Dienstag, 13. November 2012

"This is a serious situation...!"

Aus der Hausbrauerei der Metzelders.
Montag, 05.11.
14:00 Uhr: Feierabend! Ein erhebendes Gefühl brach sich nun endgültig Bahn, war man doch im Büro ob des Kribbelns im Bauch ohnehin nur bedingt anwesend. Um kurz nach vier in die Bahn gehüpft und ab zum Düsseldorfer Flughafen. Dort haben wir uns dann im mondänen Café Ritazza auf die ersten ein-zwei Bembel getroffen. Pünktlich ging es dann durch die Sicherheitskontrolle, um direkt die nächste Gastronomie anzusteuern. Vor uns standen schon die ersten Verwirrten und bestellten sich drei große Radler - "aber bitte ohne Schaum!" Als durchaus günstig erwies es sich, dass wir von unserem Tisch das Gate im Blick hatten. Während die Anzugträger schon hektisch in den Flieger drängten, schauten wir noch mal ganz tief in die Tulpe um zu sehen, wie spät es wirklich ist... Kurz vor Ultimo zog es uns dann auch zum Boarding. Rechtzeitig waren alle Mann Board, leider waren die Gepäckfächer schon alle voll, so dass die gestresste Crew nach langem Suchen unsere Köfferchen in einem Fach für die Essenscontainer verfrachtete. Und zwar schnieke direkt vorne an der Tür. Mit einer Viertel Stunde Verspätung starteten wir dann gegen halb acht gen Madrid. Nach kurzem Steigflug begann auch endlich das Catering. Wir hatten uns beim Vorabend-Check-in die gemütlichen Plätze am Notausgang reserviert und so waren wir guten Mutes, bei ein paar leckeren Bernstein einen kurzweiligen Flug zu verleben. Da konnte noch niemand ahnen, dass es doch etwas anders kam, als geplant. Zunächst kamen aber Ximena und ihre Kolleginnen zielstrebig auf uns zugesteuert. Offensichtlich hatte man uns unseren dehydrierten Zustand schon aus der Ferne angesehen! Marcel bestellte für uns beide lässig sechs Büchsen feinstes Mahou, das sollte für die restlichen zwei Stunden bis Madrid reichen. Da man uns als Fluglinie nicht wie gedacht Iberia, sondern Iberia Express untergejubelt hatte (soviel zum erhofften Freibier), waren auch schnell die Scheinchen zur Hand. Allerdings wurde die Order umgehend abgewiesen, da man nur ein Bier pro Nase haben dürfe. Basse's Wunsch, dass man dann doch bitte zum Bier zwei Fläschchen Rioja gesellen möge, wurde ebenfalls nicht entsprochen. Diesmal wurde gaaaanz tief in die Ausreden-Schublade gegriffen und man sagte, dass man am Notausgang nicht mehr bekommen würde. Na denn, es half ja nichts! Die Damen zogen im Schneckentempo weiter nach hinten. Das Flugzeug entpuppte sich dabei als ein reines Sicherheitsparadies, denn plötzlich schienen alle Reihen an Notausgängen zu sitzen...Schneller wurde der Service trotzdem nicht und das war auch der Grund, warum das Chaos nun anfing zu regieren. Der kleine Flieger hatte nur einen Mittelgang, der durch die lahmen Saftschubsen blockiert war. Wohin also mit der Notdurft? Einige bekamen zusehends Probleme im Blasenbereich, die Köpfe wurden immer roter. Panisch liefen einige also nach vorne zum Lokus. Problem: Dazu musste man durch die Business-Class, was der Crew so gar nicht gefiel. Schließlich gab wohl ein Wort das andere und einige drifteten gegenüber den Damen leider in die Fäkalsprache ab. Dies rief dann den Steuermann auf den Plan. Der Pilot machte ne ordentlich Ansage an alle, dass man sich doch bitte benehmen möge. Andernfalls würde man in Paris zwischenlanden und die Übeltäter von der Polizei abführen lassen - "This is a serious situation!" Ahhhh-ja! Da aber die meisten den Prinzenpark schon kannten, besann man sich der guten Kinderstube und es ging problemlos nach Madrid. Dort steuerten wir zügig, mit kleinem Umweg über den nächsten Kiosk, den Taxistand an und fuhren in die Innenstadt zu unserem Hostal Gala. Dieses machte seinem Namen alle Ehre! Ein wirklich durch und durch komfortables Hostel, sogar an den Balkon zum Fahnehissen wurde gedacht! Flugs die Klamotten abgeliefert, eilten wir um die Ecke zur "Beer-Station", wo dann die erste Party eingeläutet wurde. Basse labte sich am köstlichen Boulmers, Marcel schwenkte irgendwann zur Hausbrauerei der Metzelders um. Gegen drei sollte es noch ein Häuschen weiter ins mondäne "Chelsea" gehen, allerdings hatten wir irgendwie doch etwas Schlagseite bekommen und so fuhren wir die 50m zum Hostel doch lieber bequem in der Taxe zurück.

Anpfiff: Der BVB bittet das weiße Ballett zum Tanz.
Dienstag, 06.11.
Spieltag! Endlich! Der Tag fing mit einer erquickenden Dusche an. Nicht irgendeine, neeeein! Das Gala hielt eine Massagedusche für uns bereit! Von allen Seiten prasselte das Wasser auf uns ein. Frühstück gab es dann gegenüber bei "Oskar". Der hatte so richtig schön gesunde Sachen im Angebot - es gab also Fleisch mit Pommes und Spiegelei. Dazu nen güldenen Kaffee aus dem Halbliter-Humpen. Dort gesellte sich auch Mo zu uns, der früh am Morgen in Dortmund aufgebrochen war und so um halb elf kerzengerade an der Plaza Placido Domingo aufkreuzte. Nach der Stärkung ging es kurz zu Mo´s Hostel zum Einchecken. Und dann auf zur Stadtrundfahrt. Wir entschieden uns für Linie zwei, die uns auch zum Bernabeu führen sollte, da Basse dort noch Karten abholen musste. Oben im Bus hinter uns saß dann die Abteilung "Füße hoch, Niveau kommt" aus Ost-Sachsen. Deren Wortschatz bestand aus unschlagbaren drei Wörtern: "Hola Chica" und "Borrrrussiiiia". Es war an Peinlichkeit wirklich nicht zu überbieten. Nach etwas mehr als einer halben Stunde erhob sich zur Linken beeindruckend das Bernabeu. Von außen wirklich eine seelenlose Betonschüssel, mitten in der Stadt. Der Store im Stadion war ganz interessant, es war mehr ein Adidas-Laden, als ein Fanshop. Davor befanden sich die Ticketautomaten. Bei Real muss man nicht an den Schalter, sondern schiebt die Kreditkarte, mit der man die Tickets gekauft hat, in einem Automaten und fünf Sekunden später hat man die Karten in der Hand. Anschließend suchten wir eine etwas lieblose Cervezeria neben dem Stadion auf, aber in der Not frisst der Teufel ja bekanntlich Fliegen. Darin wurden wir Zeuge, dass offensichtlich nicht nur im Ostblock gerne Vogelfutter verdrückt wird. Man sperrte eine komplette Farbahn ab und baute Buden auf. Wirklich übel wurde es, als ein nicht ganz so helles Licht an seinem Stand einen blau-weißen Schal von Raul drapierte - inklusive des Namens der Namenlosen in großen Lettern. Dies rief uns auf den Plan und wir machten dem Cletus deutlich, dass er an dem Abend wenig Spaß haben wird, wenn er den Lappen nicht entfernt. Er hatte dann ein Einsehen. Danach fuhren wir noch die Stadtrundfahrt zu Ende, holten uns im Hostal ein paar warme Klamotten ab und auf ging es mit der Bahn zurück zum Stadion. Die Cervezeria platzte nun aus allen Nähten. Hunderte durstige Kehlen belagerten das Wirtshaus, die Polizei hatte es schon abgeriegelt. Irgendwie schafften wir es dann aber doch noch uns in die Menge zu schmuggeln und wir brachten uns so richtig auf Betriebstemperatur. Der Wirt macht glaube ich jetzt erstmal ein Jährchen Urlaub! Der Einlass zum Stadion gestaltete sich sehr zäh, weil die Ordnungsmacht vor dem Gästeblock penibel kontrollierte. Es blieb aber alles in allem sehr entspannt und man vertrieb sich die Zeit mit den ersten zünftigen Schlachtgesängen. Der Gästeblock ist im Stadion wie in Spanien üblich ganz oben unterm Dach. Und das hat es im Bernabeu wirklich in sich! Lob preiset dem Herrn, der die Rolltreppen erfunden hat! Sonst wären unsere Waden jetzt noch hart wie Beton. Unsere Reihe war die Drittletzte. Wer Höhenangst hat, bekommt da Probleme. Die Tribünen sind so steil, das man mit Müh und Not die Grundlinie unter sich erkennen kann. Zum Spiel muss man glaube ich nicht mehr viel schreiben, unsere Jungs haben eine astreine Partie abgeliefert. Auf den Rängen gab der Mob ebenfalls mächtig Gas und die Stimmungshoheit lag ganz klar in der Hand der rund 8.000 Borussen. Nach Spielschluss musste man noch die obligatorische Blocksperre über sich ergehen lassen, bevor es dann wieder tief nach unten durchs Rolltreppenhaus ging. Vor dem Stadion bot sich dann an einer Kreuzung ein, ich drücke es mal friedlich aus, bizarres Bild. An einer Ampel stand ein weißer Q7, um den sich eine - schwatzgelbe - Menschentraube gebildet hatte. Darin aber nicht etwa der Aki oder ein anderer unserer Helden, sondern die kleine glubschäugige Küchenschabe aus der Stadt der Liebe, die uns doch kurz zuvor noch den Sieg geklaut hatte! Und zahlreiche, ich verwende jetzt den geächteten Ausdruck ganz bewusst, "sogenannte Fans" ließen sich mit dem *setze hier einen Kraftausdruck Deiner Wahl ein* fotografieren. Da platzte uns echt der Kragen und wir schickten "ihm" ein paar sehr freundliche Worte mit auf den Heimweg... Einige sind sich echt für NICHTS zu schade! Mit der Metro ging es dann zurück zur Plaza Placido Domingo, wo wir den Abend mit ein paar schönen Bernstein und neckischen Elektronikartikeln vom fliegenden Tamilen ausklingen ließen. Mo machte verdientermaßen zügig die Grätsche, ging doch sein Rückflug früh am Morgen via Lissabon.

Wer kennt es nicht?! Das legendäre Schinkenmuseum von Madrid.
Mittwoch, 07.11.
So richtig frisch war besonders Marcel nicht. Von einer Gesangeseinlage von Basse unter der Tropenbrause bemerkte er konsequent nichts. Ein erneut äußerst ausgewogenes Frühstück samt Amstel bei "Uns-Oskar" brachte uns aber wieder auf den Damm. Wir erkundeten nun im Verlaufe des Vormittags Madrid per pedes. Imposant der Königspalast inklusive des Huren-Flügels von Juan Carlos. Durch die Wirtschaftskrise trifft man in Madrid auf sehr viele Obdachlose. Verblüfft zeigte sich Marcel, als sich eine der Gestalten - stilecht mit nem Tetrapack Vino in der Pranke - ihm näherte und ein "Ey Digga, haste mal 20ct?!" entgegen schallte. Sagenhaft, ein deutscher Penner in Madrid! Lang lebe Europa. Kopfschüttelnd zogen wir von dannen, ergötzten uns am Schinkenmuseum und fuhren gegen Mittag dann zum Flughafen. Magisch zog uns die Flughafenbar an, unmittelbar davor kreuzte von rechts ein langhaariger durchtrainierter Südländer unseren Weg. Basse stieß Marcel an, da wir gerade fast von Khedira umgerannt worden sind. Sami ging also in die Bar, wir auch. Marcel folgte unserem Nationalspieler und setzte sich unmittelbar an den Nebentisch, ohne dem Galaktischen aber eines Blickes zu würdigen. Das nennt man wohl echte Größe! Andere Borussen in der Bar waren aber nicht so eiseskalt und nervten Khedira mit Fotos, sodass er zügig sein Renserwaasser leerte und Richtung VIP-Check-in flüchtete. Plötzlich sagte Marcel: "Den Khedira habe ich ja erst jetzt gesehen!" Basse entgegegnete, dass er doch vor der Bar gesagt habe "Da Khedira!" Es stellte sich heraus, dass Marcel wohl unter der Dusche das Kunststück vollbracht hatte, die Ohren auszusparen. Er hatte verstanden: "Da der Vierer!" Und steuerte deshalb an den Vierertisch neben Khedira...
Nun ja, das Mahou war trotzdem lecker und wir mussten uns in den Allerwertesten treten, um nicht zu versacken. Just-in time erreichten wir das Boarding. Basse bestellte bei Bernadetta zwei Blonde, die sie ohne mit der Wimper zu zucken bei ihm und Marcel auf den Tisch stellte. Dies rief Marcels Neugier auf den Plan und er versuchte es umgehend und sehr höflich mit der gleichen Bestellung. Bernadetta entzückte uns mit einem phonetisch einwandfreien langgezogenen "Siiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii!". Diesmal war die Crew also entspannt, man konnte durch die Business-Class aufs stille Örtchen und Paris war einfach nur Paris. Überpünktlich kamen wir in Düsseldorf an und mit der letzten Etappe im ICE-Board-Bistro ging eine wirklich großartige Auswärtstour zu Ende.

Danke Borussia!

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Schwarzgelbe Grüße von:
Basse & Marcel

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Groundhopping Slowakei, Vol. 2

Die zweite und dritte Woche stehen an. Gestartet wird diese Woche mit einem Hockey-Match in der Steel Arena in Kosice. Eishockey ist in der Slowakei Nationalsport Nr. 1. Die Extraliga besteht aus 11 Teams, wobei ein Team dabei eine Nachwuchsmannschaft des Verbandes ist. Der amtierende Meister, HC Slovan Bratislava, und große Rivale vom HC Kosice, ist vor der Saison in die russische Profiliga gewechselt. Eine Liga in der neben Slovan auch Teams aus der Ukraine, Tschechien, Lettland, Kasachstan, Russland und Weißrussland spielen. Um sich dort für einen Startplatz zu bewerben, muss man mindestens 10 Mio € hinterlegen können. Auch in dieser Liga geht es in erster Linie um finanzielle Aspekte. Einen sportlichen Auf- und Abstieg gibt es nicht. Startlizenzen können beliebig verkauft werden, so dass Teams mal eben von einem Land in ein anderes verschoben werden können. Wie mir ein Kollege hier berichtet, leidet durch diesen Abgang von Slovan die Liga enorm. Der Zuschauerschnitt ist rapide gesunken und das sportliche Niveau ebenfalls. 

Dienstag, 09.10.12: HC Kosice – Zilina 5:0
Steelarena in Kosice, Bully 18.00 Uhr, Zuschauer ca. 3.500
Die Steelarena wurde 2006 gebaut, war Schauplatz der letzten Eishockey-WM 2011 und ist eine dieser lieblosen, hässlichen Multifunktionsarenen, wie man sie auch von daheim kennt. Die Preise liegen auch hier im sehr moderaten Bereich zwischen 3,00 € und 6,00 €. Ich wähle den Bereich für 5,00 €. Zu meinem Erstaunen muss ich feststellen, dass in der Halle nichts erlaubt ist. Keine Kamera, keine Tasche, keine Getränke. Zum Rauchen strömen die Massen in den Drittelpausen vor die Halle. Während man in hiesige Stadien alles ohne weiteres reinbekommt, wird diese Arena durch schwer durchtrainierte, finster drein schauende Sicherheitskräfte gesichert. Also bin ich gezwungen, mein gesamtes Hab und Gut an dem Tag für 50 ct in einem Container vor der Halle zu deponieren. Im Gegensatz zum Fußball ist man beim Hockey schon auf den Merchandising-Zug aufgesprungen und so existiert immerhin ein kleiner Shop in der Halle. Essen und Trinken sind zu ähnlichen Preisen wie beim Fußball zu bekommen, etwas teurer, weil vermutlich das Umfeld etwas moderner daher kommt…
Mein letztes Eishockeyspiel liegt 18 oder 19 Jahre zurück. Ein Freitagabend, 2. Bundesliga Nord, ECD Sauerland – Essen-West. Stehplatz, verrauchte Halle, absoluter Kult damals, noch ein ehrlicher Wettkampf ohne amerikanisierter Show, mit traditionellen deutschen Eishockeyvereinen Vereinen, um Auf- und Abstieg auf sportlichem Weg.
Na immerhin, zum Einlaufen der Mannschaften wird hier Master of Puppets gespielt, danach leider das übliche Chartprogramm rauf und runter, bei jeder Unterbrechung. Dazu hüpfen leicht bekleidete, gerade der Pubertät entsprungene Mädel an jedem Treppenaufgang wedelnd mit irgendwelchen Puscheln rum. Ich kann diesem amerikanisierten Sport einfach nix abgewinnen. Eine Gruppe Fans – ca- 20-30 Leute – machen hinterm Tor Alarm. Das klappt auch ganz gut. Fans des Gegners sucht man vergebens. Keine da. Das Spiel ist ganz ok, unterhaltsam. Kosice haushoch überlegen, Zilina zu schwach. 2 Zeitstrafen für Zilina wegen Wechselfehler erinnern mich stark an den dreifachen falschen Einwurf von P. Degen einst auf der Alm. Nach zwei Stunden ist die Messe gelesen, 5-0 für Kosice. Ich bin der einzige in der Halle der, wie vom Fußball gewohnt, aufspringt, wenn das Spielgeschehen in einem für mich nicht einsehbaren Winkel auf dem Eis stattfindet. Irgendwann frage ich mich, wieso das kein anderer um mich herum tut – bis ich den großen Videowürfel unter der Decke wahrnehme, auf dem das Spiel übertragen wird…
Ok, nett mal gesehen zu haben.  

Mittwoch, 10.10.12: Ligapokal in Ungarn, Diosgyör – Egeri 3:0
DVTK-Stadion in Miskloc, Ungarn, Kick-Off 17.00 Uhr, Zuschauer ca. 1.600
Ligapokal in Ungarn sollte es also sein. Ligapokal braucht auch dort kein Mensch, was an den Zuschauerzahlen ersichtlich ist, denn die Liga-Heimspiel vom DTKV besuchen doch schon mal 8.000 Zuschauer. Mit Egeri kommt immerhin ein Nachbar, wo man ein Derby interpretieren könnte.
Miskloc liegt ca. 90 Überland-Kilometer von Kosice entfernt. Mangels Alternative miete ich mir ein Auto und fahre dorthin. Skoda Fabia, bei dem nach wenigen Meter bereits de Motorwarnleuchte aufleuchtet. Egal, kenne ich von daheim.
Infos zum Spiel und insbesondere zum Ticketing zu bekommen war nicht möglich. Mehrer Anfragen meinerseits, wurden nicht beantwortet. Im Netz kursierte die Aussage, man müsse sich mittlerweile in Ungarn wegen einem Anti-Hooligan-Gesetz beim Kartenkauf registrieren lassen und müsse entsprechend Zeit mitbringen. Pusteblume. Hinfahren, Parken vorm Stadion, Ticket kaufen, freie Platzwahl, fertig. Der Reihe nach: das Stadion ist ein Multifunktionssportplatz vom allerfeinsten. Zwei relativ neu wirkende Tribünen an den Geraden, alte, verrostete und unüberdachte Tribünen in den Kurven. Das Stadion hat eine Laufbahn und eine Weitsprunggrube, die aufgrund ihrer Tiefe den Namen Grube noch zurecht im Namen trägt. Die Stadionkneipe ist ein Bierzelt und das Stadion wird von schwer aufgepumpten Ordnern gesichert. Die Einlasskontrolle läuft ohne Probleme. Aber, man will doch einen Blick in meinen Rucksack werfen und bedankt sich gar dafür, dass ich das relativ kooperativ über mich ergehen lasse. Einen Fanshop gibt es auch. Der Eintritt ins Stadion kostet 500 HUF, was ca. 1,80 €. Der Schal kommt mit 2.500 HUF auch relativ günstig.
Der Ligapokal wird in Gruppen ausgespielt, wobei die Mannschaften nach regionalen Gesichtspunkten eingeteilt werden. Es wird eine Runde im Herbst und eine Frühjahr gespielt . Die Sieger beide Runden spielen dann den Ligapokal aus. Ob es dafür dann einen EL-Platz gibt? Keine Ahnung.
Diosgyöri VTK wurde 1910 gegründet. Seinen Platz in der ersten ungarischen Liga hat der Verein jedoch über eine Lizenz eines anderen Vereins 2004 erkauft. Egeri FC ist auch ein Erstligaverein, ein paar Kilometer von Miskolc entfernt, über den es aber leider kaum Infos gibt. Der Verein ist zu dieser Saison aufgestiegen und verfügt über ein Stadion, was teilweise nicht zu den Erstligaspielen zugelassen ist. Viel mehr geben meine Ungarischkenntnisse leider nicht her…
Im Stadion knistert es – aber nicht weil das Spiel alle vor Spannung von den Stühlen reißt, sondern weil der ungarische Fußballfan zum Spiel ein gefühltes Kilo Pistazien puhlt. Jeder. Aus dem Grund wird das Zeug vor dem Stadion und auf den Zuwegen auch Säckeweise verkauft.
Zum Spiel: das Spiel ist naja. Das Niveau etwas besser als die letzten Spiele in der Slowakei. Etwas mehr Körpereinsatz, etwas mehr Technik, ähnlich wenig Tempo, dafür aber eine ziemliche Theatralik. Support ist etwas da, wenn sich der auch durch vereinzelte Gesänge und Zwischenrufe auszeichnet. Bis zur Halbzeit passiert nix. Danach dann ein Freistoßtor, ein Elfer und ein tor aus dem Spiel. Das wars. Die Tore wurden kaum bejubelt, der Gegner hat sich nach dem 0-1 nicht mehr gewehrt. Ligapokal halt. 

Freitag, 12.10.12: WM-Qualifikation 2014, Slowakei – Lettland
Pasiensky Stadion in Bratislava, Kick-Off 20.15 Uhr, Zuschauer ca. 4012
Ja! Internationaler Fußball. Das Nationalstadion der Slowaken wurde vor ein paar Jahren mangels Sicherheit gesperrt. Seit dem tingelt man zwischen Bratislava (Hauptstadt) und Tranava (größtest aktuelles Stadion) hin und her. Heute wird im Stadion von Slovan Bratislava gespielt. Die Karte organisiere ich mir bereits vor einigen Wochen in Deutschland. Platz in der Kurve, 17 €. Das Stadion ist schwach besetzt, der Gegner nun auch nicht einer, der Massen mobilisieren kann. Ein paar Schotten haben sich als Letten verkleidet und entern den Bierstand. Zu meiner Verwunderung gibt es Alkohol, trotz UEFA/FIFA. Schnell noch einen Schal geholt (15 €) und ein Pils (variiert heute zwischen 1,20 € und 1,50 € der halbe Liter), dann ab in den Block. Das Spiel startet gleich richtig durch. Nach 8 Minuten steht es bereits 2-0 für die Slowaken. Die Letten sind irgendwie nicht auf dem Platz. Die Slowaken spielen ordentlich. Man merkt, dass alle ihr in eher stärkeren Ligen im Ausland spielen. Der Support ist ok, trotz der relativ schmalen Besetzung. Auch ein kleiner lettischer Block ist vorhanden, der aber relativ schnell den Support einstellt. In der Halbzeit treffe ich auf ein paar gut betankte slowakische Kinder. Where are you from? England? USA? Nö, Germany. „Hitler“. Na endlich, hab ja lange auf diesen Scheiß warten müssen hier. Ich bin genervt und wende mich ab, trotzdem will man noch wissen, von welchem Team ich Fan sei. Für Borussia geht der Daumen hoch und Anerkennung für Marco Reus usw. Trotzdem, die Hitler-Scheiße nervt. Zweite Halbzeit. Wie in der vergangen Tagen, ziehen die Temperaturen ordentlich an. Es wird langsam echt scheiße kalt und das Spiel plätschert dahin. Die Slowaken tun nur das Nötigste, für die Letten reicht es. Trotzdem langt es kurz vor Schluss zum Elfer und zum Anschlusstreffer. Mehr geht dann aber beim besten Willen nicht mehr, trotz 5 Minuten Nachspielzeit. Taxi, Hotel, Ende. Bin gespannt, ob die Slowaken es wieder schaffen, sich für 2014 zu qualifizieren. 

Sonntag, 14.10.12: 3. Slowakische Liga, Gruppe West, Slovan Bratislava B – MFK Vrbové 5:0
Stadion Rápid in Bratislava, Kick-Off 10.30 Uhr, Zuschauer ca. 70
Die Internetseite des ÖPNV in Bratislava ist zum Glück sehr gut – auf Englisch. So finde ich ziemlich schnell heraus, wie ich zum Stadion komme. Das Stadion liegt im selbigen Stadtteil Ruszinov und hat scheinbar schon mal einen Erstligisten aus Bratislava beheimatet. Zumindest finde ich veraltete Hinweistafeln auf den FC Petrzalka, immerhin vor x Jahren mal slowakischer Meister als Artmedia Bratislava und CL-Quali-Gegner von Celtic Glasgow. Erstliga Fußball dürfte aber selbst für slowakische Verhältnisse hier vorerst nicht gespielt werden. Das Stadion besteht aus einer überdachten Stahlrohrtribüne, die ihre beste Zeit ebenfalls kurz nach dem zweiten Weltkrieg gehabt haben dürfte. Die Gegengerade besteht aus klassischen Steinstufen, die Kurven sind ein begrünter Erdwall. Auf diesem Erdwall befindet sich interessanterweise ein kleiner Soccer-Court, wie man ich aus hiesigen Fußball-Hallen kennt. Diese Anlage wurde an diesem Morgen – während des Spiels versteht sich – von 10 Hobbykickern aus der Nachbarschaft zu, sonntäglichen Frühsport genutzt.
Nach dem ich die Haltestelle erreicht habe, stehe ich erst mal wie verloren da. Nichts deutet auf ein Stadion, Sportplatz oder sonstiges. Zum Glück waren 2 Jugendspieler von Slovan im selben Bus, die scheinbar heute Morgen als Balljungen Dienst schieben müsse. Denen folge ich unauffällig. Am Stadion – mit eigenem Hotel – werde ich erst mal gefragt, ob ich ins Hotel will. Das liegt vermutlich daran, dass ich meinen Trolli im Schlepptau habe. Dann werde ich gefragt, ich von der Presse sei. „I just want to see the match.“ Ok, 1 € Eintritt bezahlt und rauf auf die Tribüne. Die Mannschaften machen sich eher alibimäßig warm. Es wird viel gelacht und geflachst, auf beiden Seiten. Slovans B-Truppe ist, wie bereits in der Vorwoche in Presov, die U21 des Clubs. Das Spiel beginnt, Support ist nicht da. Das Spiel ist auch eher langweilig, ohne Torchancen. Das einzig aufregende ist Slovans Keeper, der um die 35. min eine schwerre Arro-Attacke hat, weil ihm ein Balljunge den Ball nicht Millimeter genau in den Fuß spielt. Da hat sich wohl einer am Vorabend im falschen Team auf der Playstation gespielt…Zur Halbzeit ein trostloses 0-0. Einen Versorgungsstand scheint es im Stadion auch zu geben. Ich hab aber keine Lust, mit Sack und Pack aufzubrechen. Daher leider keine Info über Preise hierzu. Die zweit Halbzeit wird dann recht amüsant. Schnell fällt das 1-0 per Elfer und das Schützenfest startet. Vrbove ergibt sich nun ziemlich schnell und der Slovan-Nachwuchs hat leichtes Spiel. Am Ende ein netter Aufgalopp bei sonnigem Wetter in den Sonntag. 

Sonntag 14.10.12: 3. Slowakische Liga, Gruppe West, LP Domino Bratislava - ŠKF Sereď A 2:3
Stadion ohne Namen in Bratislava, Kick-Off 14.30 Uhr, Zuschauer ca. 150
Das Spiel passte wunderbar in meinen Zeitplan. Der Zug zurück nach Kosice ging erst um 17.40 Uhr. Informationen zum Stadion zu bekommen war recht schwierig. Im Internet wurde die Spielstätte als „Stadion LP Domino“ ausgewiesen, sämtlichen Routen- oder Stadtplänen dieser Welt war diese Spielstätte jedoch nicht bekannt. Immerhin war die Anschrift des Vereins bekannt und somit mache ich mich auf den Weg zu dieser. An der Haltestelle ankommen, stehe ich mal wieder wie ein Ahnungsloser in der Gegend herum. Diesmal sind keine Balljungen oder Fans im Bus, denen ich unauffällig folgen kann. Ich stehe in Mitten eine Wohnsiedlung wo absolut nichts auf ein Stadion hindeutet. Dann höre ich aber einen Pfiff aus einer Trillerpfeife und vertraute Geräusche, die zumindest auf ein Fußballspiel in der Gegend hindeuten. Ich folge dem Geräusch, irre aber immer noch ziemlich planlos umher. Dann sehe ich einen Bus, aber auch ein Hotel. Durch den Biergarten des Hotels sehe ich einen Rasenplatz – wohl gemerkt kein Stadion. Hier muss es sein, aber wie kommt man dort rein? Ein paar Meter weiter sehe ich eine offene Tür in einem Zaun. Bingo, hier ist also der Eingang. Ein DIN-A4-Zettel an dem Bretterzaun sagt mir, dass heute um 14.30 Uhr oben genanntes Spiel stattfinden wird. Der Eintritt kommt mit 2 € teurer als bisher in dieser Spielklasse. Hinter dem Bretterzaun befindet sich ein Rasenplatz. Die eine Außenlinie ist ca. 1m von der Außenwand des Hotels entfernt. An der anderen Außenlinie kann man sich ein Plätzchen suchen Um die Mittellinie herum sich ca. 50 Plätze in Stuhlreihen verfügbar. Super, das ist ein Feeling, wie man es von früher, Sonntags in der Kreisklasse kannte… Egal. Pils kostet 1 € und wird mit viel Liebe ca. 7 min gezapft. Dazu gibt es Kurzgebratenes im Brötchen, ebenfalls mit viel Hingabe zubereitet. Als ich um 14.20 Uhr den Sportplatz betrete, wird gerade das Jugendspiel abgepfiffen. So viel dazu, wie professionell diese Liga ist. 14.30 Uhr ist Anstoß. Die Heimfans bestehen vornehmlich aus den Jugendspielern, deren Angehöriger und ein paar Leuten. Der Gegner bringt ein paar Leute in Vereinsfarben mit, mit Trommel, Blockfahne und dem Willen, zu supporten. Das gelingt in den ersten Minuten auch ganz vernünftig. Dann jedoch die Führung für LP und Mitte der Halbzeit das 2:0. Das Spiel scheint gelaufen. Nach der Halbzeit dreht sich das Blatt jedoch Sered drückt. Ein Schuss aus 25m landet direkt uns ansatzlos im Giebel. Da war klar, da geht noch was. Am Ende heißt es verdient 3:2 für Sered, die das Spiel schön gedreht haben.
Ein Erlebnis der anderen Art. Familiär, einfach aber trotzdem 3. Liga. 

Sonntag 16.10.12: WM-Qualifikation 2014, Ungarn – Türkei 3:1
Puskas-Ferenc-Stadion in Budapest, Kick-Off 20.30 Uhr
Die wohl abgefahrenste Aktion habe ich mir für das Ende dieses Abschnitts aufgehoben. Das Spiel habe ich schon länger bei den Planungen auf dem Schirm gehabt. Leider war es äußerst schwierig, Informationen zum Ticketing für das Spiel zu erhalten. Der ungarische Verband hat auf mehrere Anfragen nicht reagiert. Irgendwann habe ich durch Zufall im Netz herausgefunden, dass die Tickets für die Länderspiele über eine Reisebürokette vertreiben werden, die auch online verkaufen. Leider war die Seite eher miserabel und undurchsichtig sowohl ins Deutsche als auch ins Englische übersetzt, so dass ein Ticketkauf hier für mich zu undurchsichtig war. Leider wurden aber auch mehrere Anfragen an diese Reisbürokette einfach ignoriert. Da das Spiel relativ spät abends stattfinden sollte, Budapest zudem 3 Autostunden von Kosice entfernt ist, buche ich mir ein Hotel. Direkt am Stadion, 19 €. Nachdem nun alles Ticketquelle zu versiegen scheinen, frage ich freundlich am Hotel an, ob man mir nicht ein Ticket oder zumindest eine Info geben kann. Das Hotel reißt sich ein Bein aus, kontaktiert den Verband, schickt mir ein paar Links, aber leider alles schon mir bekannte Dinge. Trotzdem, Daumen hoch. In der letzten Verzweiflung jage ich ein paar Seiten durch den Google-Translator und siehe da, Tickets kann man angeblich im ganzen Land in den Büros der o.g. Kette kaufen. Das finde ich am Tag heraus, an dem ich ohnehin nach Miskolc zum Liga-Pokal fahre und siehe da, in der Stadt gibt es ein Büro. Also, Zwischenstopp in der Stadt, Karte kaufen. Natürlich spricht man kein bzw. kaum Englisch. Fußball? Welches Spiel? Egal, es funktioniert Die Karte wird personalisiert und kostet am Ende knapp 17 €. Was ein Akt.
Ich miete mir ein Auto und fahre nach Budapest. Alles super. Hotel ist auch ok und wirklich einen Steinwurf vom Stadion entfernt. Das Stadion – zu Beginn der Fünfziger als modernstes Stadion in Europa gepriesen, ist leider seit Jahrzehnten dem gnadenlosen Verfall ausgesetzt. Auch hier träumt man von etwas Neuem, hat aber nicht mal genug Geld, dass Vorhanden halbwegs in Schuss zu halten. Schade, dieses Stadion hat was. Nur die Vip-Bereiche auf Höhe der Mittellinie sind überdacht, ansonsten ist das Stadion offen. Die Gegengerade hat sogar eine zweite Ebene, die aber leider seit Jahren geschlossen ist, weil das Stadion einfach marode ist. Der Unterrang ist aber fast ganz gefüllt. Der Gästebereich ist ebenfalls ganz ordentlich voll und dort herrscht auch gleich ziemlich guter Support. Der Schal kommt mit 12 € auch preislich einigermaßen gut. Bier bzw. Alkohol gibt es im Stadion nicht. Die Klientel ist leider sehr stark von Leuten unterwandert, die einem gewissen politischen Außenflügel zuzuordnen ist. Leider ein generelles Problem des ungarischen Fußballs seit Jahren. Interessant ist das Spiel natürlich, weil es das Aufeinandertreffen zweier ehemaliger Borussen ist: Nuris Sahin vs. Tamas Hajnal. Ja, letzteren gibt es auch noch.
Die Türken zeigen gleich, wer Herr im Haus ist. Ziemlich souverän, technisch stark dominieren sie das Spiel. Die Ungarn wirken nervös, Laufen kreuz und quer, nichts gelingt. Die Türken gehen schnell in Führung. Statt ihre Klasse aber einfach weiter auszuspielen, beginnt man nun, sich nach 25 min mehr auf die B-Note zu konzentrieren. Mehrer Spieler geben ein Bewerbungsschreiben für Hollywood ab. Jeder Windhauch, jede vom Gegner auch nur angedachte Grätsche führt zu minutenlangen  Verletzungspausen. Ätzend. Zum Glück nutzen das die Ungarn und werden besser. Hajnal wird zum Dreh- und Angelpunkt. Nuri Sahin, der keine Bewerbungsvideos für die Filmindustrie einreicht, taucht mehr und mehr ab. Kurz vor der Halbzeit fällt der Ausgleich. Das Stadion, in dem die Ungarn seit Anpfiff wirklich Alarm machen, explodiert. Die Türken sind merklich ruhiger geworden, feuern aber trotzdem weiter ihre Mannschaft an.
In der Halbzeit suche ich vergeblich die sanitären Einrichtungen des Stadions und finde sie schließlich an den Büschen hinter der Tribüne.
Die zweite Halbzeit beginnt, wie die erste geendet hat. Die meisten Türken haben in der Halbzeit noch keine Angebote aus Hollywood bekommen und bewerben sich weiter. Die Ungarn nutzen das und treffen recht schnell zum 2:1. Kurz darauf gerätscht Hamit A. aus GE ziemlich unmotiviert im eigenen Strafraum durch die Gegend und fällt gleich mal einen Ungarn. Elfer, drin, 3:1. Das Spiel ist eigentlich gelaufen. Den Türken tun jetzt grätschen und Windböen nicht mehr ganz so doll weh, aber richtig was auf die Kette bekommen sie auch nicht mehr. Die Fans dokumentieren das dadurch, dass sie versuchen ab der 75 min aus dem Block zu kommen. Geht aber nicht, weil Blocksperre. Die Stimmung im Stadion ist sehr gut. Die Ungarn kämpfen ordentlich mit Mann und Maus . Hajnal darf eine Viertelstunde vor Schluss verdient vom Platz. Ende, Aus, Ehrenrunde. Das haben sich die Ungarn verdient. Nach die türkischen Fans wüst ihre Hollywood-Helden verabschiedet haben, gibt es auch noch aus der Kurve ordentlich Applaus für die Ungarn.
Über die Berge von Sonnenblumenkernen- und Pistazienresten geht es ab ins Hotel. Schlafen. Die Nacht ist kurz. Um kurz nach 07.00 Uhr muss ich wieder in Kosice sein…
Fazit: Interessante Woche, mit steigendem fußballerischem Niveau. Ungarische Vereine/Verband haben scheinbar keine Lust auf ausländische Gäste. Die Slowaken sind da genau das Gegenteil. E-Mails wurden alle schnell, hilfreich und nett beantwortet.

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Schwarzgelbe Grüße von:
Holger

Donnerstag, 6. September 2012

Mes que un club

Am letzten Sonntag hat es uns also ins Camp Nou in Barcelona verschlagen. Ein verlängertes Wochenende ich Barcelona (Stadt ist sehr zu empfehlen!) mit Besuch des größten europäischen Stadions lag vor uns. Valencia, immerhin dritter der abgelaufenen Saison, war zu Gast bei Barca.
In der Stadt wird man an jeder Ecke mit Blau-Rot konfrontiert. Wenn die Leute keine Barca-Fahnen aus ihren Fenstern oder von ihren Balkons hängen haben, dann immerhin die gelb-roten katalonischen Flaggen. Da zudem jeder dritte Tourist in der Stadt auch ein Barca-Trikot trägt, dominieren die Farben überall. Der andere Club aus Barcelona, Espanyol, spielt nicht mal eine untergeordnete Rolle in der Stadt. Der Club existiert in Barcelona quasi nicht. Das hat seinen Ursprung sicherlich auch darin, das Espanyol ein „königlicher“ Club ist und somit von den Katalanen als spnischer Club angesehen wird. Immerhin hat man in den letzten Jahren seine Identität zur Region damit bekundet, dass man seit einige Jahren offiziell den Vereinsnamen Espanyol in katalanischer Schreibweise führt. Barca hingegen ist insbesondere während der Franco-Diktatur als Symbol der kulturellen Identität Kataloniens geworden und wird daher von den Katalanen sehr verehrt.
Fanartikel kann man an jedem Zeitungsstand in der Stadt nur von Barca erwerben. Was mich überrascht hat, dass viele Läden zudem Real-Klamotten anbieten, einige dazu noch Sachen der spanischen Nationalmannschaft.
Das Stadion fällt im Stadtbild überhaupt nicht auf. Als wir das erste Mal am Stadion im Rahmen einer Stadtrundfahrt vorbei gefahren sind, wirkte es wie ein grauer, hässlicher Klotz, wo man nicht den Eindruck hatte, dass dort 100.000 Zuschauer Platz finden würden. Das Stadion liegt eingebettet in ein Wohngebiet am Rande des Stadtzentrums.
Der Spieltag in Spanien ist zerstückelt wie Löffel Paniermehl. Nahezu jedes Spiel hat eine eigene Anstoßzeit. Der Spieltag beginnt am Samstagabend 18 Uhr, das letzte Spiel wird am Montag um 23 Uhr angepfiffen. Unser Spiel begann nun am Sonntag um 21.30 Uhr. Auf dem Weg zum Stadion kamen wir an ziemlich gut gefüllt Bars vorbei. War beruhigend zu sehen, dass die Leute in Barcelona vorm Spiel auch eine vertraute Kneipen- und Bierkultur pflegen. Am und im Stadion wird einem dann spätestens die Dimension der bewusst. Da wir auf der Suche nach unserem Eingang gleich mal die falsche Richtung gewählt hatten, durften wir zwangsläufig einmal ums ganze Stadion laufen. Das war schon beeindruckend und der Weg schien unendlich lang. Im Stadion selber wurde dann erst mal ordentlich Material gekauft. Die Preise sind schon recht gesalzen: ein Trikot ohne Namen kostet 85 €, eins mit 99 €, ein Schal 20 €. Aber die Leute kaufen wie verrückt die Utensilien. Wir hatten Karten für den obersten Ring, die günstigste aller Preisklassen für schlappe 100 € pro Karte. Die Karten hat ich über einen „offiziellen Ticketagenten“ gekauft. Der Verein selber reserviert erst mal alle Tickets für seine Mitglieder. Alle Tickets die bis zu einem gewissen Zeitpunkt nicht abgerufen werden, gehen dann ca. 14 Tage vorher in den freien Verkauf. Das Stadion ist aber nie ausverkauft, außer gegen Real. Somit wurden selbst am Spieltag an sämtlichen touristischen Punkten in der Stadt, in offiziellen Ticketagenturen noch Karten für das Spiel angeboten. Die Plätze waren, trotz schwindelerregender Höhe, ganz ok. Leider wird im Stadion aber nur alkoholfreies Bier verkauft, worauf man aber nicht hingewiesen wird. Also, hatten wir leider zwei Fehlschüsse, bis wir es gemerkt haben und den Verzehr eigestellt haben…
Das Spiel begann bei sehr angenehmen Temperaturen. Barca war erschreckend ballsicher, obwohl einige Stammspieler wie Puyol, Villa und Inesta fehlten. Valencia stand sehr tief, igelte sich um den Strafraum ein und spielte auch erkennbar ohne defensives Mittelfeld. Falls mal ein Ballbesitz zustande kam, so dauerte der kaum länger als 20 sec. Barca hingegen spielte merklich mit angezogener Handbremse. Der Ball wurde so lange hin und her gespielt, bis sich irgendwo eine Lücke ergab – zwangsläufig über außen. Irgendwann um die 20. Min herum fiel dann auch das erste und leider einzige Tor. Danach produzierte Barca Chance um Chance. Aber da man leider die Philosophie verfolgt, keine einfachen Tor zu schießen, wurde lieber am 5m- Raum noch mal das Dribbling gesucht oder der Quer- oder Rückpass gespielt. Valencia machte nach wie vor nichts. Ab Mitte der ersten Halbzeit durfte sich bei Valencia dann Nelson Valdez warmlaufen. Die geborene Ineffizienz verfolgte uns nun also auch hier. Anfang der zweiten Halbzeit wurde Valencia etwas offensiver und traute sich auch mal was zu. Barca zog noch mehr die Handbremse an, bleib aber nach wie vor extrem Ballsicher, so dass sich die Chancen von Valencia weiterhin auf ein Minimum einstellten. Irgendwann fiel dann sogar ein Tor für die Weißen, war aber leider Abseits. Das Spiel plätscherte vor sich hin und wurde immer langweiliger, was auch die Fans immer mehr mit Pfiffen und Unmutsäußerungen quittierten. Insbesondere das Verlangen, dass die Spieler auch mal aus der zweiten Reihe schießen sollten, wurde nun des Öfteren geäußert. Es passierte aber nichts mehr. Ein langweiliges Spiel ging also mit einem langweiligen Ergebnis zu ende.
Auffällig war, dass Messi zwar sicherlich der beste Fußballer bei Barca ist, aber auf keinen Fall der Star. Messi ist Teil des Ganzen, denn irgendwie kann da jeder verdammt gut spielen. Die Mannschaft ist so dominant, dass sie zu jeder Zeit, wenns sein muss, die Zügel anziehen kann. Das war schon sehr beeindruckend. In Spanien scheint es aber leider so zu sein, dass man recht körperlos spielt. Jeder kleinste Zweikampf wurde sofort unterbunden. Die Spieler reklamieren viel und tragen offen ihre Wehwehchen zur Schau. Messi genießt bei den Schiris scheinbar einen besonderen Schutz. Man hatte fast das Gefühl, dass der Schiri das Spiel sofort unterband, sobald ein Spieler nur im Dunstkreis von Messi auftauchte. Das nervte sehr.
Die Atmosphäre in dem gigantischen Stadion ist beängstigend schlecht. Es herrscht keine Stimmung. Es gibt ca. 50 Leute, die hinter dem Tor stehen und Fahnen schwenken. Die versuchen dann auch mal ein wenig Stimmung zu machen. Das wurde aber irgendwann nach 10 min eingestellt und man konzentrierte sich eher darauf, den Balljungen den Ball, der soeben in die Ränge geschossen wurde, nicht wieder zu geben…Bei der Barca-Hymne vor dem Anstoß und bei dem Endergebnis aus Madrid kamen so was wie Emotionen hoch. Das wars dann auch. Man konnte die Spieler auf dem Platz locker die Anweisungen schreien hören. Ganz bizarr war es in der Halbzeit, als ich zum Essen holen war. Es herrschte ein guter Geräuschpegel, der sich schlagartig in Totenstille wandelte. Soeben war nämlich der Anpfiff zur zweiten Halbzeit erfolgt… Die können sich dort auf jeden Fall auf was gefasst machen, wenn Celtic dort in der CL einfällt.
Nach dem Spiel dauert es dann eine Weile, bis man raus ist, obwohl viele Leute schon in der 80. Min den Heimweg antraten. Sinnigerweise fahren die U-Bahnen nur bis ca. 23.30 Uhr. Bus sind überfüllt, Taxen sowieso, so dass wir nach dem Spiel noch einen einstündigen Fußweg ins Hotel einschlagen durften. War ok, denn es war noch sehr angenehm warm draußen. Trotzdem ist das ziemlich kontraproduktiv, vor allem wenn man sich die späten Anstoßzeiten ansieht.
Fazit: Camp Nou ist ein beeindruckendes Stadion, aber leider ohne Atmosphäre. Es wird ein Spaß wenn wir dort mal mit Schwarzgelb einfallen werden.

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Schwarzgelbe Grüße von:
Eva & Holger