotiv war. Um das Ambiente abzurunden, wurde dann unter lautem Gelächter gemeinsam der alte Gassenhauer von den "Ten german bombers in the air" die Runde. Es wurde dabei sehr deutlich, dass die Sympathien der Engländer auf unserer Seite lagen. Zum einen, weil unsere Mannschaft jung und unverbraucht ist, zum anderen weil sich der Ruf unserer Fanszene schon sehr weit rumgesprochen hat. Einige Engländer hatten sich sogar Warnwesten mit BVB-Logo bedruckt.

Mittags ging es dann zum Westminster-Pier. Dort trafen wir uns mit dem Rest unserer Truppe. Auch ohne Karte hatten sich wie erwartet abertausende Borussen auf den Weg gemacht. Das Bild in der Innenstadt war komplett von der Borussia geprägt. Unsere Leute, die mit dem Bus kamen, waren vorher noch am Trafalger Square und dort muss wohl "Breitscheidplatz-Stimmung" gewesen sein. Sebastian Kulla hatte tatsächlich zwei Klatschpappen im Gepäck, die beide von der Stimmung uns Atmosphäre durch den BVB schwer beeindruckt waren. Nachdem man London zu Land und in der Luft schon erobert hatte, fehlte noch die Wasserlandung.
Dies holten wir mit einer entspannten, aber auch sangesfreudigen Bötchenrundfahrt über die Themse nach. Bei bestem Wetter entspannte man auf dem Sonnendeck und genoss den Ausblick auf zahlreiche Londoner Sehenswürdigkeiten. Bezeichnenderweise wurde Eva von 2 Schweizer Touristen gefragt, wo denn die Bayern-Fans feiern würden. In der ganzen Stadt würde man nur schwatzgelb sehen…Nach der Rückkehr zum Westminster-Pier stand dann die Trennung unserer Gruppe an. Während die acht glücklichen Karteninhaber Richtung Stadion fuhren, kehrte der Rest der Gruppe bei Hamburger, Bier und Hochsitz-Cola in der australischen Bar Walkabout ein, wo das Spiel auf zahlreichen Bildschirmen übertragen wurde. Eva und Manolo  durften dann noch mal ne halbe Stunde vom Stadionbesuch träumen, doch 2 Stationen vor Wembley Park mussten wir den beiden mitteilen, dass der Schwarzhändler vorm Stadion uns ohne Karten stehen gelassen hatte. Emotionale Höchststrafe für die beiden, doch nach anfänglicher schwerer Enttäuschung gabs dafür von den beiden dann halt Vollgas im Walkabout. Hut ab.

Die Bahnfahrt nach Wembley gestaltete sich äußerst stimmungsvoll. Die wenigen Klatschpappen in der Bahn waren nicht zu hören bzw. waren von dem schwatzgelben Mob dermaßen beeindruckt, dass sie die Kameras zückten. Die Borussen verbreiteten einfach schon in der Tube Stadionatmosphäre mit Entenanzug. Sogar große Fahnen zierten die Bahnen von innen. Im Stadion war das Kräfteverhältnis numerisch recht ausgeglichen. Unser Support war ordentlich, aber unseres Erachtens nicht außergewöhnlich und dem Ereignis angemessen. Der Eindruck kann einerseits der Akustik im Wembley geschuldet sein, auf der anderem Seite hat die bereits vielfach diskutierte katastrophale Kartenvergabe des BVB sicherlich auch ihren Teil dazu beigetragen.
Der Spielverlauf dürfte wohl der halben Welt schon hinlänglich bekannt sein und wird hier deshalb ausgespart. Die Pokalübergabe bereitete deutlich mehr Herzschmerz als im Vorfeld erwartet. Stark in jedem Fall, wie unser Publikum direkt nach Anschluss durch laute Gesänge die Mannschaft würdigte, während gegenüber relative Ruhe herrschte.

Nun begann für uns der wie immer heißgeliebte Heimweg. Schon vorher konnte man erahnen, dass die Bahnstation zum Nadelöhr werden kann und so war es auch. Die Massen stauten sich, aber die Ordnungshüter hatten die Situation sehr gut im Griff und es ging erstaunlich schnell voran. Die Kunden des FCB feierten den für sie heiß ersehnten Triumph wie einen Sieg gegen Hoffenheim am 23. Spieltag. Emotionen pur – bloß konnte man sie nicht wahrnehmen. Gesungen und gefeiert wurde wieder nur von einer Gruppe und das trotz schmerzlicher Niederlage in der letzten Minute.
In der Bahn gab es dann ein Déjà-vu mit Berlin 2008. Konversation untereinander war nur über SMS möglich, da die Bahn explodierte und drohte, aus den Schienen zu springen – ach ne, sorry, da war ich jetzt in 2012 in Berlin gelandet... Während wir Dortmunder erhobenen Hauptes unserem wunderbaren Verein hochleben ließen, verhielten sich die Klatschpappen artgerecht. "Ruhe Leute, die Bayern wollen feiern!", hallte es ironisch durch die Bahn, während auf jedem Friedhof mehr los gewesen sein dürfte. Höhepunkt war der Hinweis einer Klatschpappe, wir sollten doch auch mal derartiges Lärmmaterial im Stadion auslegen, das wäre richtig laut...

Anlaufpunkt für uns war wieder das Miller's - Schuster solle je schließlich bei seinen Leisten bleiben und das Thekenteam hatte sich am Morgen bzw. Vorabend bewährt. Man traf auf David, der dank Jägermeister die Lampen schon gewaltig an hatte. Im Pub ging nun richtig die Post ab. Das Miller's war rappelvoll und es wurde gesungen, getanzt und gelacht – nur in schwatzgelb versteht sich. Eva und Nicole machten sich irgendwann auf den Weg zurück zu ihrem Bus, während der Rest nochmal mächtig auf die Tube drückte. Vereinzelt sah man rote Trikots an der Scheibe des Pubs vorbei huschen, die beim kurzen Blick in den Laden, schnellst möglich das Weite suchten. Der Abend klang aus, wie der Tag begann. Wildfremde Menschen wollten sich mit uns fotografieren lassen oder liehen sich von uns Schwatzgelbes, um sich selber damit eine schöne Erinnerung auf Foto festzuhalten. Leider gab es auch hier einige Bastarde die meinten, einfach die Sachen von uns zu zocken. Leider ging neben der einen oder anderen Erinnerung auch Manuels Kringe-Trikot und Evas Jacke (im Walkabout) verloren.  Unschöner Höhepunkt. Manuels spontan angeordnete und selbst durchgeführte Personenkontrolle auf der Toilette des Millers blieb zumindest erfolglos bzw. für ihn ohne weitere körperliche Schäden...

2 kleine Tommys suchten dann später noch Streit und wollten uns zum Tanz auffordern. Wir hätten aber an diesem Abend ohnehin nur den Klatschpappentango mit den Roten getanzt. Ein Perle der beide sollte von einem von uns angefasst worden sein. Daraufhin wollte man 20 Mann zusammen trommeln, die uns dann zeigen, was Sache ist. Mit Holgers dezenten Hinweis auf die ca. 50 – 100 Schwatzgelben in der Kneipe und das 20 Mann daher doch vielleicht ein paar zu wenig wären, wandten sich die beiden hilflosen Gestalten händeringend an den Türsteher. Der hatte uns aber sowieso ins Herz geschlossen und hatte für die beiden nur ein müdes Lächeln über. Dann kam die große soziale Stunde unseres Pädagogen Sebastian S. Der nahm sich der beiden hilflosen Engländerknaben an, während wir Playboy Kulla animieren wollten, sich um die betroffene Damenwelt zu kümmern... Schnell einigte man sich auf die Version, dass die Perle mit ihrem Hinterteil gegen die Hand eines Schwatzgelben gelaufen sei und im Prinzip selbst Schuld sei – frei übersetzt „Komm, die wollte es doch“.  Man sah dann kurz drauf alle feixend und lachend, ebenfalls sich gegenseitig in schwatzgelb ablichten lassend, mitfeiern. Das nenn ich mal Deeskalation.

Der Sonntag begann wie der Samstag, Madame Pompidou tischte ordentlich an. Für 11:15 Uhr hatten wir eine Stadiontour im Craven Cottage zu Fulham gebucht. Mit zwei der typischen Londoner Taxis ging es quer durch die Stadt. Der Fahrer unseres Taxis, nach eigener Aussage ein ehemaliger Fulham-Spieler, ließ es sich nicht nehmen am Hotel der Klatschpappen-Mannschaft vorbeizugondeln. Freundlich grüßten wir mit dem Kraftfahrer-Gruß aus dem Fenster. Die Stadion-Tour, die wir zu insgesamt acht Leuten antraten, entpuppte sich als  Glückstreffer. Die fast zwei Stunden in dem ältesten Stadion der Premiere League waren dank Michael Jackson-Statue und viel Geschichte sehr kurzweilig. Selbst der Rasen wurde von einigen unserer Mitglieder eingehend geprüft, was bei den beiden Guides für sehr viel Freude sorgte. Besonderen Dank gilt hier dem Sportkameraden Kulla für seinen stilechten Ruud van Nistelrooy-Gedächtnisjubel! Als wir kurz vorm Ende der Tour aus den Katakomben auf die Tribüne kommen, sitzen da 4 Rothemden und machen Fotos vom Stadion. Nach dem die Feierbiester unsere schwarzgelbe Armada erblickt, verlassen sie fluchtartig das Stadion.

Die Tour endete wie immer in einem Merchandising-Store. Dort kam es umgehend zu einer denkwürdigen Showdown mit einer unverkennbaren Klatschpappe: Marcel fragte den Burschen bierernst, ob er denn wüsste, wo es in dem Shop die Fulham-Klatschpappen geben würde. Zu unser aller Freude wurde ihm ein komplett ernsthaftes "Ähhhh, nein!" entgegnet. Selten haben wir so gelacht! Der ganze Shop krümmte sich vor Lachen und dem armseligen Typen wurde noch empfohlen, sich den Henkeltopf wohin zu schieben…

Abgerundet wurde die Tour dann durch einen sehr geselligen Nachmittag in der Außengastronomie des Stadioncafés, wo wir das Wochenende Revue passieren lassen konnten und jeder noch mal sein Europapokaljahr zum Besten geben konnte. Auch hier zeigten wir uns von der interkulturellen Seite. Besonders heiter wurde es, als neben uns ein Auto mit englischen Senioren parkte. Der Oppa sprach uns auf das Spiel an und war begeistert, dass wir alle so gut Englisch sprechen würden. Er selber könne kein Wort Deutsch. Basse schien ob der kühnen Behauptung etwas irritiert und fragte: "Do you know the word Blitzkrieg?" Dank des englischen Humors gab es kein Backenfutter vom Oppa, sondern ein herzhaftes Lachen. Während unserer Gruppe nach und nach kleiner wurde, weil einige ihren Rückflug bekommen mussten, stieg die Rechnung und Laune der übrigen Mohikaner Holger, Marcel, David und Boris gemäß des Bierpegels. Als um 16:00 das Cafe schloss, stand eine stattliche Rechnung von 128 € auf dem Tacho... Bei feinstem Wetter steuerten wir entlang der Themse zum nächst gelegenen Bahnhof und fuhren ins Walkabout.

Abends ging es dann zum Abschluss des Wochenendes zur Old Street, wo wir uns mit einer Urlaubsbekanntschaft von Marcel zu Livemusik vergnügten. Marcel und Basse nahmen den letzten Absacker noch gewohnt im Miller's, wo man von den Security-Mitarbeitern schon per Handschlag begrüßt wurde.

Fazit: die Frage, was wohl los gewesen wäre, wenn wir das Ding geholt hätten, stellt sich leider immer noch. Insbesondere dieses rote Feiervolk, Prototyp Golfspieler oder Kundengruppe Fernost, mit ihren Club Nr. 0815-Fähnchen im Rucksack und der Klatschpappe an der Arschbacke hat uns gezeigt, wie man einen Champions League Sieg mal richtig feiert…

Nur der BVB.


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Schwarzgelbe Grüße von
: Basse, Marcel & Holger