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Sonntag, 2. November 2014

Auf St. Pauli brennt (immer) noch Licht!

DFB-Pokal, 2 Hauptrunde, 28.10.2014
FC St. Pauli – BVB
Millerntor-Stadion, 29.063 Zuschauer, AUSVERKAUFT 

Bei strahlendem Sonnenschein ging es für Nicole und mich am frühen Dienstag Nachmittag auf die Autobahn gen Norden. Dabei konnte uns bei unserem Ziel weder der ein oder andere Stau, noch die Vollsperrung des Kamener Kreuzes aufhalten und so erreichten wir am späten Nachmittag unser Hostel mitten auf der sündigen Meile. Kurz eingecheckt und schon gab es das erste leckere Beruhigungsmittel an der Bar. Das der Name ASTRA-Arschkalt an diesem Abend noch ganz besonders deutlich werden würde, konnte noch keiner ahnen…

Von der Niederlage am vergangenen Samstag reichlich verunsichert ging es zeitig Richtung Stadion, Nicole hatte noch eine alte Dortmunder Schulfreundin aufgetan, die trotz Exillebens in Hamburg der Borussia die Treue gehalten hatte und mit ihrem Fanclub auf der Reeperbahn vorglühte – dieser Fanclub entpuppte sich dann als BVB-Fanclub Meschede, mal wieder ein Zeichen, wie klein die Welt ist.

Leider hatte die Absprache mit Kulla/Chrissy und Carsten/Verena über Treffpunkt und Zeit nicht wirklich funktioniert und so wussten wir nicht, ob wir überhaupt jemanden aus den eigenen Reihen treffen würden. Besonders bitter auf dem Weg zum Stadion: Wir wurden von zahlreichen HSV-Fans aufgeheitert und darin bestärkt, Pauli aus dem Pokal zu schießen. Sogar die Security am Gästeeingang wünschte uns Glück und Erfolg!

Im Stadion angekommen stießen wir direkt mit Carsten und Verena zusammen, so dass wir das Spiel als 4er-Block in Angriff nehmen konnten. Die Gästetribüne des Millerntorstadions ist nur noch ein Erdhügel für die Stehplätze und eine Gerüstkonstruktion als Sitzplatztribüne – unterbaut mit allerlei provisorischen Verkaufsständen für Bier, Bratwurst und natürlich auch für leckere Fischbrötchen. Die Nahversorgung ging schnell und freundlich, so dass der ausreichende Nachschub von ASTRA zu jedem Zeitpunkt des Spieles gesichert war.

Hoch erfreut über die provisorische und altertümliche Atmosphäre suchten wir uns Plätze auf der reichlich überbelegten Stehplatztribüne – die Sitzplatzgäste hatten uneingeschränkten Zugang zum Stehplatzbereich. Die Plätze die wir fanden, war nicht die Besten und vor allen ging dort ein Wind, der jedes normale ASTRA schnell zu einen Arschkalt mache und den gesamten Abend zu einer kleinen Herausforderung, was man an Kälte so verträgt im Herbst 2014.

St. Pauli erwies sich als guter Gastgeber, spielte vor dem Einlaufen sogar Dortmunder Liedgut über die Stadionanlage, präsentierte eine klasse Choreographie und auch so konnten wir uns Rund um Spiel und Stadion jederzeit guten Gewissens bewegen und aufhalten. Das die Mannschaft uns dann noch gastfreundlich drei Tore machen lies wirkte auf alle Anwesenden sehr befreiend und so konnten wir nach dem Spiel freude- und astratrunken das Stadion verlassen und Richtung Reeperbahn schweben – nicht jedoch ohne vorher Kloppo und seine Truppe nur wenige Meter von uns entfernt beim Feiern zu beobachten.

Auf dem Weg zur Reeperbahn sind wir dann sogar noch Sabrina von den Sailors begegnet und so konnten wir unsere Freude noch mit einem weiteren bekannten Gesicht teilen! Auf der Reeperbahn angekommen, haben wir in der Pyjama Bar noch das ein oder andere Bier auf den Sieg getrunken und die erfolgreiche Wiederbelebung unserer Borussia gefeiert!

Nach einer kurzen Nacht haben Nicole und ich uns dann wieder auf den Weg in die Heimat gemacht. Kurzer Stopp am Hafen – ohne geht es in Hamburg einfach nicht – und die Rückfahrt verlief ohne besondere Vorkommnisse.

Besondere Erkenntnis am Rande: Das Spiel gegen den BVB war das letzte Spiel vor der alten Nordtribüne (oder was davon noch übrig war) am Millerntor. Die Tribüne wird abgerissen und als letzte der 4 Tribünen neu gebaut. Damit waren wir auch an einem für das Millerntor Stadion dabei und konnten als letzt Fans nicht nur auf staubigen Naturstufen à la Rote Erde stehen, sondern auch zwei von 4 Flutlichtmasten waren noch im Einsatz und haben einen Hauch Nostalgie durch das Stadion wehen lassen (die wehte allerdings kräftig und kalt…).

Tolles Stadion, tolles Spiel und klasse Gastgeber – gerne wieder auswärts in Hamburg, nahe der Reeperbahn!

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Schwarzgelbe Grüße von
: David

Dienstag, 27. Mai 2014

Wir feiern für Euch!


Am 16.05. ist es endlich soweit: Das lang ersehnte Pokalfinalwochenende steht auf dem Programm. Unser Fanclub ist mit über 20 Karten massig versorgt. Die ersten Schwarzgelbsüchtigen reisen bereits am frühen Freitagmorgen nach Berlin, der Großteil soll dann im Laufe des Tages folgen. Während Basse und Marcel am Nachmittag die BVB-Kneipen in Kreuzberg unsicher machen, suchen sich die übrigen Schwarzgelbsüchtigen rund um unser Hauptquartier in Mitte ein lauschiges Plätzchen. Durst leiden wird an diesem Abend niemand.  Allein 15 Leute von uns sind im Wombats eingebucht. Diese Bleibe hatten wir bereits 2008 und 2012 sowie bei einigen Auswärtsspielen bei der Hertha gebucht.
 
Flagge zeigen im Wombats

Holger und Eva sind an diesem Abend die letzten, die in Berlin eintreffen. Gegen 1 Uhr wird noch einmal durchgestartet und der Rest der Truppe (zumindest die, die es noch geschafft haben) wird im „8 Millimeter“ aufgegriffen. Bei urigem Punkrock und erhöhter Schlagzahl – einige von uns versuchen sich ihren Euro für den Finaltag sogar an der Toilette des Ladens zu verdienen – wird die Nacht kurz und sich schon mal auf den Finaltag eingestimmt. Zuletzt finden Horti, Steffi, Verena und Marcel den Weg aus dem ewigen Kaffee Burger zur ersten Nachtruhe. Bevor es soweit ist, bekundet noch der Türsteher des Burher seine Sympathien für Schwarzgelb und bittet um 5 Uhr morgens zum Fußball-Fachgespräch auf die Bank vorm Eingang. Schwarzgelb geht eben zu jeder Tages- und Nachtzeit. 

17.05., Cup-Final-Day! Die meisten schaffen es dann auch pünktlich zum Frühstück. Der Präsi hockt etwas mitgenommen im kurzen Türkisenen und oberkörperfrei auf dem Balkon seiner Suite und würfelt mit sich aus, ob er klar kommt oder nicht. Der Rest stimmt sich auf den Tag ein. Robi und Geburtstagskind Sebi werden an diesem Morgen noch erwartet, der Rest der Schwarzgelbsüchtigen. Während die blaue, dummschwätzende WDR-Legende Manfred B. in einem nahegelegenen Kaufhaus die einzig noch lebenden Warendorfer TT-Legende um ein Foto bittet, trudeln die beiden Westkirchener Legenden ein. Die erste Etappe steht auf dem Programm: eine Bootstour auf der Spree. Der Weg dahin wird mit ein paar Kaltgetränken und einem Rotkäppchen für Basse verkürzt.  Unterwegs begegnen uns die ersten – wenn auch einsamen und sehr vereinzelten – Klatschpappen, die auch prompt in guter alter Fulham-Manier auf den Verkaufsstand der Stimmungspapiere hingewiesen werden. Sollen wir etwa heute die wahre rote Hölle erleben? Emotionsvulkane bei den Feierbiestern? Wir wissen, dass der FC Buyern IMMER die besseren Fans haben wird, aber so recht glauben daran wollen wir noch nicht. Aber gut, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Wieder an Land nach der schwarzgelben Bootstour
Für die Bootstour sind satte 40 Leute angemeldet. Neben den Auswärtsveteranen um Akki, Gregor und Matthias auch noch ein paar andere Schwarzgelbsüchtige inklusive Anhang. Ein kurzer hopfiger Zwischenstopp am Treffpunk und ab aufs Boot. Die Dame am Bording nahm es dann auch nicht so genau mit der schwarzgelben Teilnehmerzahl, so dass unsere vorab gekauften Fahrscheine locker reichen. Für Mo und seine beiden Kumpels reicht es nicht. Da die Kollegen sich nicht so ganz einig sind, wo sie ihre Stange Wasser abstellen sollen, fährt die Meute winkend an ihnen vorbei…

Unter den ersten ungläubigen Blicken der Bedienung, als 40 Pils geordert werden, beginnt der Trip über die Spree. Die ersten Gesangseinlagen werden angestimmt und unter dem Jubel über die Führung der Freiburger im A-Jugend-Pokalfinale geht es weiter Richtung Kanzleramt. Am Ufer kauernde Rote werden freundlich gegrüßt, sie bekommen das Beste für den Abend und die weitere Zukunft mit auf den Weg. Nach einer kurzen Stunde ist die Tour wieder vorbei. Die Bedienung macht noch schnell Erinnerungsfotos, denn sie weiß: So etwas wird sie vermutlich so schnell nicht mehr erleben. Zumindest bis zum 30.05.2015 nicht. Am Ufer werden die Abtrünnigen begrüßt und weiter geht‘s auf die nächste Etappe Richtung S-Bahn. Ein kurzer Tank&Rast-Aufenthalt an einer Dönerbude und weiter mit der Bahn Richtung Gedächtniskirche. Als die erste (und einzige) Klatschpappe unterwegs die Bahn betritt, vermeldet der Lokführer: „Westkurve – AUSVERKAUFT“, unter dem Gelächter aller anwesenden Schwarzgelben...

Partystimmung an der Gedächtniskirche
An der Gedächtniskirche ist erwartungsgemäß die Hölle los. Die schönsten Farben der Welt, so weit das Auge reicht. Einige rote Punkte mit offener Kinnlade  schauen sich voller Ehrfurcht ebenfalls das Gebaren am Ort der ewigen schwarzgelben Liebe an. Schnell ist der erste Rahmen organisiert und die letzten Jungs und Mädels der Reisegruppe Schwarzgelbsucht stoßen zu uns. Der Nachmittag nimmt seinen feucht fröhlichen Lauf. Erwartungsvoll geht es gegen kurz vor 18 Uhr schließlich Richtung Bahnhof Zoo, um die S-Bahn Richtung Olympiastadion zu nehmen.

Der DFB hat leider nicht sein bestes Wochenende erwischt. Am Freitagmittag ist uns bereits aufgefallen, dass das blaue Gesindel um 11 Uhr ja auch das Finale um den A-Jugend-Pokal in Berlin spielen würde. Deshalb geht der Fußballbund davon aus, dass ein paar Blaue nach Berlin reisen, um ein wenig Erlebnistourismus zu betreiben. Folge: Am Abend im Stadion ist kein Alkohol im Ausschank. Die Logik ist schwer nachvollziehbar, aber so funktioniert der Laden in Frankfurt halt. Alkoholverbot im Stadion führt lediglich dazu, dass die Leute sich vorm Spiel ordentlich was reinstellen. Von daher sind solche Aktionen – wie auch bei jedem CL-Spiel – ziemlich sinnfrei. Aber gut, wir sind ja auch nicht wegen des Berliner Pils da, zumindest nicht nur… Die Bahnen sind zu unserer Überraschung auch schon kontrolliert: S-Bahn für die Klatschpappen, U-Bahn für uns, um uns dann alle gemeinsam über die Eventmeile vorm Stadion zu eben jenen zu geleiten. Nee, ist klar…

Am Stadion angekommen, laufen uns obligatorisch noch ein paar alte Bekannte aus dem Sauerland und Dortmund über den Weg. Man trifft sich halt immer wieder und überall in Schwarzgelb. Der Einlass verläuft reibungslos und schnell. Ebenso fix stehen wir im Block, als Nobby auch schon loslegt, das schwarzgelbe Vorprogramm zu moderieren. Die Masse ist schon gut auf Sendung, angepeitscht vom besten Stadionsprecher und Fan der Welt. Das Mikro muss er dann leider nach einiger Zeit an den roten Einpeitscher abgeben, den man aber auch getrost durch einen rotweißen Staubsauger ersetzen kann.

Die nächste Heldentat des DFB bringt dann den DFB-Pokal feierlich ins Stadion. Hatten die senilen Herren aus Frankfurt uns 2012 schon mit einer sich zum FCB bekennenden Ex-Biathletin beglückt,, ist diesma eine rotweiße Alpinistin an der Reihe. Auch egal, interessiert ja eigentlich auch nicht, wer uns da den Pott rein reicht…

Beeindruckende BVB-Choreo vorm Anpfiff
Nach einer ansprechenden Choreo dann endlich Kick-off. Das Spiel ist verhalten. Die Buyern haben die Dreierkette neu erfunden, was uns scheinbar erst mal überrascht. Das Spiel plätschert relativ vor sich hin. Aufkeimende Angriffe unterbindet der nächste Lichtblick des DFB an diesem Tage durch kleinliche Pfiffe, während taktische Fouls ebenfalls nur kleinlich geahndet werden. Die Linie des Florian M. ist früh erkennbar: es gibt keine.  Die Stimmung ist richtig gut, viel besser als noch im Jahr zuvor in Wembley.

Die zweite Halbzeit wird besser und Borussia mutiger. Dann die 64. Minute. Kopfball Hummels, Dante wie ein Seiltänzer, Manuela hebt den Arm (wie immer) – und alle schauen gebannt zum Schiri und Linienrichter und warten auf den Pfiff und die Geste Richtung Anstoßpunkt, um endlich in ekstatischen Jubel ausbrechen zu können. Sekunden später, die sich wie Minuten anfühlen, ist klar: Der Pfiff wird nicht kommen. Was???? Schnell erreichen uns die ersten Nachrichten von den TV-Zuschauern. „War drin“, „Klar drin“, „Beschiss“ usw. Da war er also wieder, der Buyerndusel. Dass die blaue Ratte kurz drauf Piszczek noch elfmeterreif foult, geht schon fast in der Schockstarre unter. Das Spiel neigt sich dem Ende. Verlängerung. Die Bauern zeigen erste Erschöpfungssymptome. Da muss was gehen! Die erste Hälfte der Verlängerung findet auch ohne nennenswerte Aktionen ihr Ende. Elfmeterschießen also, bis wir uns die Kugel dann doch selber reinlegen. Wieder Robben, dieser W….. Seit der Penner bei uns 2012 den Elfer verschossen hat, zahlt er es uns doppelt und dreifach zurück. Der Schock sitzt tief und die Befürchtungen, dass die Jungs auch geschockt sind, bewahrheiten sich leider. Die Buyern kopieren zudem noch fröhlich den FC Sevilla und liegen öfter am Boden, als das sie drauf stehen. Ende, Aus, Vorbei. Während sich die Buyern-Kundschaft aus Solidarität an unserer stillen Minute beteiligt, erhebt sich unsere Kurve danach und feiert die Jungs, während die Kundschaft aus Süddeutschland immer noch schweigt. Aha. Als die Klatschpappen den Pott unter einem unüberhörbaren Pfeifkonzert den unverdient überreicht bekommen, schreitet der DFB zu seiner letzten Heldentat an diesem Wochenende und übertönt unsere Beileidsbekundungen mit lauter Musik…

Es gibt nur eine Lösung: Auf geht’s Richtung Tränke. Im Stadion gibt’s immer noch nix zu trinken, so dass wir uns auf den Weg zur U-Bahn zurück in die Stadt machen. Unterwegs nur Schwarzgelbe, einige noch hadernd, andere schon die Mannschaft feiernd. Auch einige Klatschpappen kreuzen die Wege. Wie schon in Wembley gucken die Pappen, als wenn sie gerade abgestiegen wären. Emotionen? Nein danke, war nur eine lästige Dienstreise. Mann, mann. Schnell macht der alte Horti-Klassiker „Leise, die Buyern wollen feiern“ die Runde, bis unser Sebi einen raushaut: „Wir feiern für Euch!“ – und der ganze Bahnsteig stimmt mit ein. Unter Gelächter und Gepöbel werden die paar Klatschpappen auf den Bahnsteig eskortiert. In der Bahn steigt unsere Stimmung immer weiter, während man das Unwohlsein der roten Kundschaft deutlich merkt. Statt dagegen zu halten – schweigen. Selbst als man für die Buyern ein „Doublesieger, hey hey“ anstimmt, kommt nach der Aufforderung „…und jetzt die Buyern“:  nur Schweigen. Pokalsiege tun echt weh und sind lästig. Scheiße, schon wieder gewonnen.

Nach endlos langer Fahrt, aber einer Menge Spaß in der Bahn, erreichen wir unseren Kiez. Eva, Holger, Basse und Marcel steuern in gewohnter Manier das Kaffee Burger gleich um die Ecke an. Der Rest ist sich uneins, ob gefeiert werden soll oder nicht. Im Burger wartet man auf jeden Fall immer noch auf unseren Sebi, den wir voller Vorfreude beim ganzen Laden angekündigt haben…

Im Laden wird Basse dann gleich von einer Klatschpappe abgefangen. Holger jucken sofort die Finger, doch schnell entpuppt sich, dass Marcel und Basse die Pappe aus Arnsberger Schulzeiten kennen. Der Typ erfüllt auf jeden Fall kein bisher bekanntes Klischee der roten Kundschaft. Allesfahrer, sehr kritisch gegenüber der Fanstruktur der Roten und Stadionverbotler. Schnell kommt man ins Gespräch über Auswärtsfahrten, Stadion usw. und lässt Mirco  beim Astra Rotlicht ausknipsen mitmachen. Später dann die ersten Fotos (ein Foto mit deren Fanclub-Fahne können wir trotz erhöhtem Rotlichtpegel aber abwehren). Als der Rote um 4.09 Uhr kurz davor ist, die ersten Freundschaftsschals drucken zu lassen, müssen wir reden. Über 1999. Nach kurzer Huldigung von Ole Gunnar Solskjaer haben wir ihn wieder auf Trinkdistanz. Alles gut und schön zu sehen, wie tief dieser Stachel bei denen immer noch sitzt.

Sebi kommt wohl nicht mehr, so dass wir die Astras, die wir für ihn jede Runde mitbestellt haben, selber trinken müssen. Das Burger spielt noch Mr. Vain (weil Sebi nicht mehr kommt) und wir lassen den Abend beim Döner nebenan ausklingen und begrüßen die aufgehende Sonne (wenns nicht geregnet hätte). Ein unvergesslicher Abend. 

Abreisetag, 18.05.: Der Morgen fällt leicht, trotz später und kurzer Nachtruhe. Noch im Hostel gibt’s für Basse und Holger die letzten Brinkhoffs vom Freitag und wir starten Richtung Bahnhof. Die letzten Stunden Berlin verbringen wir in einer Pizzeria am Hauptbahnhof bei Carlsberg, Maracuja-Saft und Carlsberg. Und ja: Wir tragen immer noch schwarzgelb. Krass…!

Am frühen Nachmittag geht’s in die voll besetzte Bahn Richtung Heimat. Sebi und Robi haben einen anderen Zug gebucht. Erst in Hannover kommen die beiden wieder dazu. Insbesondere Sebi hat vom Vorabend noch einige persönliche Enttäuschungen wett zu machen und so erwarten wir von den beiden einen Sack Pils in Hannover. Den bringen sie auch mit und der letzte, sehr lustige Teil der Heimfahrt beginnt. Die Sektion Warendorf und Umland verabschieden wir in Gütersloh, die nächsten steigen in Dortmund aus, während Nicole und Marcel noch ein paar Meter vor sich haben.

Und das war‘s dann auch. Geile Truppe, geile Tour. Pokal brauchen wir nicht, um Spaß zu haben. Zur Not heißt es eben: „Wir feiern für Euch!“


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Schwarzgelbe Grüße von
: Holger, Basse & Marcel

Freitag, 9. August 2013

Ein Tag am Meer

Endlich geht es wieder los. Das muntere Kugel-in-den-falschen-Topf-Spiel des DFB bescherte uns einen Ausflug an die Nordsee zum Jadebusen nach Wilhelmshaven.
Nachdem ein paar Schauer am Morgen für eine ersehnte Abkühlung gesorgt hatten, ging es gegen 08.00 Uhr mit unserer Dreiergruppe aus Dortmund, Richtung Norden. Mit jedem Kilometer weiter, klarte der Himmel und vieles deutete auf einen richtig angenehmen, sonnigen Tag hin. Nach ca. 3,5 Stunden, mit einigen Päuschen, erreichten wir dann Wilhelmshaven gegen Mittag, wo wir uns dann gleich einen Parkplatz am Stadion suchten. Das Stadion liegt etwas außerhalb des Stadtkerns in einem Sportkomplex. Alles wirkte doch ein paar Nummern kleiner, aber durchaus angenehm und sympathisch. Der Parkplatz war für umme und die Polizisten sehr nett und auskunftsfreudig. Irgendwie merkte man auch denen an, dass für sie ein besonderer Tag war. 

Wir machten uns mit dem Bus Richtung Stadt bzw. Strand auf. Einigen Schwatzgelben schmeckte es nicht, dass die Busfahrt extra bezahlt werden musste und nicht, wie in der Bundesliga üblich, in der Eintrittskarte enthalten war. Weshalb man seinen Unmut – der meines Erachtens völlig unangebracht war - jedoch gleich lauthals dem Busfahrer, der vermutlich am wenigsten für diese Situation kann, vor den Latz knallen muss, erschließt sich mir nicht. Nach 45 minütiger Panoramafahrt durch das 70.000 Seelen-Nest Wilhelmshaven, gelangten wir, mit einmal Umsteigen versteht sich, zum Südstrand. Über die sehenswerte Kaiser-Wilhelm-Brücke, mit Ausblick auf den Hafen der Kriegsmarine sowie aufs Mannschaftshotel trafen wir auf Sebi, Chrissy und Sarah, die ebenfalls an dem Morgen aus Westkirchen angereist waren. Der Strand und Promenade waren fest in schwarzgelber Hand und so mancher hatte dem friesisch Herben schon ordentlich zugelacht. Das Revier hatte man gleich mal dadurch markiert, dass man die Fanclubfahnen und –Banner an den Strandkörben aufgehängt hatte, was zu einem eindrucksvollen Bild führte. Am Strand machte sich dann auch schon gleich die erste Boykottwelle breit. Viele, die sich dort aufhielten, wollten nicht zum Spiel. Weshalb man dann diejenigen Schwatzgelben als Modefans anzählen muss, die eine Eintrittskarte fürs Spiel haben und die Mannschaft im Stadion unterstützen wollen, kann ich nicht nachvollziehen. Nach ner knappen Stunde und frisch geölten Haaren gings zurück zum Bus. Auch hier das schon bekannte Geschacher um den Fahrpreis. Dem Busfahrer wurde es zu bunt und aufgrund des großen Andrangs ließ er sich zu einem „Los kommt alle rein und durchgehen“ verleiten – also Busfahren für lau. Endlich. Im Bus selber war eine merkwürdige Stimmung. Viele ordentlich betankte Gestalten unseres Vereins, die zudem eine eindeutige politisch Meinung vertraten, kurbelten in dem Moment nicht gerade die Vorfreude aufs Spiel an. Da man vergeblich Fans des SVW in der Stadt suchte, wurden halt andere Leute angepöbelt. Fremdschämen war hier mal wieder angesagt. Da wir leider einer Fehlinformation des Busfahrers vom Hinweg unterlagen, stiegen wir am ZOB aus, während der Mob weiter im Bus blieb. Aus diesem Gesichtspunkt betrachtet, eine gute Entscheidung. Leider rannte uns so etwas die Zeit davon und da man auf den Einsatz von Sonderbussen vorm Spiel verzichtet hatte, waren wir an den Linienfahrplan gebunden. Taxen waren leider auch keine Alternative, denn es standen schlichtweg keine zur Verfügung… Dennoch erreichten wir gegen 15 Uhr das Jadestadion, wo sich unsere Gruppe dann trennte. Sebi und ich gingen Richtung Südtribüne, der Rest in den Norden zu den Heimfans. Die Schlange vorm Einlass zum Gästeblock war erschreckend lang und selbst 10 Minuten vor Anpfiff waren wir noch nicht wirklich weiter voran gekommen. Auch hier säumten kleine, pubertierende Schwatzgelbe die Reihen und beschimpften die wartenden BVBler, da die sich nicht am Boykott beteiligten. Langsam nervten diese kleinen Selbstdarsteller wirklich. Als wir uns schon ausmalten, erst zur Halbzeit im Stadion zu sein, öffneten die Ordner 5 Minuten vor Anpfiff auch den Haupteingang für uns, so dass wir zumindest schon mal im Stadion waren. Über den einzigen Zugang auf die Gästetribüne hinterm Tor bahnten wir uns unseren Weg in den überfüllt wirkenden Block und waren pünktlich zum Anstoß da. Platz war trotzdem genug vorhanden,, da alle einfach meinten, oben am Eingang stehen bleiben zu müssen. Die Stimmung im Block war nicht existent, was natürlich daran lag, dass das Spiel von den Ultras boykottiert wurde. Auch das Klientel war anders. Man merkte, dass einige wenige wirklich die Chance genutzt hatten, sich mal ein Fußballspiel aus der Nähe anzusehen. Entweder wurden klug irgendwelche Phrasen aus dem Publikum aufgegriffen und weitergetragen oder man fiel dadurch auf, dass man nicht gerade regelkundig daher kam. Naja, wir wollten ja nur das Spiel sehen und uns nicht selbst inszenieren, von daher war es eher amüsant, aber nicht tragisch, diese Leute im Block zu haben. Der Heimblock war ebenfalls gut gefüllt, aber auch hier leuchteten im Wesentlichen den schwatzgelben Trikots. Lediglich hinterm Tor gab es einen Block von ca. 50-100 Mann, die auch ordentlich den SVW anfeuerten. Zum Einlaufen gab es hier ne nette Blockfahne mit Pyroeinlage. Hinter uns versuchte eine Gruppe Heranwachsender Stimmung zu machen, die aber in der Masse irgendwie nicht ankam. Lag sicher auch an der Auswahl des Liedgutes. Später meinte auch diese Gruppe, alle anderen Fans, die sich dem Support nicht anschlossen, als „Umlandfans“ einzuordnen. Die Jungs hatten gut am friesisch Herben geschnuppert und einige ihrer Songs waren auch ganz witzig, von daher gingen sie mit ihrer Art eher weniger auf den Sack. Als „Umlandfans“ wurden bereits im Vorfeld in den Foren jene BVB-Fans bezeichnet, die sich potenziell nicht am Boykott beteiligen würden, weil diese die Chance bekommen würden, den BVB mal live in der Nähe ihrer Heimat zu sehen . Interessant war jedoch, dass diese Gruppe aus 16-20 jährigen über die gute Stimmung/Lieder im Westfalenstadion in den 1990ern philosophierte…

Das Spiel ist schnell erzählt. Typisches Erstrundenspiel mit einem Gegner, der seine defensive Linie 70 Minuten lang wirklich konsequent und gut durchzog und es uns sehr schwer machte. Bei uns fehlte dem einen oder anderen sichtlich ein paar Prozent Einstellung. Trotzdem, in Duksch und Hofmann gab es Lichtblicke. Schön auch, dass Kevin ausgerechnet dann das Tor macht, als die Wilhelmshavener „Eure Eltern gehn´ zum S0x“ anstimmten.
Für die Halbzeit wurde bereits eine Sangeseinlage von der weltbekannten Combo „Hans und die Torjäger“ angekündigt. Da man jedoch kurz vor der Halbzeit, den Dortmunder Block dazu informierte, dass die Feuerwehr in der Halbzeit für Abkühlung sorgen würde – es war die einzige Tribüne ohne Dach und die Sonne stand am Himmel – spielte sich die Show einzig im Süden des Stadions ab. Hans und seine Torjäger trällerten hingegen ungehört im Mittelkreis herum…
Nach dem Spiel verlief alles ruhig, außer ein paar Testosteron gesteuerte Halbstarke, die sich durch einen Typen im Bayern-Trikot provoziert fühlten. Auch eher peinlich, dass man hier, wie von der Tarantel gestochen mit ca. 10 Leuten auf eine Klatschpappe rennen muss. In London hat man die Typen dich auch am besten damit gestraft, sie einfach zu ignorieren. Die Staatsmacht war auf jeden Fall schnell zur Stelle.
Da die Besatzung unseres Burger Kings, irgendwo an der A1 bei Damme, auf komplett Valium war, dauerte unsere Rückfahrt etwas länger als geplant, so dass wir erst gegen 22 Uhr wieder in Dortmund waren.

Fazit: War gut! Abseits der großen Betonschüsseln der Bundesliga, mal ein etwas anderes. Die Gastgeber haben sich wirklich Mühe gegeben und waren gastfreundlich. Klar, man merkte schon, dass die nicht zu jedem Heimspiel ca. 8.000 Leute verarzten müssen. 
Sommer, Sonne, Strand und Fußball – was will man mehr.
Am Auftreten der schwatzgelben Unterstützer muss aber noch stark gearbeitet werden. Das war schlecht und kein Vergleich z.B. mit den Auftritten der letzten Saison, insbesondere international auswärts.

Zum Boykott: bisher fand ich den Boykott eigentlich immer recht angenehm, da sich die Initiatoren stets auf die Fahne geschrieben haben, dass das alles freiwillig abläuft. Das Leute angezählt werden, die ins Stadion gehen, ist meiner Meinung nach nicht förderlich für diese Aktionen. In der Liga ist die Kritik an den Eintrittspreisen auch durchaus berechtigt, da hier einige Vereine nur abkassieren. Meines Erachtens lag aber in Wilhelmshaven eine andere Situation vor. Im Pokal werden die Eintrittsgelder zwischen Gastgeber, Gast und vor allem DFB geteilt. Mittlerweile hat der DFB es sogar den Gästen untersagt, ihren Anteil dem Gastgeber zu überlassen. Das war eigentlich jahrelang üblich. Wenn man sich jetzt vor Augen führt, dass ein Stehplatz bei einem Regionalligaspiel in Wilhelmshaven 8,00 € kostet und man diese dann noch mit BVB und DFB zu teilen hätte, kann ich zumindest verstehen und akzeptieren, dass man die Preise auf ein Niveau anhebt, damit man ein paar Euros über macht und nicht noch drauf zahlt. Letztlich ist das Erreichen der ersten Hauptrunde für die kleinen Clubs fast überlebenswichtig und die Einnahmen decken meistens den Etat der kompletten Saison. 
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Schwarzgelbe Grüße von
: Holger

Donnerstag, 28. Februar 2013

Ey, das Klo zischt?!?!

DFB-Pokal-Viertelfinale: Bauern München – BVB 1-0 

Los geht’s um 10.30 Uhr vom ZOB in Dortmund mit Magic Goalgetters. 39,00 € für die Busfahrt sind unschlagbar, Pils fürn Euro und ein Riesenschnitzel für 2 € sind auch mehr als fair.

Basse, Holger und Marcel beschließen dann auch gleich ne Kiste zu kaufen. „Gibt ja noch ne Rückfahrt“ gibt Marcel nach anfänglichen Zweifeln zu Gute
Die Klientel im Bus ist erstaunlich normal. Die Goalgetters stellen gefühlt die Hälfte bis 2/3 des Busses, der Rest sind andere Fanclubs, die sich über die Internetseite des Clubs eingebucht haben. Die Organisation ist sehr gut. Läuft alles ohne Probleme ab. Selbst eine Sitzverteilung für die anderen Fanclubs ist vorbereitet, so dass gewährleistet ist, dass die einzelnen Fanclubs/Reisenden auch möglichst im Bus zusammen sitzen.
Im Bus läuft irgendwas von den Hosen und Ärzten, Sportfreunde Stiller und ab und zu auch mal BVB-Songs. Kritisch wird’s, als kurz vor Lüdenscheid das erste (und zum Glück einzige Mal) irgendein Onkelz-Mist erklingt. Hier zeigt sich das wahre Gesicht eines Fanclubs – doch bis auf ein, zwei Unverbesserliche, findet diese Musik zum Glück keinen Anklang. Gut so.
Bereits in DO am ZOB und auch auf unserem ersten Zwischenstopp bei Olpe begegnen wir den ersten Grauweißen aus Bochum. Scheinbar ist die ganze Szene der Mäuse unterwegs nach Stuttgart, das dokumentieren zumindest  die 2 Busse und der eine PKW von den kleinen Vorstädtern.
In Olpe gibt’s dann auch den ersten Aufreger im Bus, denn das Klo an Bord gibt erste, zischende Geräusche von sich. Verunsicherung macht sich breit. Jeder rennt noch mal schnell auf den Schacht, in weiser Voraussicht, dass die Klofrau gleich den Laden schließt. Das wäre der Genickschuss. Hektisch versucht die Expertenschaft im Bus das Problem zu Lokalisieren. Einzig beim Beheben, ist man unentschlossen. Irgendeine Klappe klemmt, einer müsste mal reinfassen… aber lassen wir das. Vermutlich zeigt das Gebräu im Tank einfach die ersten biochemischen Reaktionen. Egal. Mit zischendem Pott, dessen Nutzung nun höchste Leistungen für die Nasenflügelinnenwände bedeutet, aber immer besserer Laune geht’s weiter. In Frankfurt ist der Rahmen, der ja eigentlich für zurück noch reichen sollte, leer und wir laden nach. Logisch, das auch der nur bis München hält. Irgendwo im Fränkischen, zwischen Würzburg und Nürnberg ist der Bus trocken und wir steuern einen Getränkemarkt irgendwo abseits der Autobahn in einem Industriegebiet an und laden nach. Alles gut. Wir erreichen das Schlauchboot gegen 19 Uhr. Alles soweit kein Problem. Pils gibt’s normal, auch im Gästebereich, nur die Unsitte, dass man nix mit in den Block nehmen darf, stört. Aber auch das Problem wird schnell gelöst: es ist Winter und die Jacken sind weit. Da passt bequem so ein Bembel drunter. Die Bayerische Schikane lässt jedoch nicht lange auf sich warten. Sinnigerweise interessiert man sich nicht für das geschmuggelte Pils, dafür aber, wenn man nicht auf seinem Platz sitzt/steht. Dabei steht eh jeder wo er will und gerade was frei ist. Trotzdem wird Holger von so einem Amigo drei Plätze von Basse und Marcel weg zitiert (es sind nicht mal die Plätze, die auf unseren Karten stehen!), um danach, unter Beobachtung des selbigen, wieder zu den beiden zurück zu kehren. Ja, ja, wird Zeit, dass man endlich die Mauer um diesen Freistaat zieht.

Das Spiel ist scheiße und enttäuschend, der Support wie immer hervorragend. Mehr dazu nicht. Nach Spielschluss gibt’s bei einigen extrem schlechte Laune (Holger), die so weit geht, dass die Kommunikation von anderen Mitreisenden eingestellt wird. Die Frustkiste Pils, die beim Betreten des Busses gekauft wird, wird nicht mehr angerührt und schlummert auf der Rückfahrt jungfräulich neben Holger, was sehr bequem ist, zumal der Luxus eines Zweiersitzes so wirklich effektiv genutzt wird…

Um 06.30 Uhr sind wir zurück in Dortmund. Müde, aber ausgeschlafen (die Augen gingen in München zu und gingen erst wieder in Dortmund auf). Mit Hals und einer vollen Kiste Pils trennte sich dann unsere Reisegruppe.

Fazit: wie immer, wenn Basse, Marcel und Holger auf Reisen gehen, wird am Glas die Höchstleistung abgerufen. „Tour war geil, bis aufs Spiel“- das wird uns wohl immer verfolgen, wenn wir 3 unterwegs sind… Egal, NUR DER BVB.

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Schwarzgelbe Grüße von
: Holger, Basse & Marcel

Donnerstag, 9. Februar 2012

Bei den Störchen

Dienstag 07.02.12. 10:00 Uhr. Dortmund. -14 Grad. leichter Schneefall. Bester Voraussetzungen für einen lauschigen Pokalabend an der warmen See in Schleswig-Holstein. Irgendwie zeigte das Thermometer immer weniger Temperatur an, je weiter wir gen Osten über den Haarstrang fuhren (da mussten wir hin, um die Jungs abzuladen). -17 waren es am Ende. Schwer bepackt mit sämtlichen, wärmenden Kleidungsstücken ging es dann los Richtung Ostsee. Je weiter wir nach Norden kamen, desto weniger wurde der Schnee und zu unserem Erstaunen, kletterte das Thermometer am Ende auch, auf lauschig warme -3 Grad. Hinter Hamburg lag dann allerdings mal richtig Schnee und das Wetter würde man eher auf usselig stufen: Schnee und Nebel.
Der NDR empfahl ab ca. 14 Uhr, alle halbe Stunde in seinen Verkehrsnachrichten, dass man das Holstein-Stadion großräumig meiden solle und bereits jetzt dort die Hölle los sei. Herzlichen Glückwunsch. Ansonsten war das Programm ebenfalls auf die anstehende Pokalsensation des Abends ausgelegt. Spiel des Jahrzehnts, nein des Jahrhunderts, "Wir haben keine Chance, aber deswegen gewinnen wir heute" usw. Klopp durfte dann auch mal seinen Senf abgeben. Kam wie gewohnt ziemlich entspannt rüber (Thema Platzverhältnisse und Temperaturen - Zitat"Wir trainieren täglich bei dem Wetter und auf gefrorenen Plätzen oder glauben Sie bei uns in Dortmund ist besseres Wetter?"). Gegen 15.30 Uhr erreichten wir dann auch unsere Bleibe in Kellenhusen, ca. 80 km von Kiel entfernt. Das erste Pils wurde geköpft (ich bin die Strecke gefahren). Um 17.30 Uhr gings dann endlich los, in Skiunterwäsche, Skihose und allerlei sonstigen Klamotten an.
Die Strecke nach Kiel ist wirklich kein Spaß. 80 km über Land gegurke, zudem nun mit dichtem Schneefall und Schneeverwehungen garniert. Egal, relativ pünktlich erreichten wir die Landeshauptstadt und an der Abfahrt zum Stadion, stauten sich dann auch die Autos und Busse, ohne das es erkennbar vorwärts ging. Willkommen in der Provinz. Die Zeit verstrich und so langsam wurde man doch etwa nervös. Es war schwer abzuschätzen wo man noch Parkplätze finden würde und wie lange man vor allem noch suchen müsste. Ok, alles halb so wild. Irgendwie hat man immer den Massenauflauf bei uns vor Augen. Letztlich haben wir dann einen Parkplatz ca. 10min vom Stadion entfernt finden können. Es parkte an dem Abend ums Stadion eh jeder wie er wollte, ohne erkennbare Spätfolgen.
Die Massen strömten Richtung Stadion, wo regsamer Betrieb herrschte. Bierbuden, Würstchenstände usw. suchte man allerdings vergebens. Hinweise, wo sich welche Blöcke/Bereiche befanden, ebenfalls. Aber der freundliche Holsteiner half gerne. Wir kamen ca. 19.45 Uhr am Steh-Gästeblock an, an dem auch die Gästesitzer rein durften, aber auf ihren persönlichen Abholservice warten mussten. In kleinen Gruppen wurden die Sitzer dort abgeholt und in ihren Block geführt, der sich ca. auf Höhe der Mittellinie befand. Der Stehblock lag klassisch hinterm Tor, unüberdacht und durch eine ehemalige Laufbahn dann doch einige Meter vom Platz entfernt. Für uns bleib nur ein Platz in der letzten Reihen. Die Sicht war naja, aber erträglich. Dachten wir zumindest bis kurz vor Anpfiff. Im Gästebereich befand sich eine Versorgungsstation, richtig schön, wie man es von Kreisligasportplätzen kennt. Pils gabs vom Fass und Glühwein wurde auch ausgeschenkt. Das Pils vom Fass wurde leider mit einem Schuss Alkholfreiem aus der Flasche versetzt und als Leichtbier verkauft. Den Glühwein konnte man hingegen wahlweise mit Rum oder Amaretto bekommen. Der Sinnhaftigkeit hinter diesen Maßnahmen hat sich mir bisher noch nicht erschlossen… Das Spiel näherte sch dem Anpfiff und die schwatzgelben Fahnen begannen zu flattern - leider direkt bei uns vor der Nase. Wo stehen die Ultras? Direkt vor uns, neben uns, hinter uns. Super, wir also direkt bei den Selbstdarstellern ins schwarz. Platzwechsel? Keine Chance. Alles rappelvoll. So konnte man dann auch nur schemenhaft erkennen, dass die Holsteiner ihr Stadion recht einfach, aber nett, in ihre Landes- bzw. Vereinsfarben gefärbt hatten. Das sah ganz gut aus.
Das Spiel begann und der Support war gleich da. Von den Kielern war nix zu hören. Das erste Tor hab ich nicht gesehen. Irgendwann jubelten die Leute und man sah eine Spielertraube auf dem Platz. Tor! Aber wer? Egal. Das zweite Tor konnten wir dann in der Entstehung sehen, auch das der Ball im Netz war, aber wer? Auch egal. Den Kielern war nach 18 min der Zahn gezogen. Das Spiel lief, wie es sich alle gewünscht hatten. Dummerweise wehten die Fahnen vor uns weiter und der Vordermann mit seinem bescheuerten Doppelhalter, der der Welt zeigte aus welchem Unnaer Vorort er kam, wurde ebenfalls mit Freude hochgehalten. Hurra. Die Stimmung war ausgelassen, das Liedgut abwechslungsreich. Mitte der zweiten Halbzeit, entschlossen sich die Blagens in schwarz dann zu nem Blockpogo, natürlich mit uns und um uns usw. Sah bestimmt ganz nett aus und war auch soweit ok, aber die Capos auf dem Zaun haben das in Endlosschleife laufen lassen! Irgendwann nervte es gewaltig. Der Vorteil für uns war, dass Fahnehochhalten und pogen, nicht funktionieren…Halbzeit. Das Spiel war eigentlich durch. Getränke holen? Nein Danke. Mir wurde immer schlechter, Eva hatte keine Lust, die hochexklusiven Sanitäreinrichtungen der Firma Dixi noch einmal aufsuchen zu müssen. Außerdem schlummerte im Wagen ne Kiste frisches Flens. Das war die Perspektive. Zweite Halbzeit und Schwatzgelb spielte nun auf unser Tor. Die Sicht war ähnlich mau, aber dadurch, dass das Spiel nun auf "unser" Tor lief, konnte man etwas mehr sehen. Mein Vater hatte ne Sitzplatzkarte und war völlig beigeistert. Sicht und Nähe zum Spielfeld waren wohl super. Ok, das Ticket hatte auch schlanke 60 € gekostet.
Das Spiel plätscherte so vor sich hin, der Block sang, aber leider wurden die Songs immer einlullender, langsamer und einfach scheiße. Meinen Frieden mit "Unser ganzes Leben, unser ganzer Stolz" habe ich in Berlin 2008 geschlossen. Das ist ja soweit ok, aber das neue Liedgut hat wirklich teilweise die Güteklasse einer Beerdigung. Irgendwer von den normalen Fans stimmte zwischendurch mal ein "Deutscher Meister ist nur der BVB" an, was aber von den Selbstdarstellern ignoriert wurde. Auch das mittlerweile schon obligatorische "Deutscher Meister steht auf" wurde ignoriert. Selbst als nach Lucas 3-0 "Berlin, Berlin…" angestimmt wurde rümpften die Capos die Nase. Echt scheiße. Stattdessen weiter die Lulla von irgendwelchem Scheiß, Stolz, Stadionverboten etc und Blockpogo in Endlosschleife. Hauptsache man kommt im Fernseeeeeeeehn. Mein Magen meinte dann auch, dass es gut wäre abzupfeifen. Vorher durfte Perisic noch mal ins Tor schießen, wobei die Kieler echt eine interessante Mauertechnik aufbrachten. Aber egal. Ende. Die Spieler liefen in die Kurve und ließen sich zurecht feiern. Das war gut. Die Schwarzmützen musste natürlich alle auf den Zaun klettern. Ok, kennt man ja. Wir sind dann raus, was auch schnell ging. Die Polizeisperre vorm Block hatte auch irgendwie keinen Sinn, denn durch kam man trotzdem. Die Fan-Busse parkten direkt vorm Gästeeingang, auch ein geiler Service. Alles in allem wars echt entspannt. Ok, ob man am Ende dann dieses sinnfreie Banner mit der Botschaft an die Kieler in unserem Block entfalten musste, lass ich mal dahin gestellt. Ich denke, dass Video, was die Kieler gedreht haben und was uns vorm SAP-Spiel gezeigt wurde, war eigentlich Strafe genug für die Störche…Wir sind dann entspannt zum Auto zurück. Irgendwann gabs dann aber direkt vor uns doch ne kleine Schubserei. Einige Kieler provozierten und fanden dankbare Dortmunder. Wir sind dann weiter, schien alles halb so wild.
Die Rückfahrt war dann für mich härter als 90min Pokalviertelfinale für die Jungs. Bereits in Kiel meinte mein Magen, sich entleeren zu müssen. Das setze sich dann auf den langen 80 km bis nach Kellenhusen leider noch ein paar mal vorort, so dass die Rückfahrt echt scheiße war. Im wahrsten Sinne des Wortes. Statt Siegespils gabs Kamillentee. Auch mal ne Erfahrung, die ich aber nicht noch mal machen muss. Aber ich denke mal, dieser Einsatz von mir, muss jetzt mit dem Pokalfinale belohnt werden!
Unterm Strich war das eine ziemlich geile Tour, weil es halt was völlig anderes ist, als man jede Woche in der Liga erlebt. Auch so hätte ich nichts dagegen gehabt, noch ein paar Tage an der Ostsee zu bleiben.

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Schwarzgelbe Grüße von
: Holger & Eva