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Donnerstag, 26. Mai 2016

Estádio Municipal de Braga e Estádio do Dragão

23.-25.02.2016 Sporting Braga – FC Sion 2:2 und FC Porto – Borussia Dortmund 0:1 

Die Losfee Alex Frei meinte es mal wieder gut mit uns und ermöglichte uns eine Reise ins schöne Städtchen Porto, zum Rückspiel der Europa League-Zwischenrunde im Estadio Dragao in Porto. Als Warm-up bescherte uns das Los zudem einen Besuch in Braga, wo das Rückspiel der Zwischenrunde zwischen dem SC Braga und dem FC Sion einen Tag zuvor auf dem Programm stand.

Los ging es am Mittwochmorgen ab Köln/Bonn. Das klassische Frühstück im Zug wurde in der erst besten (und einzigen) Bar im Abflugbereich fortgesetzt. Nachdem man bereits einige bekannte Gestalten gesichtet und begrüßt hatte, ging es in den Flieger Richtung Porto. Da das Spiel in Braga an dem Tag bereits um 17:00 Uhr Ortszeit angepfiffen wurde, war der Zeitplan eng gesteckt und es durfte nicht wirklich viel dazwischen kommen.
Traditionell ging der Biervorrat der Fluglinie schnell zur Neige – trotz äußerst fanfreundlicher Bierpreise – so dass schnell auf Ersatzgetränke umgeschwenkt werden musste.

Planmäßig wurde Porto erreicht. Nach kurzem Aufladen des Erfrischungsgetränkevorrats nahmen wir die nächste Bahn Richtung Innenstadt. Dort konnte wir, nach kurzer Wartezeit und erneutem Auffüllen des Getränkehaushalts unser Apartment beziehen. Nach kurzem Aufenthalt ging es gleich weiter zum Bahnhof. Dort wartete unser Zug in Richtung Braga. Nach einer Stunde erreichten wir Braga, wo wir auch gleich mit dem nächsten Taxi Richtung Stadion fuhren. Das Stadion ist einzigartig und dem einen oder anderen sicher noch von der EM 2004 im Gedächtnis. Dort holte damals Rudis Rumpeltruppe ein sensationelles 0:0 gegen die Fußballmacht Lettland… Vor dem Stadion waren die Schweizer Fans vom FC Sion gefühlt in der Überzahl. Die Karte war mit 50,00 € in der günstigsten Kategorie auch gleich ein richtiger Schnapper – aber was soll‘s. Europa League ist halt ein Gourmetspaß vom Feinsten.
Das Stadion war mit knapp 5.000 Zuschauern bei einem Fassungsvermögen von 30.000 Zuschauern eher spärlich besetzt. Einzig der Gästeblock war gut gefüllt. Im Stadion herrschte freie Platzwahl. Da es sich bei den Teams um weiß-rot gegen rot-weiß handelte, fielen die vielen schwarz-gelben (insbesondere für eine unbeteiligte Gruppe) schon deutlich auf.

Das Spiel versprach nicht wirklich Spannung, da Braga das Hinspiel in Sion mit 2:1 gewonnen hatte. Trotzdem entwickelte sich eine muntere Partie. Auf Seiten von Sion wusste ein gewisser Gekas zu Gefallen. Ein Stürmertyp, der uns nach wie vor ein Schauern in die Glieder fahren ließ, beim Gedanken an seine unzähligen Eiertore, die er in der Bundesliga für diverse Teams gegen uns erzielt hat. Ein Typ Stürmer, den es im modernen Fußball eigentlich nicht mehr gibt: weder schnell, noch technisch versiert, steht aber immer richtig und ist in der Lage, mit allen Gliedmaßen seines Körpers irgendwie den Ball über die Linie zu befördern…

Am Ende stand es 2:2. Sion hätte gefühlt den Sieg und das Weiterkommen verdient gehabt. Der Support der Schweizer war sehr ordentlich, was wir dann auch gleich entsprechend beim Verlassen des Stadions honorierten. Vor dem Stadion traf man sich dann noch an der einzigen Bierbude Bragas zum lockeren Kaltgetränk mit den Schweizern. Die Verständigung war eher schwierig, da die meisten Fans aus Sion lediglich Französisch sprachen. Chappi fanden alle toll, Alex Frei hingegen stieß auf wenig Begeisterung… Egal, mit dem Taxi ging es zurück zum Bahnhof. Dabei erwischten wir vermutlich den einzigen Nicht-portugiesischen Taxifahrer – er war Schweizer und der deutschen Sprache mächtig – was sich durch einen Zufall bemerkbar machte…

Mit dem Schnellzug ging es zurück nach Porto, wo wir noch in einer Bar mit romantischem Neonlicht den letzten Humpen nahmen, bevor der Abend letztlich in den gemütlichen, heimischen Gefilden bei einem Kanisterchen Rotwein und einer YouTube-Session zu Ende ging. 

Der nächste Morgen begann leicht fröstelnd. Auch wunderten wir uns, dass alles im Apartment mit einer feuchten Note versehen war. Der frische Morgentau im portugiesischen Sonnenlicht war es nicht, wie sich beim Blick in den Raum entpuppen sollte. Stattdessen grüßte der schwarze Schimmel von den Wänden… Erst jetzt wurde uns bewusst, warum unsere Bleibe so günstig war. Das Zähneputzen fand zur Sicherheit mit Rotwein statt. Alkohol tötet ja ab und so war man sich einig, dass man in dem Seuchennest lieber auf Nummer Sicher gehen sollte.

Zum Frühstück suchten wir das erst beste Café am Platze auf. Nach üppiger Bestellung entschlossen wir uns, den Tag mit einem Fläschchen Sekt zu beginnen. Manuel trieb es, ob der unklaren Kosten, die das verursachen würde, gleich den Angstschweiß auf die Stirn. Im Laden löste es eine gewisse Hektik aus. Sekt wird dort wohl nicht jeden Tag geordert und so musste schnell ein Sektkühler organisiert werden und die einzige Flasche aus der Auslage schnell für ein paar Minuten in den Kühlschrank. Stilecht servierte uns dann auch der Chef des Ladens das Getränk – zumindest wurde er extra aus den Hinterzimmern geholt um uns unser Getränk zu bringen. Schnell machten wir uns Freunde im Laden, in dem wir an die Bediensteten unsere schwarzgelben Aufkleber verteilten. Trotz Sprachbarriere kam man irgendwie ins Gespräch…

Danach stand eine Stadtführung auf dem Programm. 2,5 Stunden Walking Tour durch Porto. Wirklich empfehlenswert und verdursten musste man auch. Jetzt spielte auch das Wetter mit, so dass man sogar nur noch ein T-Shirt brauchte. Nach der Tour suchten wir die Uferpromenade auf, wo wir uns letztlich zum Essen und Trinken niederließen. Schwarz-gelbe Schals waren sehr begehrt. Doch da musste schon ein passendes Tauschobjekt für her. Der Wirt konnte allerdings lediglich einen Benfica- Schal auftreiben, der später im Stadion auf alle Fälle gut versteckt werden musste, da es sich um die Erzfeinde des FC Porto handelt.

Nach dem Spiel feierten wir noch in einer Kneipe, die direkt einen Kiosk integriert hatte. Für einen Donnerstag war hier die Hölle los – und es waren nicht nur Fußballfans!

Am nächsten Morgen regnete es Bindfäden und waren froh, dass es nicht am Tag zuvor so war. Beim Frühstück im Café unseres Vertrauens wurden wir freundlich von unseren neuen Freunden begrüßt, schade war’s, dass wir nicht noch bleiben konnten, aber so soll’s am Ende einer guten Reise auch sein!

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Schwarzgelbe Grüße von
: Manu, Basse, Marcel, Holger

Samstag, 6. Juni 2015

Eine Reise ins Fürstentum

Sonntag, 22.03.2015, FC Vaduz – FC St. Gallen, 3:1

Skifreier Tag und was gibt es da nicht besseres, als sich irgendwo einen netten Ground in der Umgebung zu suchen. Nach dem der Wettergott im letzten Jahr unseren geplanten Besuch beim FC Südtirol in Bozen zunichte gemacht hatte, in dem er uns kurzerhand einschneien ließ, hofften wir nun in diesem Jahr auf bessere Bedingungen.
Der Weg sollte uns in diesem Jahr nach Liechtenstein führen. Dort ist der FC Vaduz beheimatet, der derzeit in der Schweizer Super League spielt. Gespielt wird im Rheinpark Stadion, was zugleich auch die Heimstätte der Liechtensteiner Nationalmannschaft ist und somit den höchsten UEFA-Kriterien gehorcht. Das Stadion umfasst 7.838 Plätze und liegt direkt am Rhein, am Fuße vom Schloss Vaduz.



Der FC Vaduz ist ein Traditionsverein, gegründet 1932 und Serienpokalsieger des Liechtensteiner Fußballverbandes. Der Verein pendelt seit Jahren zwischen der ersten und zweiten Schweizer Liga.

An diesem Wochenende stand nun das Derby gegen den FC St. Gallen an. Mats und ich sicherten uns vorsorglich Tickets im Vorfeld. Der Sitzer auf der Tribüne hinterm Tor kostete 25,00 CHF, Kinder bis 10 Jahren haben freien Eintritt.

Wir hatten einen ca. zweistündigen Anreiseweg von Südtirol inklusive einiger Maut-Stationen, fast durchgängig über die Vorarlberg-Autobahn. Vaduz erreichten wir dann auch planmäßig. Die Stadt ist eher beschaulich – wie das ganze Fürstentum. Geparkt wurde auf dem Parkplatz der örtlichen Sparkasse zum Nulltarif.  Das Stadion liegt sehr idyllisch in den Rheinauen. Das Bild wurde ganz klar von den Grün-Schwarzen, den Fans des FC St. Gallen dominiert. 5.500 Zuschauer waren dann letztlich beim Spiel zu Gast.

Der Schal mit satten 25,00 CHF entpuppte sich nun nicht gerade als Schnapper, aber gut, was solls. Dafür bekam Mats noch ein aktuelles Mannschaftsposter gratis dazu.

Im Stadion selber herrschte freie Platzwahl. Unter der Tribüne gibt es eine kleine Fankneipe, dazu zwei Verkaufsstände, an den die üblichen Speisen und Getränke, allerdings auch zu den üblichen (Über-)Konditionen verkauft werden. Wir ließen uns im äußeren Bereich unserer Tribüne nieder. In der Mitte hinterm Tor befand sich der Ultra-Block der Vaduzer, die auch ganz gut Alarm machten. St. Gallen nahm die komplette Tribüne auf der anderen Seite hinterm Tor ein, selbstverständlich ebenfalls mit sehr gutem und lautem Support.

Das Spiel war unterhaltsam, wenn auch nicht auf allerhöchstem Niveau. Man merkte das beide Mannschaften Heiß waren und auch gleich mit dem nötigen, körperlichen Einsatz zu Werke gingen. Technisch und vom Tempo her war es nicht unbedingt erstligatauglich, aber egal. Es ging gut hin und her  und zur Halbzeit führte Vaduz 2:0. Mit dem 3:0 schien das Spiel dann auch durch, bevor kurz vor Schluss, mit dem Anschluss durch St. Gallen, im tiefsten Inneren noch mal so etwas wie Spannung aufzukeimen drohte. Unmittelbar vor dem Schlusspfiff hatten die St. Galler wohl registriert, dass das Spiel durch war und entschlossen sich kurz, noch mal etwas Hektik rein zu bringen. Nach einigen Scharmützeln mit der Heimtribüne auf der Geraden, folgte eine Art versuchter Blocksturm, der aber von den Sicherheitskräften unterbunden wurde.
Auch der Einsatz von ordentlich Pyro fehlte nicht während des Spiels. Im Gefühl des sicheren Derbysiegs nebelten die Vaduzer die Tribüne kurzerhand in roten Nebel, was besonders Mats faszinierte… Auch die Gegenseite setze ordentlich Rauch – hier selbstverständlich in grün – ein. Nach dem Spiel gabs für die Gäste eine halbstündige Blocksperre, was in der Schweiz aber wohl völlig normal ist und nicht den Aussetzern kurz vor Schluss geschuldet war.

Der Heimweg verlief wieder völlig stressfrei. Ist schon ein Unterschied, ob 5.500 Leute ein Stadion verlassen oder 80.000…

Die Tour war wirklich cool und hat sich gelohnt!

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Schwarzgelbe Grüße von
: Holger und Mats

Sonntag, 19. April 2015

Wir lagen träumend im Gras...

Vorgeschichte:
„Juhu Turin“, dachten wir alle, als das Los gezogen wurde. Endlich mal nicht so weit. Aber der Verein machte uns einen Strich durch die Rechnung. Keine Karten. Und ich hatte meine letzten drei Tage Resturlaub dafür eingeplant und eingereicht. Unser Auswärtsirrer hatte über dubiose Kanäle eine Karte organisiert und eine Ich-Flieg-Von-Irgendwo-Nach-Irgendwo-Bloß-Nicht-Von-Daheim-Zum-Ziel-Tour (Auto nach Weeze, Flug nach Bergamo, Leihwagen nach Mailand und dann nach Turin) gebastelt und ein paar andere Bekannte wollten unbedingt eine Ochsentour mit dem Bus machen. Ich bekam tatsächliche eine Karte über unsere Lieblingshotline. Aber allein? Fast wär mir die Lust vergangen…

Auf ins Piemont:
Ich hatte einen Flug von Eindhoven direkt nach Turin gebucht für schlappe 100 Piepen – hin UND rück versteht sich. Also richtig Geld sparen ließ sich mit dem der Busgurkerei nicht wirklich. Einzig die Flugzeiten waren nicht grade optimal: Am Dienstag um 4:00 Uhr ging es daheim los. In Deutschland ist da auf den Straßen absolut nichts los. Eine Stunde später bin ich auch schon bei unseren entspannten Nachbarn. Auf der Autobahn um diese Zeit befinden sich in den Niederlanden offenbar ausschließlich LKW. Eindhoven scheint die Stadt „Der-frühe-Vogel-kann-mich-mal“ zu sein. Autos oder Fußgänger – Fehlanzeige. Vor 6:00 hatte ich bereits den Wagen verlassen. Köln-Bonn ist kaum näher.
Am Flughafen sah ich nur fünf Turin-Fans mit Joggingbuxen und einer schlauerweise in schwarz-gelb. Diese wähnten sich in der Überzahl und stimmten kurz ein Fangesang ein, als sie mich sahen. Konnte es sein, dass niemand auf die gleiche Idee wie ich gekommen war? Im Flieger sah ich dann plötzlich fast nur noch richtiges schwarz-gelb. Ich hatte offenbar ein Topplos beim Sitzplatz gezogen: Neben mir ein Stinker und als ich grade Platz genommen hatte, kam ein richtig Fetter Typ für den anderen Platz. Unaufgefordert gibt ihm die Stewardess (die Saftschubsen sind von der Kleidung irgendwo zwischen Küchenpersonal und Putzfrau angesiedelt) eine Gurtverlängerung – eigentlich überflüssig, denn er war ja mit seinem Wanst am Vordersitz arretiert.
Nach der Landung bekommt man eine wundervolle Kulisse geboten: Die Hälfte des Flughafens ist vom Alpenpanorama eingerahmt. Durch hässliche Vororte geht es in die doch recht schöne und vor allem pompöse Stadt. Vor 5 Jahren war ich mit meiner Frau schon hier und erinnere mich an einige Stellen. Auch gegen Turin war ich schon in Italien. Vor genau ziemlich 20 Jahren. Allerdings hatten die damals ein Heimspielverbot und mussten im altehrwürdigen San Siro Stadion in Mailand ran.
Als ich mit meinem schwarz-gelben Schal über den Markt laufe, ruft mir ein Händler „Dschiro, Dschiro“ hinterher und auch sonst alles eher eine freundliche Atmosphäre. Und so geht es weiter: Die befürchtete Langeweile ergibt sich nicht: Zunächst treffe ich den ersten Michael von meinem Trip nach Donezk. Wir trinken ein paar 0,33 Pils und mit dem Aufdruck „since 1997“ tun auch die 5 Euro nicht weh. Danach treffe ich den zweiten Michael von meinem Trip nach Donezk. Zwei Jahre ist der nun her und können uns kaum vorstellen, dass das heut nicht mehr möglich ist. Unser Mitgefühl ist bei diesen Menschen. Diesmal gibt es 0,5 Liter Wein für ebenfalls fünf Euro und dazu Gläser mit Aufdruck Dortmunder Union. Sehr schön.
Die Organisation des 25-minütigen Bustransports der Fans zum Stadion ist sehr gut. Leider spielt Juve im neuen Juventus-Stadion, denn das Stadio delle Alpi wurde abgerissen. Die Namen auf den Eintrittskarten werden tatsächlich mit den Ausweisen abgeglichen. Die Stimmung ist eher schlapp. Ein paar Idioten versuchen den unseren Anhang mit Gesängen und Transparenten zu provozieren. Große Feierei nach einem Sieg ist da wohl nicht angesagt. Mehr gibt es eigentlich nicht zu berichten. Ich lerne vier Jungs von einem Fanclub aus Schöppingen kennen, mit denen ich die Heimreise antrete. Nach der Blocksperre geht’s zurück. Nach ca. vier Stunden auf dem Trockenen haben alle Brand, aber auch nach so einem Ereignis herrscht auf dem gesamten ca. 30-minütigen Fußweg vom Busstopp bis zum Hotel durch die gesamte Turiner Innenstadt tote Hose. Mein Hotel - das Frühstück und die Lage sind großartig - kann ich euch empfehlen!
Da ich durch den Flugplan einen Drei-Tagestrip gebucht habe, kann ich am nächsten Tag ausgiebig die Sonne genießen. Bis ich mittags meine neuen Freunde aus dem westlichen Müsterland treffe. Da die Aussichtsplattform des vor ein paar hundert Jahren noch höchsten Gebäudes der Welt gesperrt ist, machen wir es uns mit ein paar Pils am Fluss gemütlich. Es gibt noch ein obligatorisches „Finger-im-Po-Foto“ und dann müssen wir weiter, denn Cafés oder ähnliches am Fluss gibt es keine. Wir essen später noch in dem laut Tripadvisor besten Laden Turins ein paar Baguettes. Ein kleines Bier dort kostet zwei Euro, ein großes zwei fufzich. Wir wollen grade gehen, da fragt man uns: „Ihr habt doch ein großes Bier zum Baguette bestellt, oder?“ „Ja.“ „Dann bekommt ihr noch jeder ein kleines Nutella-Baguette.“ Na das hätte ich in Italien nicht erwartet. Dann werde ich zu den Jungs in ihre Ferienwohnung eingeladen. Durch ein kleines Ghetto kommen wir schnell dorthin. Als ich dann höre „jetzt lernst du den Luigi kennen“, frage ich mich ob ich mir Sorgen machen muss. Aber es handelt sich nur um ein lustiges Saufspiel. Auf dem Heimweg sind bereits wieder alle Bürgersteige hochgeklappt, dabei ist es noch nicht mal spät.
Am nächsten Tag geht es nach dem Frühstück zum Bahnhof und dann zum Flughafen. „Wir lagen träumend im Gras“ draußen in der Sonne und warteten auf den Abflug. Nach Teneriffa am Samstag innerhalb von fünf Tagen das zweite Mal von der Sonne in den Regen. In Dortmund ist’s trotzdem am schönsten!

Fazit:
Bis auf das Ergebnis ein guter Trip. Die Stadt ist auch eine Reise wert. Da es höchstwahrscheinlich auf Jahre die letzte Möglichkeit war, internationale Luft zu schnuppern, bin ich froh, es gemacht zu haben.
Schöne Grüße an die Schöppinger Berg-Borussen!

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Schwarzgelbe Grüße von
: Manu



Mittwoch, 25. Februar 2015

Ein Grotifant auf Aspirin



31.01.2015, 14:00 Uhr, KFC Uerdingen – 1.FC Köln II 0-0,
Grotenburg Stadion
31.01.2015 18:30 Uhr, Bayer 04 Leverkusen – Borussia Dortmund 0-0,
Ulrich-Haberland-Stadion


Der fußballerische Start ins neue Jahr sollte gleich mit einer Reise zu den Pillen nach Legokusen beginnen. Das Spiel war auf Samstagabend angesetzt worden und da der DFB für diesen Tag gleich noch ein paar Nachholspiele der Regionalliga West gelegt hatte, entschlossen wir uns, auf dem Weg nach Leverkusen, gleich noch zu einem Besuch in der Grotenburgkampfbahn in Krefeld. Dort sollte der Leckerbissen KFC Uerdingen gegen 1.FC Köln II auf uns warten und somit ein Besuch beim legendären Grotifanten.
Unsere Reisegruppe nach Leverkusen war, trotz allgemeiner Kartenknappheit, mit 13 Personen recht groß. Trotzdem wollten die Zeitreise zu den Ex-Pillen nach Uerdingen mit Mo, Basse und Holger nur 3 Schwarz-Gelbsüchtige antreten.
Nach gesundem Vollkornsprudel am Dortmunder Bahnhof gings um 12 Uhr los. Basse sollte dann in Essen zu uns stoßen. Der Umstieg in Duisburg verlief, wie erwarten, da auch das Blaukraut bereits auf den Beinen war. Entsprechend euphorisch wurden wir von einigen blauen Intelligenzbestien begrüßt, die aber mit ihrem niveauvollen Gesülz bei uns auf taube Ohren stießen. Weiter gings mit der Bahn nach Krefeld, wo wir gleiche von einem Sportskammeraden mit einem langgezogenen Eyyyyyy begrüßt wurde. Das hatten wir aber leider nicht exklusiv, denn jeder Zuggast wurde von ihm so begrüßt. Eine echte Knalltüte der Typ und im ersten Moment dachten wir, der Typ hätte einfach seinen Zug nach Gelsenkirchen verpasst…
Den Bahnhof in Krefeld-Oppum erreichten wir nach kurzer Fahrtzeit, wo wir gleich auf die ersten Groundhopper trafen. Nicht die letzten an diesem Tag, wie sich bald herausstellen sollte. Nach ca. 20 minütigem Fußweg erreicht wir die alt ehrwürdige Kampfbahn!

Der Zahn der Zeit hatte sichtlich an diesem Schmuckkästchen genagt. 2 Tribünen sind mittlerweile gesperrt und der Zuschauerzuspruch, laut einheimischer Fans, auch eher trist. Dementsprechend waren auch nur ein paar Heimblöcke auf der Haupttribüne geöffnet. Der Gästeblock war nahezu leer. Von den handgezählten 15 Personen war der Großteil auf der Durchreise nach Leverkusen und entsprechend schwarzgelb gekleidet. Bei leckerer Bratwurst und süffigem Lagerbier jubelten wir dann dem Grotifanten zu, der die Massen einpeitschte und die Spieler aufs Feld begleitete. Der Support der Heimfans beschränkte sich auf ein K-F-C oder wir Sportskamerad Mo es sinnigerweise immer wieder als S-G-E wahrnahm… Da hatte wohl das Lagerbier die Sinnesorgane etwas irritiert…
Das Spiel plätscherte vor sich hin. Ein echter Leckerbissen zum Start ins neue Fußballjahr. Das Niveau war dermaßen auf Grasnarbenhöhe, dass man getrost später weiter nach Legokusen fahren konnte. Schlimmer konnte es selbst dort nicht werden… Am Ende spendierten uns beide Teams ein 0-0.

Kurz vor dem Abpfiff mussten wr das Stadion verlassen, um unseren Zug nach Duisburg zu bekommen. Bevor wir die Beine in die Hand nahmen, legten wir an der Tanke gegenüber noch einen kurzen Zwischenstopp ein. Ein Auswärtsspiel und das dänische Büchsenbier geht mittlerweile nicht mehr und somit deckten wir uns noch schnell mit Faxe Extra Strong ein. Der Zug wurde pünktlich erreicht und am Bahnhof wartete bereits Eyyyyyy von der Hinfahrt auf uns.

Leverkusen erreichten wir fast zeitgleich mit der zweiten Reisegruppe. Gemeinsam und biergeschwängert ging es gleich im  großen Tross gen Pillendose. Irgendwie war Leverkusen fest in schwarzgelber Hand, aber das ist ja bei unseren Gastspielen nichts Neues. Vorm Block trennten sich unsere Weg, da irgendwie alle in kleineren Gruppe verteilt im Stadion saßen. Das Spiel war kein wirklicher Leckerbissen, aber besser als in Uerdingen. Der Abwehrriegel stand und die Pillen waren nicht wirklich stark. Der Support in schwarzgelb war mal wieder aller Ehren wert. Am Ende wieder ein 0-0 und das zum zweiten Mal am heutigen Tag. Naja, wir konnten mit dem Punkt leben, auch wenn es den Sturz auf den letzten Platz für uns bedeutete. Naja, wird schon, so der allgemeine Glaube auf dem Rückweg.

Wir erreichten zeitig den Sonderzug nach Dortmund, der bereits gut gefüllt auf die Abfahrt wartete. Im Zug trafen wir dann auch Teile aus der anderen Reisegruppe wieder und es entwickelte sich eine gewohnt lustige Rückfahrt. Das gesamte schwarzgelbe Liedgut wurde durchgesungen. Insbesondere die Lobpreisungen auf einen ehemaligen blauen Dänen, seines Zeichens legendärer 4-Minuten-Meister sowie die Umschreibung seiner sexueller Vorlieben in allen möglichen Varianten schien unendlich. Wirklich, ganz großer und niveauvoller Sport an diesem Tag!
Dortmund wurde gegen 22 Uhr erreicht und einige von uns machten sich auf, die Stadt noch mal auf links zu drehen…

Gestartet in froher Erwartung, das alles besser wird. Am Ende mit einem Punkt glücklich, trotz roter Laterne. Spaß gehabt, den Grotifanten gesehen und am nächsten Morgen definitiv Lust auf Aspirin gehabt – was will man mehr…

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Schwarzgelbe Grüße von
: Holger, Basse & Mo

Freitag, 23. Januar 2015

Inselhopping: Drei Tage, vier Grounds


Groundhopping auf der Insel, 17.-19. Januar 2015:
Derby County – Nottingham Forest 1:2, iPro Stadium
Sheffield Wednesday – Bolton Wanderers 1:2, Hillsborough Stadium
West Ham United – Hull City 3:0, Upton Park



London Calling

Samstagmorgen, 3.30 Uhr: Kaum geschlafen, der Wecker klingelt trotzdem. 
4:15 Uhr: In der Tremoniastraße fährt das vorbestellte Taxi vor, das uns zum Dortmunder Hauptbahnhof fährt. 
7:00 Uhr: Der Flieger beschleunigt auf der Startbahn des Düsseldorfer Flughafens. Auf geht’s Richtung Insel.  Das erste Erfrischungsgetränk gibt es auf halber Strecke – der Tag wird noch lang genug werden.
8:45 Uhr: Wir erreichen King‘s Cross. Da unser Hotel leider keinen Gepäckservice anbietet und unser Check-in erst um 12 Uhr möglich ist, deponieren wir unser Gepäck kostengünstig im Gepäckdepot am St. Pancras für wirklich faire zehn Pfund. Pro Gepäckstück versteht sich. Egal, schnell akzeptieren wir, dass Geld an diesem Wochenende keine Rolle spielen darf.


The Rams meets Forest
 
10:00 Uhr: Wir sitzen im East-Midlands-Zug nach Derby. Zum Derby. Kurz nach High Noon steht dort das erste Spiel an diesem Tag auf dem Programm: Derby County empfängt den Nachbarn, Traditionsverein und zweimaligen Landesmeister-Cupsieger Nottingham Forest. 
11:30 Uhr: Nach 1,5 Stunden Fahrtzeit durch Schnee und Eis und weiteren Erfrischungspatronen im Zug – in England wird zu fanfreundlichen Preisen Dosenbier in den Zügen verkauft – erreichen wir Derby. Das Stadion liegt etwa 15 Gehminuten vom Bahnhof entfernt in einem Industriegebiet. Das iPro Stadium (früher Pride Park) wurde 1997 eröffnet, dementsprechend handelt es sich um eine dieser neuen, lieblosen Blechkisten irgendwo außerhalb. Leider gibt es daher auch wenig Pubkultur rund ums Stadion. Da wir sowieso knapp in der Zeit liegen, schmerzte das nicht sonderlich. Wir entschließen uns, im Stadion noch eins zu nehmen. Mit Fanshop und Anstehen wird es letztlich aber so knapp, dass wir die Hülse auf die Halbzeit vertagen musste.

Vor dem Spiel hatten wir gehofft, dass wir wenigstens in einem Derby mit etwas Stimmung rechnen konnten und kein Operettenpublikum vorfinden würden – wie inzwischen eher auf der Insel üblich. Doch siehe da: Wir werden mehr als positiv überrascht. Das Stadion ist erwartungsgemäß ausverkauft, der Gästeblock gut gefüllt und die gesamte Heimkurve hinterm Tor peitscht ihre Mannschaft die ganze Zeit nach vorne. Das gleiche tun die Forest-Fans – die Atmosphäre ist klasse und eines Derbys in Derby absolut würdig. Und auch dem dem Spiel kommt die Stimmung zugute, beide Mannschaften geben Vollgas. Derby geht schnell durch ein Eigentor in Führung, Forest scheint angezählt, aber so richtig Zwingendes ergibt sich nicht mehr für Derby, trotz aller Bemühungen. Zur Halbzeit hechten wir in die Katakomben. Die Versorgungsstände sind jedoch hoffnungslos überfüllt, so dass wir unser verdientes Pils – stilecht aus Plastikflasche – im Eiltempo runterstürzen müssen.

Die zweite Halbzeit geht wieder temporeich los, jetzt ist allerdings Forest am Drücker, während Derby merklich dem Tempo der ersten Halbzeit Tribut zollen muss. Folgerichtig fällt der Ausgleich.

Kurz vor 14:00 Uhr: Es läuft die 85. Minute, als wir unserem weiteren Tagesprogramm zuliebe vorzeitig unsere Plätze räumen, um unseren Zug nach Sheffield zu bekommen. Wir machen uns wenig Sorgen, noch groß etwas zu verpassen, beide Mannschaften scheinen sich irgendwie mit dem Ergebnis zu arrangieren. Im Sprinttempo laufen wir den knappen Kilometer zum Bahnhof und erreichen überpünktlich unseren Zug. Schnell versorgt uns ein freundlicher Mensch mit Pils im Zug. Um sicherzugehen, dass wir auch tatsächlich nichts mehr verpasst haben, checken wir kurz das Endergebnis – scheiße, 1:2 für Forest. Tatsächlich doch noch ein Tor in der 3. Minute der Nachspielzeit! Naja, den Zug hätten wir dann wohl locker verpasst und das ganze Programm mit dem Spiel in Sheffield wäre für die Katz gewesen. Zumal sich dort herausstellen wird, dass sich unser pünktliches Erscheinen lohnt…


Ob Regen und Schnee – Sheffield Wednesday Oleeeeee


14:45 Uhr: Wir erreichen Sheffield. Bis zum legendären Hillsborough-Stadion sind es aber noch ein paar Minuten, da es etwas außerhalb des Stadtkerns liegt. Ein Taxi hilft. Sheffield versprüht, als ehemalige Stahl-Hochburg, den Charme mancher herunter gekommener Städte im Ruhrgebiet, wobei der Stadtkern in den letzten Jahren deutlich aufpoliert wurde. Hillsborough liegt jedoch richtig schön passend in einem Industriegebiet. Doch anders als das Stadion in Derby, ist Hillsborough eine richtig alte Schachtel mit einer traurigen Geschichte. Das Stadion wurde 1899 eröffnet und über die Jahre ständig erweitert. 1966 war es Spielstätte bei der WM (u.a. spielte Deutschland dort) und 1989 Schauplatz der Hillsborough-Katastrophe.

15:00 Uhr: Fast auf die Sekunde genau landen wir auf unseren Plätzen auf dem Spion Kop, der letzten Tribüne in England die von Stehplatz in Sitzplatz umgewandelt wurde und idyllisch in einen Hang gebaut liegt. Am Stadion nagt sichtbar der Zahn der Zeit: die Stufen hoch in den Block sind ordentlich kaputt und vermoost, im Stadionumfeld sehen die Gehwege eher wie Seenplatten aus – also ein richtig schöner Ort um guten traditionsreichen und nostalgischen Fußball zu gucken. Vom Spiel hatten wir im Vorfeld nicht viel erwartet, von der Stimmung auch nicht. Auch hier werden wir aber positiv überrascht. 22.000 Zuschauer finden den Weg zum Spiel, auf unserer Tribüne sitzen die  Stimmungsmacher! Wahnsinn, wieder Stimmung in einem englischen Stadion! Pünktlich zum Spiel setzt starker Schneefall ein. Besonders bemerkenswert, aber auch irgendwie typisch, fällt uns ein Typ auf der unüberdachten Tribüne in einer der Ecken auf.  Auf die Entfernung ein Prototyp eines englischen Fans, vermutlich noch Gründungsmitglied der Owls Crime Squad. Bevorzugte Bekleidung des Stiernackens: Nackte Bierplautze vom Feinsten, Schnee und Regen plätschern auf die Fleischmütze. Und das die vollen 90 Minuten. Geiles Schauspiel!

Wir haben uns kaum hingesetzt, da klingelt’s auch schon im Gebälk – und wir wissen, warum sich der vorzeitige Aufbruch in Derby doch gelohnt hat. Die Gäste aus Bolton machen nach eklatantem Abwehrfehler das 1:0, auch das zweite Tor der Wanderers lässt nicht lange auf sich warten. Das Spiel scheint gelaufen, doch Sheffield gibt nicht auf und erzwingt Mitte der ersten Halbzeit einen Elfer, der zum 1:2-Anschlusstreffer führt.

Das Spiel ist kein Leckerbissen, aber der Einsatz stimmt. Es entwickelt sich Kick-and-Rush bei widrigen Platzverhältnissen von aller bester britischer Prägung! Hin- und her und manchmal einfach unfassbar, weil scheinbar einfachste Bälle ins Aus springen, ohne Not. Zur Halbzeit suchen wir die hochmodernen Sanitäranlagen auf. Die Wege bestehen nur aus Wasser, knöcheltief versteht sich, was die Leute und uns aber nicht abhält, den Weg zum Versorgungsstand zu suchen. Badehosen hatten wir dummerweise nicht dabei… Die Halbzeit reicht für ein Kaltgetränk – aus Plastikflasche versteht sich – bevor es wieder hoch den Hügel in unseren Block geht.

In der zweiten Halbzeit reißt der Einsatz nicht ab. Bolton macht wenig, Sheffield viel, aber wenig Effektives. Das Spiel hat es in sich, die Schien- und Wadenbeine fliegen irgendwann durch die Gegend. Rote Karte, Abseitstor, Lattentreffer, Glanzparaden – das Spiel hat wirklich was zu bieten. Am Ende reicht es für Wednesday nicht mehr zum Ausgleich, der durchaus verdient gewesen wäre.

17:00 Uhr: Nach dem Spiel geht’s wieder raus in den Schneematsch. Der Rückweg ist eher zähflüssig und dauert ewig. Die kurze Nacht macht sich bemerkbar. Beim King im Bahnhof wird Zwischenstopp gemacht, ein paar Patronen kaufen wir im Kiosk nebenan. Dann ab in den Zug zurück nach London


Der Mond von Milton Keynes


Die Luft ist fast raus. Wärme, Sitzen, Pils trinken – zwei Stunden bis London – so der Plan. Im Zug fällt gleich eine Gruppe Jungs ins Gesicht, ähnlich wie wir, mit vollen Plastiktüten voll Pils. Einer der Typen ist ein Stiernackennachwuchs aus dem Bildebuch: blanke Birne, fette Plautze und eine Kauleiste, die den Asphalt schon häufiger mal geküsst hat. Schnell ist klar: Die Rückfahrt wird eher unterhaltsam sein. Der Kahlkopf findet einen weiteren Verbündeten aus Bolton, dem er gleich seine Lebensgeschichte aufs Auge drückt, natürlich so, dass es der ganz Zug vernimmt:  Geboren 1994, gezeugt in Magaluf (der Ballermann für Tommies auf Malle), und weil sein Erzeuger von Bolton zur Kindsmutter nach Essex zog, wohnhaft in Milton Keynes. Leider hat der Bursche damit zu kämpfen, dass sein Bauchumfang nicht in der Lage ist, dauerhaft seine Hose zu halten. Da er sich scheinbar auch keinen Gürtel leisten kann, könnte man im Zug auch das Licht ausschalten, ohne dass es dunkel wird: Denn der blanke Mond von Milton Keynes erleuchtet das Abteil taghell.

Im Laufe der Fahrt outen sich noch andere Fangruppierungen im Abteil. Stoke City ist vertreten, AFC Bournemouth auch. Das führt dazu, dass der Stiernacken nun seinen Spaß daran findet, Gesänge anzustimmen – vor allem diesen einen über Posh Spice, die Beschreibung ihrer Oberweite und diverser anderer Vorzüge (oder auch nicht), in Dauerschleife. Der Rest stimmt mit ein.

20:30 Uhr: Zurück in St. Pancras. Dort ist es hell, und den Mond sieht man nicht mehr. Gepäck holen, einchecken und ab nach Hause ins Millers.


Zu Hause is‘ einfach am schönsten


21:45 Uhr: Vorm Millers empfängt uns gleich derselbe Türsteher von einst, der damals schon die Lügengeschichte um den Stuhl der Schande der kleinen Tommies nicht geglaubt hatte. Schnell stellt sich heraus, dass der Gute Verwandtschaft in Recklinghausen hat und somit mit Dortmund sowieso was anfangen konnte. Wie immer, sehr sympathisch… Den ganzen Tag haben wir uns nur aus Weißblechdose oder Plastikflasche ernährt – endlich wartet das erste landestypsiche Getränk in landestypischer Maßeinheit und landestypischem Serviervorschlag auf uns. Herrlich. Das Leben kommt zurück (keine Ahnung, dass wievielte es an diesem Tag)!

Nach 3-6 Getränken geht‘s mit der Bahn nach Camden, Party machen – anwärmen im World’s End, dann abzappeln eine Etage tiefer im Underworld. Beide haben wir uns vorher rausgesucht, weil sie unserem Musikgeschmack zu entsprechen scheinen. Und wir werden nicht enttäuscht. Bis die Hähne hochgeklappt werden, sind wir am Start.

3.00 Uhr Ortszeit: Mehr als 24 Stunden, nachdem in Dortmund der Wecker geklingelt hat, wir unzählige Litern verschiedenster Saftarten zu uns genommen haben und unsere Groundliste um zwei Einträge reicher ist, fallen wir ins Bett.


We are the Firm



Der nächste Tag beginnt ziemlich spät. Der Vortrag hat scheinbar doch an uns gezehrt. Kein Wunder aber egal. Wir schütteln uns kurz, frühstücken und suchen den Weg zur U-Bahn. King‘s Cross bis Upton Park heißt unsere Route. Der legendäre Upton Park in West Ham, im Osten der Stadt gelegen, liegt in seinen letzten Zügen. Die Hammers werden in Kürze ins Olympiastadion nach Stratford umziehen. Damit stirbt definitiv ein weiterer traditionsreicher Tempel englischer Fußballkultur.

Das Stadion liegt typisch eingebettet im Wohnviertel, also so, wie man sich Fußball in England vorstellt. Holger war vor zehn Jahren schon mal bei einem Spiel dort, daher kennt er sich etwas aus und bemerkt gleich, dass sich nichts verändert hat. Zielgerichtet steuern wir dann auch in den ersten Pub, „The Queens“. Endlich: Versiffter Teppichboden, vergilbte Tapete und Frauen (glauben wir zumindest)  hinterm Tresen in der Altersklasse 12-72, die entweder in Joggingklamotten oder körperbetont gekleidet das Pils ausschenken. Eins geht, dann geht’s weiter. Weit ist es nicht.

Unterwegs heißt uns ein Hammers-Fan noch herzlich Willkommen bei den Hammers. Wir gehen allerdings schnell und kopfschüttelnd weiter, als er uns seine Sympathiebekundung zu Pegida entgegenbringt, nachdem wir ihm sagen, woher wir kommen. Sehr peinlich, wir schämen uns echt fremd. Den Besuch im Fanshop verschieben wir auf nach dem Spiel. Wir hatten noch für zwei weitere Deutsche aus Berlin Karten für das Spiel gekauft, da an diesem Wochenende Leute aus dem Tooor.de-Forum einen gemeinsamen Trip nach London gebucht haben. Die Jungs treffen wir im Block, wir kommen gleich ins Gespräch („Danke, dass ihr uns den Ramos für so viel Geld abgekauft habt…“).

Vorm Spiel wird die bekannte West Ham-Hymne „I am forever blowing bubbles“ gespielt, dazu werden Seifenblasen am Spielertunnel ausgeblasen. Sehr geil! Aber wie immer verstummt das Volk nach der Hymne für den Rest des Spiels. Totenstille. Dabei hätte ein bisschen Support dem Spiel wirklich gut getan! Naja, dementsprechend sind wir froh über den Halbzeittee (in Plastik serviert). Die zweite Hälfte entschädigt dann wenigstens mit 3 Toren – das war‘s. Nach dem Spiel sind wir noch mit den Hertha-Jungs noch im „The Boleyn“ auf ein paar Pils verabredet. Dort treffen wir dann auch den Rest der Reisegruppe und feiern noch eine nette After-Match-Party. Um 18 Uhr geht‘s dann mit der Bahn zum Abendessen nach Islington, danach zurück nach Hause ins Millers, wo der Abend dann auch bis zur Sperrstunde ausklingt.


„This Bus Goes To Tottenham Townhall”

Für den Montag haben wir uns zur Zeitüberbrückung bis zum Abflug noch eine Stadiontour an der White Hart Lane in Tottenham gebucht. Mit dem Doppeldecker geht es gefühlte drei Stunden und „This bus goes to Tottenham Townhall“ in Dauerschleife Richtung Stadion. Tottenham liegt im Nordosten Londons. Der große Rivale ist Arsenal, die Stadien liegen ca. 6 km auseinander. Da es ein Montagmorgen im Januar ist, haben wir Glück, denn außer uns verirren sich nur noch zwei Tottenham-Fans (Mann und Frau oder Mann und Tochter, auf jeden Fall war er auch ein großer Freund der kalten Erfrischungsgetränke – und auf einer Fotowand im Spielertunnel mit seinem Hund im Spurs-Trikot verewigt…) aus den Midlands zur Tour.

Die White Hart Lane liegt ebenfalls mitten in einem Wohn- und Geschäftsviertel und wurde über die Jahre sukzessive erweitert. Die Kapazität beträgt jetzt ca. 45.000, die Grenze ist erreicht. Man wird in Kürze quasi an gleicher Stelle neu bauen. Geplant ist ein Stadion mit einer Kapazität von 60.000 Zuschauern, aber weil das Emirates Stadium des großen Rivalen Arsenal ebenfalls 60.000 Zuschauer fasst, hat man den Bauplan noch einmal geändert und wird nun eine Kapazität von 61.000 Zuschauern bauen. Der Neubau soll in 1-2 Jahren beginnen, man wird mindestens eine Saison in einem anderen Stadion spielen müssen, weiß aber noch nicht, wo das sein wird. Definitiv nicht im Emirates, wie man uns versicherte…

Die Tour wird, wie üblich, von einem älteren Herrn durchgeführt, der gleich leuchtende Augen bekommt, als wir unseren Verein outen und von unserer Wochenend-Tour erzählen. Die Tour selbst ist wie viele andere auch. Immerhin kommen wir sehr oft mit dem Herrn ins Gespräch, über (Fußball-)Gott und die (Fußball-)Welt. Als er uns u.a. von den früheren Stehplätzen im Stadion erzählt und wie eng es war, erzählen wir von unseren Dauerkarten auf Süd, der „Yellow Wall“, der Enge und den Bierduschen beim Tor. „Fantastic Crowd in Dortmund. Every time I see them on TV it´s amazing.” Auch weitere Gespräche insbesondere über Steffen Freund, der eine wahnsinnige Wertschätzung im Verein und bei den Fans erfährt und sogar in der Hall of Fame des Clubs ist, sind sehr angenehm. Von 2013 und den schwarzgelben Massen in London war er schwer beeindruckt und gesteht, selbstverständlich uns die Daumen gedrückt zu haben. Wir erklären ihm noch, wie scheiße langweilig Bayern ist und dass unser eigentlicher Feind blaue Trikots trägt. Nach 90 Minuten ist die interessante und kurzweilige Tour vorbei. Mit einem „Good luck for Dortmund“ werden wir Richtung Heathrow entlassen.  

Zwei London Pride am Flughafen noch und dann ab nach Hause. Müde, erschöpft aber glücklich und im sicheren Gefühl, dass das bestimmt nicht unser letzter England-Exkurs war.

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Schwarzgelbe Grüße von
: Holger & Marcel