Mittwoch, 13. Februar 2013

28 Stunden Ostblock und retour

Mo, Manuel & Carsten - und ihr großer Kumpel Lenin.
Gebucht wurde: Fanflieger 370 €, Bus von Dortmunder Hbf zum Flughafen Köln-Bonn: 20 €, Eintritt zum Achtelfinale der Champions-League 6,60 €.

Im Flugzeug sitzt der Gruppentrottel direkt hinter uns: Er säuft, hat das lauteste Organ und macht ziemlich dämliche Witze, der darin gipfelt, dass er ein Loch in eine Flugzeugdecke reißt und die sich als Tunika anzieht. Und dann eine weitere als Kopftuch benutzt, um sich als arabischer Terrorist zu verkleiden. Alle sind müde und wir hören von anderen Seiten „halt doch einfach mal die Fresse“. Ansonsten klappen Flug und Einreise problemlos.
Wir fahren mit dem Bus (schon ein echtes Erlebnis) in die Stadt. CP lädt ALLE Dortmund Fans im Bus (47) ein: 10 Cent pro Fahrt. Dafür darf man bei uns nicht mal die Rolltreppe benutzen. Manuel erklärt mit den Überbleibseln seiner einst blühenden Russischkenntnisse der Kontrolleurin, wo wir hinwollen.
Es ist grau. Es wird den ganzen Tag nicht hell. Es ist nebelig. Trist. So stellt man sich gern mal die Sowjetunion vor. Naja, es scheint auch an einigen Stellen nicht viel passiert zu sein: die Gullideckel sind „aufliegend“, also ca. 15 cm höher als die Umgebung, hier und da sind ein paar Löcher im Asphalt. Mo kommt aus dem Staunen nicht mehr raus, dass ja hier nichts behindertengerecht sei. Ehrlich gesagt ist es auch für nüchterne, gesunde Fußgänger schon „nicht gerecht“.
Wir erreichen den Höhepunkt des Sightseeings: Den Leninplatz, der ungewöhnlicher Weise auch noch so heißt und erstaunlicher Weise auch noch die dazugehörige Statue hat. Wir lassen uns von meinen „Kollegen“ fotografieren.
Da kommt ein Deutschstudent, der sich ebenfalls mit uns fotografieren lassen will. Dann ein Goldzahn-Opa mit Enkel. Er will auch ein Foto mit dem Jungen und uns. „Deutschland, Deutschland, über…“ – Nein, nein sagen wir, das heißt jetzt nicht mehr so. „Dortmund, Dortmund,…“ – ja, das ist ok.
Dann hauen wir ab, um nicht noch mehr Modell zu stehen. Später will man uns nochmal fotografieren. Eigentlich sind die Leute nett. Ein paar lokale Trottel rufen uns auch mal „Heil“ entgegen. Oder „Stalingrad“, was übrigens von hier aus noch ca. 600 km entfernt ist.
Wir wollen essen. Manuel erinnert sich an gutes und günstiges ukrainisches Essen bei seinem Trip mit seiner Frau nach Lemberg vor ca. drei Jahren. Wir finden kein Restaurant (oder es ist angeblich alles reserviert). Als der Magen uns erinnert und die Füße schon etwas weh tun, kehren wir mangels Alternativen in einen Dönerladen ein. Da gibt es bekanntlich kein Bier. Zu spät, wir sitzen schon. Die Toilette ist schon einen Besuch wert. 1A Service (der Döner wird gebracht, der Müll vom Vorgänger bleibt auf dem Tisch). Es gibt einen Heizstrahler. Er ist auf den Kühlschrank gerichtet. Das macht Sinn. Ein BVB-Fan verkauft uns 3 Büxen in magenfreundlicher Temperatur. Das war’s dann auch mit unserem Alkoholgenuss (im Stadion gibt’s nichts).
Der Zug geht los Richtung Stadion. Es laufen ca. 2.000 Fans den kurzen Weg gemeinsam. Auf dem Weg habe wir alle 50 m zwei Uniformierte gesehen. Die sehen noch so ein bisschen aus wie zu Sowjetzeiten, allerdings nicht so albern wie unsere (die ja so Michelin-Männchen-mäßig eingepackt sind).
Vor dem Stadion: Personenkontrolle: Was ist das? Deo. Ok, rein. Vor dem Stadion: Personenkontrolle (ja, schon wieder): Was ist das? Eine Plastikdose mit Erdnüssen. Ok, rein. Vor dem Block (aller guten Dinge sind 3): Personenkontrolle: Was ist das? Deo. Ok, rein.
Das Stadion ist so eine moderne Arena. Es scheint, dass der Großteil der Fans mit dem Geld kam: alle haben orangene Einheitsfähnchen und wedeln alle gleichzeitig. Ganz cool: unser ole, ole – ole, ole machen die hier mit vier Tribünen. Die Haupttribüne zieht nachher eine riesige Blockfahne hoch. Eigentlich cool, aber leider steht da "Shaktar" drauf (zur Erinnerung: Die schreiben hier Kyrillisch). Eigentlich etwas arm. Vor dem Spiel tauscht Manuel seit 15 Jahren endlich mal wieder einen Schal, auch mit lateinischer Schrift. Tja, modernes Merchandise…
Der "Fanblock“ ist nicht mal so breit wie der 5m-Raum. Die ziehen nachher oben ohne aus. Evtl. ein Protest gegen die Beheizung des Stadions (an Energieverschwendung kaum zu überbieten). Außerdem machen die bei der Welle nicht mit.
Nach dem Spiel: Wir haben keinen Transfer zum Flughafen gebucht. Taxi? Nicht nötig: Es gibt kostenlose Shuttlebusse. Wir steigen nach ca. 30 Minuten Rumirren ein. Kurz danach startet ein Motor. Wir atmen in den nächsten 10 Minuten mehr Abgase ein, als in den letzten 10 Jahren zusammen. Alle halten sich irgendwas vor den Mund.
Wir sind froh, endlich am Flughafen zu sein. Wir dürfen 20 Minuten eher starten weil alle da sind. Irrtum. Es werden nach und nach drei Personen aufgerufen. Einer kreuzt nicht auf. Fazit: 10 Minuten Verspätung. Ankunft trotzdem pünktlich, nur der Bus ist noch nicht da. Er kommt nach ca. 40 Minuten. Um 20 vor 8 am nächsten Morgen sind wir wieder in Dortmund. Nach 28 Stunden gehe wir wieder ins Bett.
Ich freue mich schon auf den nächsten Trip!

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Schwarzgelbe Grüße von
: Manuel, Carsten & Mo

Mittwoch, 28. November 2012

Auf zum Karnevalsverein

Der Baumarkt zu Mainz.
Auswärts in Mainz. Wie immer gut gelaunt und ein Auto voller Pils gings die 45 runter. Mainz ist ja nun eigentlich das Gegenteil von Amsterdam, also stellten wir uns jetzt nicht unbedingt auf PKW-Attacken ab Frankfurt, Leuchtraketen auf den Gästeblock, verdecktes Sächsisch in Stadionnähe und ein Killer-Kommando der berüchtigten M-Side ein.
Wir erreichten gegen 14 Uhr den Shuttle-Parkplatz irgendwo auf einem freien Feld. Wo zum Teufel waren wir hier denn? Wir stiegen in den wartenden Shuttle, der voller Mainzer war. Alles locker und man kam schnell ins Gespräch mit den Leuten. Dortmund finden alle toll dort usw. Nach ein paar Minuten sahen wir dann die neue Coface-Arena. Der erste Eindruck von Mo war „Ist das ein Baumarkt?“, was gleich zum Gelächter unter den Mainzern führte. So richtig ernst nehmen die sich halt nicht. Am Stadion trafen wir dann auf den Rest unserer Reisegruppe und nahmen erstmal die ersten frisch Gezapften zu uns. Das Stadion ist schon echt ne seltsame Nummer. Mitten auf der grünen Wiese, in Uni-Nähe, ohne Parkplätze, steht da ein rote Kiste im Hornbach-Style aus Beton. Das wars. Egal, erfüllt ja seinen Zweck und einmal pro Saison hält man das auch aus. Am Gästeeingang verlief ebenfalls alles locker und entspannt. Die Ordner waren überaus freundlich. Die sind sogar sowas von vernagelt freundlich, dass sie unsere abgrundtiefe Abneigung gegenüber den blauen Wixxern nicht verstehen.
Mal was völlig anderes zu dem, was einem sonst so in der Liga begegnet. Pils mit Vollstoff gab es auch im Gästebereich, der Tag verlief als erneut mehr als perfekt. Bezahlen konnte man Wahlweise per Stadionkarte, Chip auf der EC-Karte oder in Bar. Alles sehr gastfreundlich. Wir wurden vom Stadionsprecher und den Mainzern sehr freundlich begrüßt. Glückwünsche zum Erreichen des Achtelfinals der CL wurden mit Applaus serviert, dazu durften wir unsere Aufstellung, wie daheim, selber aufrufen. Das „die 3 Punkte bleiben heute hier“ klang wenig überzeugend.
Hatte alles schon etwas von Amsterdam, weil alles schon fast zu nett war…
Das sollte auch das 0-1 nicht trüben, im Gegenteil, der Support wurde eher noch lauter. Dann wdas Ding souverän gedreht und nach Hause gefahren…
Wir dann auch.

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Schwarzgelbe Grüße von
: Holger

Komm, wir fahrn´ nach Amsterdam!

Ein Bericht über Unterhosen in St. Pauli-Farben, eine holländische Putzmittelvereinigung, einen Deutschen, der jetzt Däne ist und eine Baumarktbesichtigung im Rheinhessischen.

"Tulpen aus Amsterdam" - eine nette Ouverture.
zuvor angekündigt, BVB-Fans keinen Einlass zu den Heimbereich zu gewähren. Somit war unsere Strategie, auch nach Rücksprache mit unserem Ajax-Freund, möglichst nicht als Deutsche aufzufallen, Englisch zu sprechen oder einfach den Mund zu halten. Also, eine gewisse Unsicherheit war also auch noch mit im Gepäck.
Nicht nur wir waren auf Betriebsausflug, auch die Bundespolizei hatte schwer mobilisiert. Am letzten größeren Parkplatz an der A3, bevor man die Grenze passiert, wurde alles, was mehr als 4 Räder und mehr als 5 Mann Besatzung an Bord hatte zum Kaffeeklatsch rausgewunken.
Unsere schwatzgelben Schals, mit denen wir das Auto dekoriert hatten, wurden mit Grenzübertritt in Elten entfernt. Ob diese Maßnahme bei eindeutigem Dortmunder-Kennzeichen mit Sympathiebekundung (1909) sinnvoll bzw. nötig war, lasse ich mal dahin gestellt. Die Mehrheit der Mitreisenden wollte es so… 
Unsere Reiseplanung sah vor, bis Utrecht zu fahren und von dort mit dem IC bis zur Amsterdam Arena. Auch diese Route wurde uns von holländischer Seite mehrfach empfohlen, um zum einen nicht unnötig mit deutschem Kennzeichen in Amsterdam rumzugurken und zum anderen, um dem Verkehrschaos nach Spielschluss zu umgehen. Da im Auto doch einige Pivo zur Beruhigung flossen und irgendwann die Blase entleert werden musste, strandeten wir in einem Vorort von Utrecht. Dank Andreas, der dieses Kaff inklusive Bahninfrastruktur kannte, steuert wir den dortigen Bahnhof an und entschlossen uns, unsere Reise bereits ab hier mit dem Zug fortzusetzen. Der Ticketautomat stellte uns gleich vor eine richtige Herausforderung und nur dank einer sehr netten Holländerin konnten wir endlich unsere Tickets ziehen. Wir fuhren bis Utrecht Hauptbahnhof und von dort wie geplant mit dem IC weiter. Obwohl Utrecht nicht gerade Ajax zu den besten Freunden zählt, waren am Bahnhof schon einige Ajax-Fans zu sehen. Feindkontakt drohte, es wurde also ernst. Fortan herrschte erst mal schweigen in unserer Reisegruppe. Selbst die Autobild-Werbung auf der Warsteiner-Dose wurde möglichst verdeckt bzw. die Dose einfach in einem Zug geleert. Im Zug ein ähnliches Bild: Ajax wohin man sehen konnte und wir mittendrin, schweigend oder krampfhaft Englisch sprechend. Eigentlich zu offensichtlich, als wenn da den Hintergrund nicht erkennen könnte… Egal, die Bahnfahrt war völlig stressfrei. Trotzdem war die Anspannung natürlich bei uns präsent. Im Bahnhof an der Arena wich sie dann aber langsam, als wir die ersten Schwatzgelben, sich offen und eindeutig zeigend, unter den vielen Ajax-Fans, völlig frei bewegen sahen. Das hatten wir so nicht erwartet. Die Anspannung wich. Polizei und Sicherheitskräfte sicherten den Bahnhof und den Vorplatz, bleiben aber dabei dezent im Hintergrund. Nach und nach trudelte dann auch unsere Reisegruppe ein. Horti und Vincent irgendwo aus einem Kaff zwischen Amsterdam und Rotterdam, Marcel, Basse, Kulla und seine Kumpels aus Amsterdam City. Alles gut. Das 6-Pack Heineken gab es im Supermarkt des Bahnhofs zum fast geschenkten Vorteilspreis von 15 €, somit konnte das Vorglühen aufs Spiel beginnen. Vincent, der uns über Ajax netterweise 7 Karten besorgt hatte, begleitet uns dann noch ein Stück zum Stadion und insbesondere die Jungs, für die er Karten besorgt hatte, noch zum Block. Alles war einfach zu entspannt, um wahr zu sein, was sich dann beim Einlass auch zeigen sollte. Während Manuel und ich einmal das Stadion Richtung Gästeblock umkreisten und dort einer sehr zeitintensiven Kontrolle unterlagen, mussten die anderen nun zittern, doch ins Stadion zu kommen. Ajax hatte sich nun doch dazu entschlossen, der Einfachheit halber, nicht nur Dortmundern den Eintritt in die Heimbereiche zu verwehren, sondern gleich jedem Deutschen. Sehr bedenkenswerte Praxis, wenn man sich überlegt, dass es durchaus deutsche Ajax-Fans geben soll. 2 Jungs, die Karten in einem anderen Block als der Großteil hatten, hat es dann auch gleich beim Einlass erwischt. Die beiden durften das Spiel im Hotel gucken. Trotz schneller Kontaktaufnahme mit der Fanbetreuung des BVB Vorort war da nichts zu machen (siehe auch den heutigen Bericht dazu in den RN). Echt scheiße, aber des Risikos war man sich vorher eigentlich bewusst. Basse musste sich als Köln-Fan ausgeben – trotz Karten aus dem Ford-Sponsoren-Pool wollte man ihn da wohl nicht reinlassen – konnte aber geschickt und listig einem Ordner entwischen und im Block ungesehen untertauchen.
Die Feier nach dem sportlichen Spaziergang.
Von den Karten, die über Vincent besorgt wurden, hat es dann ausgerechnet Horti erwischt – also derjenige, der eigentlich den Kontakt zu Vincent hält. Sein Glück war, dass Vincent vorm Block gewartet hatte, bis alle durch waren. Er und Horti, der ab sofort Redeverbot verordnet bekommen hatte, sprinteten die Arena entlang zu irgendeinem Sondereingang für Behinderte, da Vincent dort den Ordner kannte. Die Geschichte war nun, dass Horti Däne sei, extra wegen Christian Eriksen die lange Reise nach Amsterdam angetreten sei und nun – warum auch immer – trotz Karte keinen Zutritt zum Stadion bekam. Da Horti zum Glück wie ein echter Wikinger aussieht, funktionierte tatsächlich. Horti durfte mit ins Stadion und hatte das Glück, das gesamte Spiel in Mitten der berüchtigten F-Side von Amsterdam zu verbringen. Respekt. Er hat es überlebt und hat bereits die dänische Staatbürgerschaft als Thomas Hortinsen beantragt.
Wir im Gästeblock hatten einen völlig unaufgeregten Arbeitstag. Ankommen, 4 Tore bejubeln, Blocksperre, Polizeieskorte, abhauen. Ganz entspannt und einfach. Ich denke, mehr braucht man nach dem Spielverlauf nicht mehr zu sagen.
Zurück gings dann, nach o.g. Blocksperre etwas später, wieder vom Bahnhof der Arena. Alles gut, alles entspannt. Das Spiel war einfach zu eindeutig. Wir bekamen sogar noch den letzten Zug in das Kaff, wo unsere Autos parkten. An diesem Tag passte einfach alles.
Unterm Strich hatte die Fahrt eher etwas von auswärts in Hoffenheim. Zum Glück.

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Schwarzgelbe Grüße von
: Holger