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Freitag, 23. Januar 2015

Inselhopping: Drei Tage, vier Grounds


Groundhopping auf der Insel, 17.-19. Januar 2015:
Derby County – Nottingham Forest 1:2, iPro Stadium
Sheffield Wednesday – Bolton Wanderers 1:2, Hillsborough Stadium
West Ham United – Hull City 3:0, Upton Park



London Calling

Samstagmorgen, 3.30 Uhr: Kaum geschlafen, der Wecker klingelt trotzdem. 
4:15 Uhr: In der Tremoniastraße fährt das vorbestellte Taxi vor, das uns zum Dortmunder Hauptbahnhof fährt. 
7:00 Uhr: Der Flieger beschleunigt auf der Startbahn des Düsseldorfer Flughafens. Auf geht’s Richtung Insel.  Das erste Erfrischungsgetränk gibt es auf halber Strecke – der Tag wird noch lang genug werden.
8:45 Uhr: Wir erreichen King‘s Cross. Da unser Hotel leider keinen Gepäckservice anbietet und unser Check-in erst um 12 Uhr möglich ist, deponieren wir unser Gepäck kostengünstig im Gepäckdepot am St. Pancras für wirklich faire zehn Pfund. Pro Gepäckstück versteht sich. Egal, schnell akzeptieren wir, dass Geld an diesem Wochenende keine Rolle spielen darf.


The Rams meets Forest
 
10:00 Uhr: Wir sitzen im East-Midlands-Zug nach Derby. Zum Derby. Kurz nach High Noon steht dort das erste Spiel an diesem Tag auf dem Programm: Derby County empfängt den Nachbarn, Traditionsverein und zweimaligen Landesmeister-Cupsieger Nottingham Forest. 
11:30 Uhr: Nach 1,5 Stunden Fahrtzeit durch Schnee und Eis und weiteren Erfrischungspatronen im Zug – in England wird zu fanfreundlichen Preisen Dosenbier in den Zügen verkauft – erreichen wir Derby. Das Stadion liegt etwa 15 Gehminuten vom Bahnhof entfernt in einem Industriegebiet. Das iPro Stadium (früher Pride Park) wurde 1997 eröffnet, dementsprechend handelt es sich um eine dieser neuen, lieblosen Blechkisten irgendwo außerhalb. Leider gibt es daher auch wenig Pubkultur rund ums Stadion. Da wir sowieso knapp in der Zeit liegen, schmerzte das nicht sonderlich. Wir entschließen uns, im Stadion noch eins zu nehmen. Mit Fanshop und Anstehen wird es letztlich aber so knapp, dass wir die Hülse auf die Halbzeit vertagen musste.

Vor dem Spiel hatten wir gehofft, dass wir wenigstens in einem Derby mit etwas Stimmung rechnen konnten und kein Operettenpublikum vorfinden würden – wie inzwischen eher auf der Insel üblich. Doch siehe da: Wir werden mehr als positiv überrascht. Das Stadion ist erwartungsgemäß ausverkauft, der Gästeblock gut gefüllt und die gesamte Heimkurve hinterm Tor peitscht ihre Mannschaft die ganze Zeit nach vorne. Das gleiche tun die Forest-Fans – die Atmosphäre ist klasse und eines Derbys in Derby absolut würdig. Und auch dem dem Spiel kommt die Stimmung zugute, beide Mannschaften geben Vollgas. Derby geht schnell durch ein Eigentor in Führung, Forest scheint angezählt, aber so richtig Zwingendes ergibt sich nicht mehr für Derby, trotz aller Bemühungen. Zur Halbzeit hechten wir in die Katakomben. Die Versorgungsstände sind jedoch hoffnungslos überfüllt, so dass wir unser verdientes Pils – stilecht aus Plastikflasche – im Eiltempo runterstürzen müssen.

Die zweite Halbzeit geht wieder temporeich los, jetzt ist allerdings Forest am Drücker, während Derby merklich dem Tempo der ersten Halbzeit Tribut zollen muss. Folgerichtig fällt der Ausgleich.

Kurz vor 14:00 Uhr: Es läuft die 85. Minute, als wir unserem weiteren Tagesprogramm zuliebe vorzeitig unsere Plätze räumen, um unseren Zug nach Sheffield zu bekommen. Wir machen uns wenig Sorgen, noch groß etwas zu verpassen, beide Mannschaften scheinen sich irgendwie mit dem Ergebnis zu arrangieren. Im Sprinttempo laufen wir den knappen Kilometer zum Bahnhof und erreichen überpünktlich unseren Zug. Schnell versorgt uns ein freundlicher Mensch mit Pils im Zug. Um sicherzugehen, dass wir auch tatsächlich nichts mehr verpasst haben, checken wir kurz das Endergebnis – scheiße, 1:2 für Forest. Tatsächlich doch noch ein Tor in der 3. Minute der Nachspielzeit! Naja, den Zug hätten wir dann wohl locker verpasst und das ganze Programm mit dem Spiel in Sheffield wäre für die Katz gewesen. Zumal sich dort herausstellen wird, dass sich unser pünktliches Erscheinen lohnt…


Ob Regen und Schnee – Sheffield Wednesday Oleeeeee


14:45 Uhr: Wir erreichen Sheffield. Bis zum legendären Hillsborough-Stadion sind es aber noch ein paar Minuten, da es etwas außerhalb des Stadtkerns liegt. Ein Taxi hilft. Sheffield versprüht, als ehemalige Stahl-Hochburg, den Charme mancher herunter gekommener Städte im Ruhrgebiet, wobei der Stadtkern in den letzten Jahren deutlich aufpoliert wurde. Hillsborough liegt jedoch richtig schön passend in einem Industriegebiet. Doch anders als das Stadion in Derby, ist Hillsborough eine richtig alte Schachtel mit einer traurigen Geschichte. Das Stadion wurde 1899 eröffnet und über die Jahre ständig erweitert. 1966 war es Spielstätte bei der WM (u.a. spielte Deutschland dort) und 1989 Schauplatz der Hillsborough-Katastrophe.

15:00 Uhr: Fast auf die Sekunde genau landen wir auf unseren Plätzen auf dem Spion Kop, der letzten Tribüne in England die von Stehplatz in Sitzplatz umgewandelt wurde und idyllisch in einen Hang gebaut liegt. Am Stadion nagt sichtbar der Zahn der Zeit: die Stufen hoch in den Block sind ordentlich kaputt und vermoost, im Stadionumfeld sehen die Gehwege eher wie Seenplatten aus – also ein richtig schöner Ort um guten traditionsreichen und nostalgischen Fußball zu gucken. Vom Spiel hatten wir im Vorfeld nicht viel erwartet, von der Stimmung auch nicht. Auch hier werden wir aber positiv überrascht. 22.000 Zuschauer finden den Weg zum Spiel, auf unserer Tribüne sitzen die  Stimmungsmacher! Wahnsinn, wieder Stimmung in einem englischen Stadion! Pünktlich zum Spiel setzt starker Schneefall ein. Besonders bemerkenswert, aber auch irgendwie typisch, fällt uns ein Typ auf der unüberdachten Tribüne in einer der Ecken auf.  Auf die Entfernung ein Prototyp eines englischen Fans, vermutlich noch Gründungsmitglied der Owls Crime Squad. Bevorzugte Bekleidung des Stiernackens: Nackte Bierplautze vom Feinsten, Schnee und Regen plätschern auf die Fleischmütze. Und das die vollen 90 Minuten. Geiles Schauspiel!

Wir haben uns kaum hingesetzt, da klingelt’s auch schon im Gebälk – und wir wissen, warum sich der vorzeitige Aufbruch in Derby doch gelohnt hat. Die Gäste aus Bolton machen nach eklatantem Abwehrfehler das 1:0, auch das zweite Tor der Wanderers lässt nicht lange auf sich warten. Das Spiel scheint gelaufen, doch Sheffield gibt nicht auf und erzwingt Mitte der ersten Halbzeit einen Elfer, der zum 1:2-Anschlusstreffer führt.

Das Spiel ist kein Leckerbissen, aber der Einsatz stimmt. Es entwickelt sich Kick-and-Rush bei widrigen Platzverhältnissen von aller bester britischer Prägung! Hin- und her und manchmal einfach unfassbar, weil scheinbar einfachste Bälle ins Aus springen, ohne Not. Zur Halbzeit suchen wir die hochmodernen Sanitäranlagen auf. Die Wege bestehen nur aus Wasser, knöcheltief versteht sich, was die Leute und uns aber nicht abhält, den Weg zum Versorgungsstand zu suchen. Badehosen hatten wir dummerweise nicht dabei… Die Halbzeit reicht für ein Kaltgetränk – aus Plastikflasche versteht sich – bevor es wieder hoch den Hügel in unseren Block geht.

In der zweiten Halbzeit reißt der Einsatz nicht ab. Bolton macht wenig, Sheffield viel, aber wenig Effektives. Das Spiel hat es in sich, die Schien- und Wadenbeine fliegen irgendwann durch die Gegend. Rote Karte, Abseitstor, Lattentreffer, Glanzparaden – das Spiel hat wirklich was zu bieten. Am Ende reicht es für Wednesday nicht mehr zum Ausgleich, der durchaus verdient gewesen wäre.

17:00 Uhr: Nach dem Spiel geht’s wieder raus in den Schneematsch. Der Rückweg ist eher zähflüssig und dauert ewig. Die kurze Nacht macht sich bemerkbar. Beim King im Bahnhof wird Zwischenstopp gemacht, ein paar Patronen kaufen wir im Kiosk nebenan. Dann ab in den Zug zurück nach London


Der Mond von Milton Keynes


Die Luft ist fast raus. Wärme, Sitzen, Pils trinken – zwei Stunden bis London – so der Plan. Im Zug fällt gleich eine Gruppe Jungs ins Gesicht, ähnlich wie wir, mit vollen Plastiktüten voll Pils. Einer der Typen ist ein Stiernackennachwuchs aus dem Bildebuch: blanke Birne, fette Plautze und eine Kauleiste, die den Asphalt schon häufiger mal geküsst hat. Schnell ist klar: Die Rückfahrt wird eher unterhaltsam sein. Der Kahlkopf findet einen weiteren Verbündeten aus Bolton, dem er gleich seine Lebensgeschichte aufs Auge drückt, natürlich so, dass es der ganz Zug vernimmt:  Geboren 1994, gezeugt in Magaluf (der Ballermann für Tommies auf Malle), und weil sein Erzeuger von Bolton zur Kindsmutter nach Essex zog, wohnhaft in Milton Keynes. Leider hat der Bursche damit zu kämpfen, dass sein Bauchumfang nicht in der Lage ist, dauerhaft seine Hose zu halten. Da er sich scheinbar auch keinen Gürtel leisten kann, könnte man im Zug auch das Licht ausschalten, ohne dass es dunkel wird: Denn der blanke Mond von Milton Keynes erleuchtet das Abteil taghell.

Im Laufe der Fahrt outen sich noch andere Fangruppierungen im Abteil. Stoke City ist vertreten, AFC Bournemouth auch. Das führt dazu, dass der Stiernacken nun seinen Spaß daran findet, Gesänge anzustimmen – vor allem diesen einen über Posh Spice, die Beschreibung ihrer Oberweite und diverser anderer Vorzüge (oder auch nicht), in Dauerschleife. Der Rest stimmt mit ein.

20:30 Uhr: Zurück in St. Pancras. Dort ist es hell, und den Mond sieht man nicht mehr. Gepäck holen, einchecken und ab nach Hause ins Millers.


Zu Hause is‘ einfach am schönsten


21:45 Uhr: Vorm Millers empfängt uns gleich derselbe Türsteher von einst, der damals schon die Lügengeschichte um den Stuhl der Schande der kleinen Tommies nicht geglaubt hatte. Schnell stellt sich heraus, dass der Gute Verwandtschaft in Recklinghausen hat und somit mit Dortmund sowieso was anfangen konnte. Wie immer, sehr sympathisch… Den ganzen Tag haben wir uns nur aus Weißblechdose oder Plastikflasche ernährt – endlich wartet das erste landestypsiche Getränk in landestypischer Maßeinheit und landestypischem Serviervorschlag auf uns. Herrlich. Das Leben kommt zurück (keine Ahnung, dass wievielte es an diesem Tag)!

Nach 3-6 Getränken geht‘s mit der Bahn nach Camden, Party machen – anwärmen im World’s End, dann abzappeln eine Etage tiefer im Underworld. Beide haben wir uns vorher rausgesucht, weil sie unserem Musikgeschmack zu entsprechen scheinen. Und wir werden nicht enttäuscht. Bis die Hähne hochgeklappt werden, sind wir am Start.

3.00 Uhr Ortszeit: Mehr als 24 Stunden, nachdem in Dortmund der Wecker geklingelt hat, wir unzählige Litern verschiedenster Saftarten zu uns genommen haben und unsere Groundliste um zwei Einträge reicher ist, fallen wir ins Bett.


We are the Firm



Der nächste Tag beginnt ziemlich spät. Der Vortrag hat scheinbar doch an uns gezehrt. Kein Wunder aber egal. Wir schütteln uns kurz, frühstücken und suchen den Weg zur U-Bahn. King‘s Cross bis Upton Park heißt unsere Route. Der legendäre Upton Park in West Ham, im Osten der Stadt gelegen, liegt in seinen letzten Zügen. Die Hammers werden in Kürze ins Olympiastadion nach Stratford umziehen. Damit stirbt definitiv ein weiterer traditionsreicher Tempel englischer Fußballkultur.

Das Stadion liegt typisch eingebettet im Wohnviertel, also so, wie man sich Fußball in England vorstellt. Holger war vor zehn Jahren schon mal bei einem Spiel dort, daher kennt er sich etwas aus und bemerkt gleich, dass sich nichts verändert hat. Zielgerichtet steuern wir dann auch in den ersten Pub, „The Queens“. Endlich: Versiffter Teppichboden, vergilbte Tapete und Frauen (glauben wir zumindest)  hinterm Tresen in der Altersklasse 12-72, die entweder in Joggingklamotten oder körperbetont gekleidet das Pils ausschenken. Eins geht, dann geht’s weiter. Weit ist es nicht.

Unterwegs heißt uns ein Hammers-Fan noch herzlich Willkommen bei den Hammers. Wir gehen allerdings schnell und kopfschüttelnd weiter, als er uns seine Sympathiebekundung zu Pegida entgegenbringt, nachdem wir ihm sagen, woher wir kommen. Sehr peinlich, wir schämen uns echt fremd. Den Besuch im Fanshop verschieben wir auf nach dem Spiel. Wir hatten noch für zwei weitere Deutsche aus Berlin Karten für das Spiel gekauft, da an diesem Wochenende Leute aus dem Tooor.de-Forum einen gemeinsamen Trip nach London gebucht haben. Die Jungs treffen wir im Block, wir kommen gleich ins Gespräch („Danke, dass ihr uns den Ramos für so viel Geld abgekauft habt…“).

Vorm Spiel wird die bekannte West Ham-Hymne „I am forever blowing bubbles“ gespielt, dazu werden Seifenblasen am Spielertunnel ausgeblasen. Sehr geil! Aber wie immer verstummt das Volk nach der Hymne für den Rest des Spiels. Totenstille. Dabei hätte ein bisschen Support dem Spiel wirklich gut getan! Naja, dementsprechend sind wir froh über den Halbzeittee (in Plastik serviert). Die zweite Hälfte entschädigt dann wenigstens mit 3 Toren – das war‘s. Nach dem Spiel sind wir noch mit den Hertha-Jungs noch im „The Boleyn“ auf ein paar Pils verabredet. Dort treffen wir dann auch den Rest der Reisegruppe und feiern noch eine nette After-Match-Party. Um 18 Uhr geht‘s dann mit der Bahn zum Abendessen nach Islington, danach zurück nach Hause ins Millers, wo der Abend dann auch bis zur Sperrstunde ausklingt.


„This Bus Goes To Tottenham Townhall”

Für den Montag haben wir uns zur Zeitüberbrückung bis zum Abflug noch eine Stadiontour an der White Hart Lane in Tottenham gebucht. Mit dem Doppeldecker geht es gefühlte drei Stunden und „This bus goes to Tottenham Townhall“ in Dauerschleife Richtung Stadion. Tottenham liegt im Nordosten Londons. Der große Rivale ist Arsenal, die Stadien liegen ca. 6 km auseinander. Da es ein Montagmorgen im Januar ist, haben wir Glück, denn außer uns verirren sich nur noch zwei Tottenham-Fans (Mann und Frau oder Mann und Tochter, auf jeden Fall war er auch ein großer Freund der kalten Erfrischungsgetränke – und auf einer Fotowand im Spielertunnel mit seinem Hund im Spurs-Trikot verewigt…) aus den Midlands zur Tour.

Die White Hart Lane liegt ebenfalls mitten in einem Wohn- und Geschäftsviertel und wurde über die Jahre sukzessive erweitert. Die Kapazität beträgt jetzt ca. 45.000, die Grenze ist erreicht. Man wird in Kürze quasi an gleicher Stelle neu bauen. Geplant ist ein Stadion mit einer Kapazität von 60.000 Zuschauern, aber weil das Emirates Stadium des großen Rivalen Arsenal ebenfalls 60.000 Zuschauer fasst, hat man den Bauplan noch einmal geändert und wird nun eine Kapazität von 61.000 Zuschauern bauen. Der Neubau soll in 1-2 Jahren beginnen, man wird mindestens eine Saison in einem anderen Stadion spielen müssen, weiß aber noch nicht, wo das sein wird. Definitiv nicht im Emirates, wie man uns versicherte…

Die Tour wird, wie üblich, von einem älteren Herrn durchgeführt, der gleich leuchtende Augen bekommt, als wir unseren Verein outen und von unserer Wochenend-Tour erzählen. Die Tour selbst ist wie viele andere auch. Immerhin kommen wir sehr oft mit dem Herrn ins Gespräch, über (Fußball-)Gott und die (Fußball-)Welt. Als er uns u.a. von den früheren Stehplätzen im Stadion erzählt und wie eng es war, erzählen wir von unseren Dauerkarten auf Süd, der „Yellow Wall“, der Enge und den Bierduschen beim Tor. „Fantastic Crowd in Dortmund. Every time I see them on TV it´s amazing.” Auch weitere Gespräche insbesondere über Steffen Freund, der eine wahnsinnige Wertschätzung im Verein und bei den Fans erfährt und sogar in der Hall of Fame des Clubs ist, sind sehr angenehm. Von 2013 und den schwarzgelben Massen in London war er schwer beeindruckt und gesteht, selbstverständlich uns die Daumen gedrückt zu haben. Wir erklären ihm noch, wie scheiße langweilig Bayern ist und dass unser eigentlicher Feind blaue Trikots trägt. Nach 90 Minuten ist die interessante und kurzweilige Tour vorbei. Mit einem „Good luck for Dortmund“ werden wir Richtung Heathrow entlassen.  

Zwei London Pride am Flughafen noch und dann ab nach Hause. Müde, erschöpft aber glücklich und im sicheren Gefühl, dass das bestimmt nicht unser letzter England-Exkurs war.

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Schwarzgelbe Grüße von
: Holger & Marcel

Dienstag, 25. Februar 2014

Ein Tag im Fuchsbau - Leicester City vs. Ipswich Town (3:0)

Da das Fußballleben nicht immer nur aus Borussia Dortmund bestehen muss, empfiehlt es sich von Zeit zu Zeit, mal das ein oder andere Spiel im Ausland zu besuchen. Da trifft es sich natürlich ganz gut, wenn man einen englischen Arbeitskollegen hat, der sich zu einem sehr guten Freund entwickelt hat. Nachdem Daniel schon zwei Mal beim Schützenfest im heimatlichen Sauerland aufgewartet ist, stand nun endlich mal der Gegenbesuch bei seinen Eltern im mittelenglischen Hinckley bei Leicester an. Alles andere wäre auch irgendwann unhöflich gewesen, so oft wie ich von Gail und Rob bei ihren Besuchen in Köln schon eingeladen wurde. Los ging es Freitagabend von Köln aus nach Stanstead. Rob erwartete uns bereits am Flughafen und chauffierte Daniel, Manuel (ein weiterer Arbeitskollege) und mich in die Midlands. Früh zeigte sich, wie abgebrüht der gemeine Engländer ist. Eine Raucherpause wurde in einer Nothaltebucht verbracht. Damit die Polizei uns nicht auf die Schliche kam, schaltete Rob kurzerhand den Warnblinker an und öffnete zur Zierde noch den Kofferraum. Um kurz vor elf Ortszeit empfing uns Gail schon mit frisch zubereitetem Spanish Chicken aus dem Ofen. Dazu gab es leckeren Cider aus allem, was nicht niet- und nagelfest war - Dosen, Flaschen, Gläsern; erhitzt, gekühlt - die ganze Bandbreite. Um 02:00 Uhr war der Akku dann aber leer (und die Birne voll) und es ging in die Falle. Der Samstag sollte der Höhepunkt der Tour werden, stand doch der Besuch im Fuchsbau an. Rob hatte Karten für das Spiel Leicester City (The Foxes) gegen Ipswich Town organisiert. Und wir sollten nicht allein sein, aber dazu später mehr. Zunächst zeigte sich Gail einmal mehr von ihrer Schokoladenseite und kredenzte den Herren (und natürlich sich) zur Stärkung ein Full English Breakfast wie aus dem Lehrbuch. Baked Beans, Pilze, Würstchen, gebackene Tomaten, Spiegelei, normaler Toast und sogar frittierter Toast grüßten vom Teller und als guter Gast isst man natürlich artig alles auf.
Full English Breakfast
Kein Wunder, dass danach auch die Sonne schien. Derart gestärkt fühlte man sich bereit für die Dinge, die bereits am Horizont ihre Schatten voraus warfen. Trikots wurden über geworfen (aufgrund der indiskutablen Vereinsfarben war ich nur mit Mühe dazu zu bewegen, mich in einen solchen Stoff zu hüllen) und man wartete auf das Taxi, dass uns zum Bahnhof bringen sollte. Wie das so ist, kam und kam es nicht. Kurz vor Ultimo und nach mehreren nervösen Telefonaten bog der Bulli doch noch um die Ecke und der Fahrer fuhr einen scharfen Zahn, damit wir den Zug nach Leicester noch bekommen. Aber es passte und die übrige Reisegruppe erwartete uns fünf schon am Bahnhof. Nicht weniger als 30 Herren in Robs Alter stand für uns Spalier. Dazu noch über ein Dutzend ihrer Frauen, die den Tag neben Shopping vor allem auch in der wohl recht berüchtigten „Champagne Bar" verbringen wollten. In fröhlicher Runde ging es also auf die 20minütige Zugfahrt nach Leicester. Kaum im Zug, wurden, wie es sich für den Briten gehört, die ersten Wetten platziert. Für einen Pfund konnte man aus einem tiefen Umschlag ein Zettelchen ziehen, auf dem eine Spielminute stand. Gewinner war derjenige, der die Minute zog, in der das erste Tor fallen würde. The winner takes it all. Ich hatte die 88. In Leicester angekommen, startete umgehend das Vorprogramm: Pub-Hopping - und zwar in einer
Stiernacken im Pub
ansprechend zünftigen Form. Im Viertelstunden-Takt wurde der Pub gewechselt und ein neuer Pint im einarmigen Reißen gestemmt. Dabei zeigte sich, dass Robs Freundeskreis nicht nur ausgesprochen humorvoll und nett, sondern auch entsprechend trinkfest war. Alles andere wäre aber auch überraschend gewesen, konnten doch 50% der Herren einen ausgewiesenen Stiernacken präsentieren. Würde mich nicht wundern, wenn die in Pamplona schon mal Touristen durch die Gassen gejagt haben. Mit jeden Pub kam das Stadion näher und trotzdem schafften wir es nicht pünktlich zum Anstoß. Das King Power Stadium ist vor nicht allzu langer Zeit gebaut worden. Leider konnte ich deswegen nicht einen von den atmosphärischen alten englischen Grounds machen.
Außen Gladbach
Von außen gleicht das Stadion frappierend dem Gladbacher Nordpark. Innen scheint man sich ein Beispiel an der Castroper genommen zu haben, was von mir wohlwollend zur Kenntnis genommen wurde. Dass ich mit meiner 88. Minute keinen Blumentopf gewinnen würde, war mir vorher schon klar. Die Foxes aus Leicester führen die Tabelle der Championship ungefährdet mit einem Vorsprung von acht Punkten an. Ipswich krebst im oberen Mittelfeld rum, mit Kontakt zu den Relegationsplätzen. Für Unwissende muss man vielleicht erklären, dass die zweite englische Liga nichts für Warmduscher ist. Satte 46 Saisonspiele sind zu absolvieren. Die ersten beiden steigen direkt auf; Platz drei bis sechs spielen in einer Aufstiegsrunde den dritten Aufsteiger aus. Das sind dann allein 51 Ligaspiele, Pokalspiele kommen freilich on top. Dem Zuschauer bot sich ein recht niveauarmer Kick, Leicester leicht überlegen, ohne aber zwingend vor das Tor zu kommen.
Innen Bochum
Nach rund 25min wurde es einem Ipswich-Verteidiger zu bunt und er spielte einen Rückpass schön in den Lauf eines Leicester-Stürmers, der locker den Keeper umkurvte und vollstreckte. Noch vor der Pause bat der nächste Verteidiger zum Dilettanten-Balett und Foxes-Stürmer David Nugent netzte unbedrängt zum 2:0 ein. Kurz vor der Pause hetzte ich dann die Tribüne herab, um stilecht den güldenen Halbzeit-Tee zu ordern, allerdings waren nicht wenige ebenso schlau wie ich. Auch in der Championship herrscht die Unsitte, dass man auf der Tribüne kein Bier trinken darf. Und so verpassten wir auch den Anstoß zur zweien Halbzeit, weil wir mit Bier unter der Tribüne standen. Der zweite Durchgang ist schnell erzählt. Bis kurz vor Toreschluss passierte wenig, ehe der eingewechselte Woods den 3:0-Endstand besorgte. Nach Abpfiff ging es in den Fanshop. Für mich stand das weiße 3rd Kit auf der Liste. Manuel machte aber den Schuss des Tages und kaufte sich für 35 Pfund einen herrlichen Onesuit. Ein Hammer-Outfit! Nun ging es in die dritte
Wirklich Bochum
Halbzeit und die feinen britischen Herren legten ein gewaltiges Tempo vor. Manuel wurde überzeugt, dass er doch bitte den Rest des Abends sein neues Outfit tragen möge. Fast in umgekehrter Reihenfolge ging das Pub-Hopping retour. Die Engländer waren sehr an den Gegebenheiten im deutschen Fußball interessiert und so erzählte ich mehrfach, wie teuer meine DK ist, dass wir auf der Tribüne rauchen und saufen dürfen, dass die Anreise zum Spiel inklu ist usw. Für Engländer eine Garten Eden. Irgendwann, die Frauen waren inzwischen „gut gelaunt" zu uns gestoßen, ging es sangeslustig im Zug zurück nach Hinckley, wo als nächster Programmpunkt doch tatsächlich ein Besuch im indischen Restaurant auf dem Plan stand! Wohl gemerkt: ALLE hatten ordentlich die Lampen an. Der Autor zog es dann auch vor, nach der Vorspeise ein kleines Powernapping auf dem Tisch zu machen. Ausgeruht ging es dann zum letzten Pub des Abends und im Anschluss nach Hause in die Casa de Toone. 
Mit Manuel und Daniel
Morgens viel mir dann als erstes auf, dass mich mein Handy mit der Aufforderung zur PUK-Eingabe begrüßte…Huiuiui, ich hatte den Battle of Britain wohl mit einigen Verlusten verloren. Bis zum Frühstück, dank Gail erneut Full English, ging es mir auch nicht gut und mein Kreislauf tanzte den Fox-Trott mit mir. Mittags chauffierten uns dann Daniels Eltern zum Airport Manchester und pünktlich zum Tatort war ich wieder zurück auf der Couch.

Das obligatorische Fazit: Eine klasse Tour, von A bis Z! Daniels Eltern und ihr Freundeskreis sorgten mit ihrer überragenden Gastfreundschaft für ein überaus kurzweiliges Wochenende. Eine Einladung für einen Gegenbesuch in der kommenden Saison im Westfalenstadion wurde dankend angenommen. Und im Gegensatz zu den Burschen aus dem Millers werden da einige auch sicherlich kommen. Schilling und Barrock dürfen schon mal die Lager auffülen. Ebenso werden mich die Foxes auch nicht das letzte Mal gesehen haben: kommende Saison wartet die Premiere League!


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Schwarzgelbe Grüße von
: Basse