Freitag, 9. Januar 2015

Der Sultan hat Durst


 
21.10.14: Die Reisegruppen Rheinland und Dortmund starten zu früher Stunde zum Airport Düsseldorf. Während es von Dortmund auf Nummer sicher mit dem Taxi Richtung Düsseldorf geht, kommt Köln/Bonn mit dem Zug - und der ersten großen Literpatrone Faxe im Terminal an.

Alles klappt planmäßig, so dass gleich am Flughafen die ersten Willkommensgetränke zum Frühstück um 06.30 Uhr morgens gereicht werden können. Die Idee hatten gleich einige in Schwarzgelb, was die wirklich schnelle und schlanke Bedienung – kurzerhand von uns gleich mal "Erik, der Winkinger" getauft - überforderte. Mit dem ernst gemeinten Spruch „7 große Pils – das schaffe ich nicht“ hatte die gute Dame auch gleich ungewollt den ersten Kalauer des Tages gerissen – wohlgemerkt nachdem sie das Schiff für einige Minuten führerlos den Massen überlassen hatte… 

Der Flieger startete mit etwas Verspätung, was unserer Champagnerlaune aber keinen Abriss tat. Die ersten landestypischen Getränke wurden zum kulinarischen Frühstück gereicht. Leider hatte die Airline zu wenig heimische Getränke an Board, so dass wir bald auf gegorenen roten Traubensaft umschwenken mussten. Nichtsdestotrotz verging die Zeit wie im Flug, gegen Mittag erreichten wir die Metropole am Bosporus. Per vorbestelltem Taxibus ging es Richtung Metropolis-Hostel, das im Stadtteil Sultanahmet, direkt unterhalb der blauen Moschee lag. Nachdem die Klamotten schnell im Zimmer geparkt wurden, ging es gleich hoch auf die Dachterrasse. Dort wartete ein freundlicher Mensch mit einem Kühlschrank landestypischer Getränke auf uns. Herrlich. Dazu der Blick auf den sonnendurchfluteten Bosporus – einmalig! 

Nach ein paar malzigen Erfrischungsbrausen teilte sich unsere Reisegruppe: Reisegruppe 1 erkundete die touristischen Sehenswürdigkeiten in der Nähe, Trainingsgruppe 2 erkundete die direkt Umgebung ums Hostel. Man wollte sicherstellen, dass die Gegend auch ok war und genug Erfrischungen für die ganze Gruppe vorrätig waren. Zudem war für den frühen Abend der letzte aus unserer Gruppe, Boris, noch angekündigt. Die Kneipenmeile in Sultanahmet war klasse. Schnell fanden wir mit dem „Sultan“ unsere Bleibe. Das Pils wurde hier in 2,5 Liter Gefäßen zum selber zapfen gereicht. Naja, aber egal…

Zu späterer Stunde (die Sonne schien noch) war unsere Gruppe wieder vereint und der Abend sollte seinen Lauf nehmen. Weitere Schwarzgelbe füllten die Tische im Sultan. Für Heiterkeit sollte dann eine verirrte Klatschpappe sorgen, der mit seiner Familie die wahnsinnig kluge Idee hatte, ausgerechnet im Sultan sein Abendessen zu sich zu nehmen, obwohl hier ein Restaurant neben dem anderen war. Dummerweise hatten seine beiden Jungs so komische rote Trikots (die Lederbuxen spielten abends in Rom) an, was gleich bei der schwarzgelben Masse auf freudigen Anklang traf. Das Liedgut wurde zielgerichtet geändert, der Wortwahl fehlte kurzerhand der gute Ton und der brave Vater sah sich genötigt, den Schwarzgelben mal richtig einzuheizen…keine wirklich gute Idee, der gute kassierte eine astreine verbale Watschn.

The Taskim Factory
Früh am Tag hatten wir den Plan gestrickt, abends noch zum Taksim zu fahren. Nach dem das Credo „Ja, noch ein Pils, dann fahren wir“ uns langsam in einen gewisse Übermut navigierte, trennte sich unsere Gruppe zu sehr später Stunde wieder und der wilde Teil stieg ins Taxi und lies sich zum Taksim karren. Nach Asien, wie wir an dem Abend alle glaubten… Keiner verstand, dass uns der Taxifahrer irgendwann in einer Seitenstraße aus dem Taxi entließ. Gut, einen Platz hatten wir uns irgendwie anders vorgestellt.

Nach kurzer Orientierungslosigkeit fanden wir eine Bar, in der wir auch gleich willkommen waren. Man lotste uns ins erste Stockwerk auf den Balkon und servierte. Vom dort konnten wir in ein vollbesetztes Gässchen mit vielen vollen Cafes blicken. Wie gemalt, um gleich mal eine kleine Performance im Stadtteil Galata von uns zu geben. Nach ein paar Erfrischungen entschlossen wir uns zum Rückweg mit dem Taxi Richtung Sultanahmet. Der Akku war leer, aber eine 2.5-Liter Stange ging sicher noch... Erst am Folgetag erfuhren wir, dass es am Taksim kurz vor unserer Ankunft ein kleines Tänzchen gegeben hatte…

Die gemeinsame Fanunternehmung
22.10.14: Der Tag begann recht früh. Rauf auf die Dachterrasse und erstmal frühstücken – also wirklich. Nach einiger Zeit sammelte sich die ganze Gruppe und war, nachdem alle Touristen die Terrasse verlassen hatten, alleine oben. Der freundliche Mensch des Vortages witterte das Geschäft und servierte Erfrischungen. Wir genossen die Malzzufuhr und konnten uns unten in der Gasse ein Schauspiel ansehen: Zwei echte türkische Handwerker versuchten, ihrem Handwerk nachzugehen, was wohl irgendwas mit Farbe zu tun hatte. Ihre Gerüstkonstruktion hätte jedoch sicherlich nicht nur dem deutschen Arbeitsschutz die Schweißperlen auf die Stirn getrieben. Auch wir erwarteten einen unausweichlichen Genickbruch.

Egal, für Trainingsgruppe 2 stand heute Tourismus auf dem Programm, Reisegruppe 1 wollte seine Erkenntnisse des Vortages vertiefen und entschied sich für Sightseeing for Professionells. Per Cabrio-Bus steuerte man durch die wirklich atemberaubende Stadt. Bosporusbrücke, Asien (also jetzt wirklich), Besiktas-Stadion-Baustelle und der ewig zähe Verkehr in der Stadt waren der Wahnsinn. Wir entschieden uns, den Bus dann am Taksim zu verlassen (also wirklich). Einige (viele) Gala-Fans tummelten sich hier auch - und erstmals kam uns die Stimmung etwas angespannter vor. 

Nach einer Stunde gings wieder ab mit dem Bus Richtung Heimathostel. An der Blauen Moschee war die Fahrt vorbei, und wir hatten noch ein paar Fußmeter vor uns, als uns ein älterer deutscher Tourist glatt fragte, warum denn so viele Leute in Schwarzgelb in Istanbul wären und ob wir eine „gemeinsame Fanunternehmung" hätten. Ach ja – und wie wir angereist wären? Mit dem Deutschland Achter, wie sonst. Ist doch klar. Der kannte wohl nicht den alten Gassenhauer „Heute fährt der Achter bis nach Istanbul“… Ja, ne, ist klar. Die Unternehmung ist seit Jahren geplant und zufällig fällt der Termin mit unserem Gastspiel in Istanbul zusammen… Oh Mann.

Auf nach Dolombahce
Sammelpunkt war 14.30 Uhr auf der Dachterrasse. Es gab die verdienten Erfrischungen und gemeinsam fing man an, sich langsam aufs Spiel einzustimmen. Treffpunkt aller
Schwarzgelben war 18.30 Uhr am Dolombahce Platz, direkt am Fuße des Besiktas-Stadions.

Mit der Straßenbahn fuhren wir dorthin. Hunderte Schwarzgelbe tummelten sich dort bereits, gelegentlich in Begleitung einer verräterischen Plastiktüte. Aufgrund unseres unterhopften Status' erkundeten wir das gastronomische Umfeld, das sich als Diaspora erwies. Zwei kümmerliche Cafes waren in der direkten Umgebung, die beide auffällig wenig Schwarzgelbe zu ihren Gästen zählten. Die Getränkekarte bot überall nur bleifrei an. Praktiker-Boris wurde es kurzentschlossen zu bunt, und er tigerte zum nächsten Supermarkt, der irgendwo kurz vor Ankara gewesen sein muss. Sichtlich gealtert, aber mit besagter verräterischer Plastiktüte und einem erleichterten Lächeln um den Zahn, kam er nach unbestimmter Zeit zurück, und wir konnten uns rechtzeitig stärken, bevor sich die Bustüren des wirklich blendend organisierten Konvois zum Stadion hinter uns schlossen.


Die Türk-Telekom-Arena wurde vor wenigen Jahren vor den Toren Istanbuls neu gebaut. Die Fahrt dorthin verdeutlichte jedem die Dimensionen der Stadt, denn sie dauerte fast 45min. Je näher wir dem Stadion kamen, desto häufiger wurden wir aus den umliegenden Fahrzeugen fröhlich mit gereckten Fäusten oder ausgeklappten Mittelfingern gegrüßt. Schließlich erhob sich das Stadion zur linken. Äußerlich durchaus zu vergleichen mit der bereits bekannten Amsterdam-Arena, innen mit dem gleichen seelenlosen Charme wie jeder andere bekannte Neubau.

Um die Bekanntschaft mit den heimischen Fans zu vermeiden, wurde der Konvoi bis direkt vor den Gästeblock gefahren. Da die Infrastruktur nicht auf so viele Busse ausgelegt wurde, durften die letzten Busse, zu denen auch wir gehörten, kurzerhand auf der Autobahn aussteigen. Der Gästeblock war auch innerhalb des Stadions komplett abgeschottet. Neben eigenen Treppenhäusern wurde der sich unter dem Dach befindliche Gästebereich zudem durch ein veritables Fangnetz vom Heimbereich abgetrennt. Wem sich der Sinn eines solchen Netzes nicht erschlossen hat, dem seien die Ereignisse des Rückspiels ins Gedächtnis gerufen. Also durchaus keine ganz doofe Idee, das Fischernetz!

Das Stadion füllte sich nach und nach, trotzdem zeichnete sich kurz vor Anpfiff ab, dass das Spiel den Ausverkauft-Status deutlich verfehlen würde. Wie wir erfahren konnten, haben zum einen die Ticketpreise in der Türkei zur neuen Saison bei den Istanbuler Vereinen deutlich angezogen. Zum anderen, und dies ist der eigentliche Grund, wurde dort nach italienischem Vorbild eine Art „Fancard“ in Form einer Kreditkarte eingeführt, die alle persönlichen Daten des Besitzers gespeichert hat. Trotzdem machten die geschätzt 40.000 Gala-Fans vor Anpfiff ordentlich Programm. Bei der Verlesung der Gästeaufstellung zeigte sich, dass man dort offensichtlich das Pfeifkonzert erfunden hatte. Mein lieber Herr Gesangsverein, die kommen da glaube ich schon pfeifend aus dem Mutterleib raus! Daher traf es sich gut, dass unsere Mannschaft schon nach sechs Minuten den ersten Stimmungskiller servierte. Bis zur Pause folgten zwei weitere, sodass spätestens ab dann nur noch der bis dato gut aufgelegte Gästeblock die Atmosphäre diktierte.

Leider nahm nach der Pause auch die Performance des Gästeblocks deutlich ab, sicherlich insbesondere durch den „beliebten“ Dauersingsang bedingt. Nach gut einer Stunde Spielzeit startete bereits der Exodus der Gala-Fans. Nachdem Ramos den vierten einschenkte, konnte man sich tatsächlich vom angemessenen Evakuierungsplan des Architekten überzeugen, so sehr drängten die Massen zu den Ausgängen. Bei Abpfiff waren vielleicht noch 10.000 Türken im Stadion. Für uns ganz sicher ein dankbarer Umstand, sollte doch die Blocksperre ungewohnt kurz ausfallen.

Trotzdem durfte Holger seinen 40. Ehrentag mit uns in der Blocksperre um 00:00 Uhr Ortszeit begehen - das standesgemäße Mineralwasser allerdings blieb auf der Strecke. Als die Sperre aufgehoben wurde, drängelten wir uns taktisch klug in einen der ersten Busse. Da die rund 2.500 Gästefans wieder alle geschlossen zum Dolmabahce-Platz chauffiert wurden, schwante uns nämlich schon eine Treibjagd auf die dortigen Droschken. Und so kam es auch, nur das wir schnell wie geplant eine erhaschen konnten.

Um Punkt 01:00 Uhr saßen wir dann wieder bei unserem Sultan und vertrieben uns noch das ein oder andere Stündchen an den 2,5-Liter Stangen. Als Geburtstagsüberraschung gab es für Holger durch den Sultan noch eine echte Pyroshow – die Bedienung übergab einen Cocktail, garniert mit einer Mütze, die aus einer halben Orangenschale bestand, in der eine Wunderkerze steckte. Nach und nach löste sich unsere Runde auf, da am kommenden Morgen unsere Rückflüge anstanden.

23.10.: Rückreise. Leider hatten wir nicht alle die gleichen Rückflüge bekommen. Holger und Boris mussten schon sehr früh morgens zum Flughafen, der Rest flog am späten Vormittag. Am Flughafen wurden dann noch die letzten Lira in Zigaretten und Souvenirs für die Familien investiert, bevor uns der Premium Sponsor zurück nach Düsseldorf flog. Müde verbrachten wir die 3,5 Stunden mit dem ein oder anderen Schläfchen, in Vorfreude auf die heimische Couch. 

Fazit: Eine einmal mehr gelungene internationale Auswärtstour in eine Stadt, die kulturell, architektonisch, gastfreundschaftlich und nicht zuletzt klimatisch voll überzeugen konnte. Der 4:0-Sieg war da nur der i-Punkt. Nur eines hat nicht geklappt: Den Durst des Sultans konnten die zwei Tage nicht löschen.


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Schwarzgelbe Grüße von
: Holger, Manuel, Basse & Marcel

Mittwoch, 26. November 2014

Pa-Pa-Paderborn, da hab ich zwei Punkte verlor'n…


Bundesliga, 22.11.14
SC Paderborn 07 – BVB 2:2 (verloren)

Trotz kleinem Stadion war unsere Reisegruppe mit 09 Mann ab Dortmund recht groß. In Ostwestfalen warteten mit Benedikt und Thomas noch zwei weitere Schwarz-Gelbsüchtige auf uns.

Bauern knicken in Ostwestfalen – so bezeichnete mal ein alter Arbeitskollege und Rot Weiß-Essen-Fan sein Wochenendprogram, was eine Auswärtsfahrt ins Paderborner Umland nach Verl war. Ganz konform gingen wir mit diesem Motto nicht, sondern freuten uns einfach auf ein neues Stadion und eine kurze, aber auf jeden Fall lustige Anreise in heilige Stadt an der Pader.

Leider hatte der DFB die zweijährige Schutzsperre des Imperators mit der Wahrnehmungsstörung aufgehoben und ihn von der bayrischen Provinz in die ostwestfälische Provinz geschickt, um mal wieder ein Konzert mit schwarzgelber Beteiligung zu trällern. Egal, jedem seine Resozialisierung.

Die Anfahrt verlief total reibungslos: Holger erreichte, mit einem 4-3 Auswärtssieg bei Arminia Marten im Gepäck, pünktlich den Dortmunder Hauptbahnhof, der Regionalexpress nach Hamm (dort mussten wir umsteigen) kam, trotz angekündigter Verspätung, zwei Minuten zu früh und in Hamm wartete die Eurobahn einfach nur sehnsüchtig auf Schwarz-Gelbsucht. Alles im Plan für die Ankunft um 14:09 Uhr in Paderborn. Zudem wurde zu diesem Spiel unsere neue Blockfahne eingeweiht – wobei „neu“ vielleicht das falsche Wort ist, denn wir besaßen vorher einfach keine… Entsprechend wurde keine Gelegenheit ausgelassen, das neue Stück Stoff zu präsentieren.

In Paderborn angekommen, empfing uns gleich eine Hundertschaft, allerdings durchaus freundlich und hilfsbereit. Der letzte Shuttlebus wartete förmlich auf uns. Er wartete netterweise sogar so lange, bis alle ihe Pils auf hatten und die letzten Raucher den letzten Zug genommen hatten. Das freundliche Sicherheitspersonal machte nette Fotos mit uns – man fühlte sich durchaus willkommen. Vielleicht war es aber auch nur die ahnungslose Provinz, die nicht wusste, auf was sie sich da einließ… Egal, war auf jeden Fall super entspannt.

Vor dem Spiel kursierten Horrorgeschichten zur Einlasssituation ins Stadion. Anstehen von mindestens 45 Minuten sei normal, so dass wir ziemlich auf die Tube drückten. Das Stadion in Paderborn ist eines dieser liebevoll geplanten, architektonisch anspruchsvollen Bauwerke der Neuzeit. Doch im Gegensatz zum Rheydterhof in der Düsseldorfer Vorstadt, saß hier ein Mann (oder Frau) mit Ahnung am Reißbrett.

Der Bus fuhr uns direkt auf den eingezäunten Busparkplatz vor den Gästeblock, wo zu unserem Erstaunen nichts los war. Einzig die Versorgung mit Erfrischungen ist ausbaufähig. Zum Glück war auf der anderen Seite der Brüstung unsere Sektion Ostwestfalen, die uns kurzerhand ein paar Pils rüber machte. Sensationell und noch mal besten Dank für den Support!

Nach dem wir uns aufgeteilt hatten – Zwei Mann mussten in den Stehblock der Paderborner neben den Gästeblock, 5 Mann in den Gästesitzer und der Rest in den Gästestehbereich – gingen wir an den gähnend leeren Bierständen im Stadion zu unseren Plätzen. Leider ist man in Paderborn auch der Unsitte verfallen, den Gästebereich auf komplett bleifrei zu stellen, so dass unser Motto für das Spiel „Bratwurst statt Bleifrei“ wurde. Der erste Tiefschlag an diesem Tag.

Der Gästebereich war pickepacke voll, wie erwartet. Die Paderborner hatten auch einen gute Support – positiv sei hier zu erwähnen, dass es keinerlei kreative Fangesänge a la BVB- H****söhne usw. gab. Auch unser Block konzentrierte sich auf die Anfeuerung der eigenen Elf.

Das Spiel begann und nahm frühzeitig seinen erhofften Lauf. Zur Halbzeit war die Nummer durch. Gott sei Dank. Der Trend geht klar nach oben. Das hatte sich die Mannschaft wohl auch gedacht und schaltete vorsorglich mal ein bisschen runter – wobei das Tempo in der ersten Halbzeit jetzt auch nicht wirklich hoch war. Defensive stabil halten und alles ist gut. Dumm nur, dass ausgerechnet das 2:1 nach einem Konter fiel. Aber auch das nahm man eher mit der Auffassung „Betriebsunfall“ hin, sowohl im Block, als auch auf dem Platz. Wolfgang, der Bayer mit der kleinen Flöte, hatte dann aber genug von der Lethargie. Gelb statt Rot für BVB-Fan Bakarlorz, Reus im Krankenhaus und Kevin – in der Hoffnung endlich den Aus-Knopf für seinen WM-Modus zu finden – ein Tor aberkannt. Da war er wieder, der Mann der alles sieht und doch anders wahrnimmt… Trotzdem, auch diese Aneinanderreihung unglücklicher Entscheidungen war eigentlich kein Anlass zur Sorge. Das Spiel schien im Sack, Paderborn redlich bemüht, aber ohne Torchance.

Dummerweise gibt es in einem Fußballspiel aber auch Standardsituationen. Unsere Jungs haben da, besonders bei Ecken, alle Varianten drauf, die der gegnerische Torwart mit Schnee auf dem Ball, fangen kann. Sogar mit einer Hand, wenn er wollte. Dummerweise haben unsere Abwehrspieler einen ähnlichen Modus auch bei Eckbällen des Gegners drauf und so kam, was keiner zu hoffen gewagt hatte. Der gefühlte 1,40m große Ex-Borusse Saglik (immerhin mal Hoffnungsträger im UI-Cup-Hinspiel gegen Genk) köpfte den Ausgleich! Toll, habt ihr gut gemacht! Mit einem Schlag die ganze Euphorie vom Ponyreiten dahin. Die letzten 10 Minuten versuchte man es dann wenigstens noch mal – aber mehr als ein Versuch kam dabei nicht raus. Die Krönung bzw. logische Folge wäre eigentlich noch der Paderborner Siegtreffer gewesen, aber da waren die Ostwestfalen einfach nette Gastgeber und waren frühzeitig mit dem Punkt zufrieden.

Nach dem Spiel hieß es nur, so schnell wie weg zu kommen. Alle Pläne, in Paderborn noch ein paar Kaltschalen zu nehmen, wurden abrupt über den Haufen geworfen. Ab zum Bahnhof, rein in die Tanke, jeder Sixpack und ab in den gähnend leeren Sonderzug nach Dortmund…

Ach ja, so weit ist es nun schon gekommen: auf dem Weg von der Tanke zum Bahnhof gab es noch aufmunternde Worte von einem SCP-Fan… Nette Geste, trotzdem gewöhnungsbedürftig.


Fazit: Keine Ahnung, was man schreiben soll. Frustriert, überflüssig, wo soll das enden?


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Schwarzgelbe Grüße von
: Holger

Samstag, 22. November 2014

Da, wo die Puppen immer tanzen



Augsburg stand schon lange auf unserer Tour-Agenda, nur meinte es der Spielplan in den vergangenen Saisons nie gut mit uns. In dieser Saison sollte es also klappen mit einer schönen Tagestour. Entsprechend groß war auch die Vorfreude und die Reisegruppe füllt sich fast täglich. Entsprechend groß war auch die Enttäuschung, als die DFL meinte, das Spiel auf einen Freitagabend legen zu müssen. Verstehe das wer will. Schnell war klar, das Augsburg auch in dieser Saison wieder nix werden sollte. Naja, nur Marcel und Holger blieben hartnäckig.

Die Anreise gestaltete sich fast konspirativ. Da NRW noch mit Ferien beschäftigt war, war die schnelle Zugverbindung über Frankfurt schnell im nicht mehr zahlbaren Bereich. Passte aber ganz gut, da Marcel ohnehin in Bonn in den Zug steigen musste und Holger dank terminlicher Verpflichtungen von Koblenz anreisen musste. Also, wie gemalt! Die Deutsche Bahn zeigte sich mal wieder von ihrer besten Verspätungsseite, was unserer Pilslaune aber erst mal keinen Abriss tat. Der erste Zugwechsel war für Stuttgart geplant. Dank ordentlicher Verspätung und Meldungen über einen vermeintlichen Personenschaden auf der Streck, lies uns die nette Zugbegleiterin bereits in Mannheim wechseln. Sollte aber auch nix bringen und hatte nur den Vorteil, dass wir unser Pfand gegen neues Pils eintauschen konnten. Den Betrag am Bahnhofkiosk von 12,04 € konnten wir in letzter Sekunde geistesgegenwärtig noch dank zweier Duplos in 12, irgendwas-ohne-null4 abwandeln…

Am Gleis trafen wir dann noch auf Gerrit, einen Auswärtsfahrer aus dem Kreuzviertel, der sich kurzerhand unserer Reisegruppe anschloss. Sein Weg führte über Augsburg nach Salzburg, wo er sich am anderen Tag noch zwischen einem Spiel der Austria und der Brause entscheiden wollte. Schnell konnten wir seinen Überlegungsprozess mit ein paar Pils unterstützen, als dann auch endlich der Zug nach Augsburg eintraf. Die Verspätung war nun ordentlich, aber noch nicht im roten Bereich. Viel durfte allerdings nicht mehr passieren…

Im Zugabteil stiegen wir gleich zu einer Geschäftsfrau (von BMW) ins Abteil und Holger wies die Dame gleich mal zur Begrüßung darauf hin, dass jetzt die pöbelnden Hooligans zusteigen würden. Die gute Frau dürfte ziemlich überrascht gewesen sein, dass wir uns fast ausschließlich mit unserem Gast über Studium, Karriere und sowas unterhalten haben – trotz mittlerweile schon ordentlicher Schlagzahl.

19.30 Uhr rollte unser Zug dann in Augsburg ein. Schnell noch das Gepäck ins Schließfach und ab mit dem Taxi zur SGL-Arena. Der serbische Taxifahrer erzählte auf der Fahrt mehr von Partizan als vom heimischen Club, pries das alte Rosenaustadion und setzte uns irgendwann in der Pampa vor der Betonschüssel ab. Das Stadion ist jetzt keine Perle und kriegt gleich mal Minuspunkte. Minuspunkt gibt’s zudem, weil es im Gästebereich nur Leichtbier gibt (warum auch immer) - leider erfahren wir das erst, nachdem wir die unselige Stadionkarte vollgeladen haben.

Der Block ist gut gefüllt, der Support wie immer sehr gut. Die Mannschaft tut ihr übriges dazu und geht schnell in Führung. Alles easy. Warum das Ding am Ende so spannend wird, weiß nur die Mannschaft. Egal. 3 Punkte im Sack und ab nach Hause. Wir sehen zu, dass wir schnell vom Acker kommen. Unser Zug fährt zwar in einer Stunde, aber keiner weiß, wie lange das dauert. Der Rückweg mit dem Taxi geht aber fix, sogar so schnell, dass wir vor den Massen noch am Bahnhof zum goldenen M einkehren können. Alles gut. Der Zug zurück ist geschafft. Bis Frankfurt erwartet uns jedoch Promille geschwängertes Hessisch von der aller übelsten Sorte… Man, man.

Marcel ist pünktlich um 6.30 Uhr in Köln, Holger um 08.30 Uhr wieder in Dortmund. Irgendwie ne kranke Tour, aber wie immer sehr geil!


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Schwarzgelbe Grüße von
: Holger & Marcel